Álvaro Soler vor Konzert in der Jungen Garde: Musik ist für ihn "Medizin"
Dresden - Álvaro Soler (35) ist so etwas wie der Sonnenschein des europäischen Pop. 1991 in Barcelona als Sohn einer spanisch-belgischen Mutter und eines deutschen Vaters geboren, wuchs er in Tokio auf und pendelt heute zwischen Deutschland und Spanien. Der Durchbruch gelang dem studierten Industriedesigner 2015 mit dem Hit "El mismo sol" - gefolgt von "Sofia" und TV-Auftritten, zum Beispiel bei "The Voice Kids".
Solers eingängige Latin-Pop-Songs machen gute Laune und passen gut in den Sommer. Diese Energie will der Sänger auf seine große Open-Air-"El Camino Tour" übertragen - mit dem neuen, vom Weltmusik-Flair geprägten Album im Gepäck verwandelt er Bühnen in mediterrane Tanzflächen, wobei hier und da auch Nachdenkliches herausklingt.
Am Freitag (31. Juli, 19 Uhr) ist Termin in der Jungen Garde (Karten für 62,95 Euro im Vorverkauf). Wir sprachen mit dem Star.
TAG24: "El Camino" ist voller Lebensfreude. Ist das in einer Zeit, die von Unzufriedenheit, Gejammer und Geschimpfe geprägt ist, ein bewusstes Zeichen?
Álvaro Soler: Nicht unbedingt. Es gibt aber einen Song, der genau dieses Gefühl aufgreift: "Stero". Darin geht es um den Wunsch, noch einmal bei Null anzufangen und alles zu resetten. Ich habe den Song vor zwei Jahren geschrieben - und er wirkt heute fast noch aktueller.
Man hat manchmal den Eindruck, dass Grenzen verschwimmen: in der Politik, aber auch in der allgemeinen Stimmung. Das ist schade. Mir ist wichtig, dass wir wieder klarer definieren, was geht und was nicht - und dass Moral und Menschlichkeit wieder mehr Gewicht bekommen.
Grundsätzlich ist Musik für mich aber immer "Medizin": Sie kann Gefühle verstärken, trösten oder motivieren. Sie hilft beim Aufstehen, beim Feiern und auch in Momenten, in denen es einem nicht gut geht. Diese positive Energie gehört seit meinem ersten Album zu mir - und das wird sich nicht ändern.
Álvaro Soler fühlt sich als Weltbürger
TAG24: "El Camino" bedeutet "Der Weg". Welchen Weg meinen Sie und wer geht diesen Weg?
In diesem Fall ist es mein Weg. Beim vierten Album war mir klar: Ich will mich weiterentwickeln, mich neu erfinden und mich selbst überraschen. Das hat sich bis in Details gezeigt - sogar bei Textzeilen und Wörtern, die ich früher oft benutzt habe und diesmal bewusst vermeiden wollte.
Der Titel steht aber auch symbolisch für einen Weg, der weiter hinausgeht: um die Welt, durch unterschiedliche Perspektiven – und vor allem hin zu dem, was mir am wichtigsten ist: Menschen zusammenzubringen.
TAG24: In Ihrer Familie treffen Spanien, Belgien und Deutschland aufeinander. Von außen wirkt das wie die Verkörperung des europäischen Gedankens. Fühlt sich Ihr Leben von innen auch so an?
Ja, durchaus. Ich fühle mich wie ein Weltbürger - und sehr europäisch. Dazu kommt: Ich habe als Kind in Japan gelebt, das prägt bis heute. Als ich dieses Jahr mit meiner Familie dort war, war es ein besonderes Gefühl, mich an einem Ort zu Hause zu fühlen, dessen Sprache ich kaum noch spreche.
Aus mehreren Kulturen zu kommen, ist ein Vorteil. Natürlich gibt es Momente, in denen man sich nicht vollständig zugehörig fühlt - das kenne ich aus der Schulzeit. Aber genau deshalb finde ich es wichtig, offenzubleiben, rauszugehen, andere Kulturen kennenzulernen. Neugier auf Neues ist entscheidend.
Álvaro Soler freut sich auf Show in Dresden
Wie viele Sprachen sprechen Sie - und welche bestimmt Ihren Alltag?
Ich spreche fünf Sprachen fließend: Katalanisch, Spanisch, Deutsch, Englisch und Italienisch. Im Alltag sind es vor allem Spanisch und Deutsch.
Mit meiner Frau spreche ich viel Deutsch - in letzter Zeit aber auch immer häufiger Spanisch. Mit meiner Tochter sprechen wir beide Sprachen, sie wächst bilingual auf.
Hat das Vatersein Ihren Blick auf Musik und Beruf verändert?
Komplett. Mein Beruf ist eng mit meiner Person und meinen Emotionen verbunden - und die verändern sich durch das Vatersein natürlich. Das hat einen sehr positiven Einfluss gehabt. Ich bin sensibler geworden, ich weine mehr - aber das ist etwas Gutes. Ein Song, der für uns sehr persönlich ist, ist "Te Imaginaba": Ich habe ihn für meine Frau geschrieben, und ungefähr in der Zeit, als er erfolgreich wurde, ist unsere Tochter geboren. Für uns ist das wie ein Familien-Soundtrack.
Was erwartet die Fans bei der Show in Dresden?
Ich freue mich sehr auf die Junge Garde - eine der schönsten Bühnen in Deutschland. Wir haben lange an dieser Tour gearbeitet, und für mich ist sie "die reinste Form" von Alvaro: energiegeladen, tanzbar, aber auch mit emotionalen Momenten. Ich finde, die Grenze zwischen Bühne und Publikum sollte nicht zu groß sein – deshalb wird es auch eine kleine Überraschung geben. Ich bin dankbar für alle, die kommen, und freue mich riesig auf Dresden!
Titelfoto: IMAGO/MARC JOHN

