Autorin Ronja von Rönne über ihre Depresionen: "Wenn ich die monetarisieren kann: Bitch, yes, I will"
Berlin - Schriftstellerin Ronja von Rönne (34) hält nichts davon, persönliche Krisen aus der Öffentlichkeit herauszuhalten.
"Die Depression hat mir so viel Lebenszeit, so viel Freude genommen. Wenn ich die monetarisieren kann: Bitch, yes, I will", sagte von Rönne im Interview mit der österreichischen Zeitung "Die Presse".
Die 34-Jährige widersprach damit der Vorstellung, aus psychischen Erkrankungen dürfe kein wirtschaftlicher Nutzen entstehen. Das Leid anderer sei keine "soziale Währung", das eigene hingegen schon. Sie habe kein Problem damit, ihre Erfahrungen literarisch zu verarbeiten.
Mit ihrem neuen Erzählband "Alles Liebe", der zum Bestseller wurde, greift die Berliner Autorin Themen wie Depression, Lüge, Gewalt und moralische Ambivalenz auf. Dabei interessiere sie vor allem die Frage: "Was macht das mit uns, wenn die Leidtragende kein guter Mensch ist?"
Auch dem verbreiteten Ideal der Selbstliebe begegnet die bekannte Autorin und Moderatorin mit Skepsis. "Mit sich selbst ins Gericht zu gehen, ist eines der ehrlichsten Gefühle", sagte sie. Sie hasse sich nicht, finde es aber "verdächtig", wenn Menschen sagten, sie liebten sich selbst. Niemand sei "nur super".
Den Vorwurf, gezielt zu provozieren, weist die Schriftstellerin zurück. "Ich provoziere nie der Provokation halber." Sie glaube vielmehr, dass viele Dinge unausgesprochen blieben, obwohl sie jeder denke. Vor Widerspruch habe sie wenig Angst.
Titelfoto: Fabian Sommer/dpa
