Berliner YouTuber erschwindelt sich Doktortitel: Jetzt ist das Urteil gefallen

Berlin - Es war eine echte Köpenickiade: Marvin Wildhage (25) marschierte in das Bürgeramt in Wedding, ließ sich einen neuen Personalausweis ausstellen. Aus Marvin Wildhage wurde dank gefälschter Promotionsurkunde drei Wochen später Dr. Marvin Wildhage. Dafür musste sich der Berliner YouTuber am heutigen Freitag vor dem Amtsgericht Tiergarten verantworten.

Das Amtsgericht Tiergarten verurteilte Marvin Wildhage (25) wegen Urkundenfälschung und mittelbarer Falschbeurkundung.​
Das Amtsgericht Tiergarten verurteilte Marvin Wildhage (25) wegen Urkundenfälschung und mittelbarer Falschbeurkundung.​  © Screenshot/YouTube/Marvin

"Das Urteil wurde gesprochen", schrieb der ausgebildete Journalist auf Instagram. Ferner verwies er auf ein eigenes YouTube-Video, das ihn nach der Urteilsverkündung im feinsten Zwirn und auf Krücken vor dem Gerichtsgebäude zeigt.

Im Interview mit seinem Parodie-Format "Spiegelei-TV" erklärte der falsche Doktor, der sich auch in Trainingseinheiten der Bundesligisten Hertha BSC und Hannover 96 gemogelt hatte: "Man hat sich auf 40 Tagessätze à 80 Euro geeinigt."

Macht 3200 Euro Geldstrafe wegen Urkundenfälschung und mittelbarer Falschbeurkundung.​

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Mit seinem Urteil sei das Gericht dem ursprünglichen Strafbefehl gefolgt und nicht über die Forderungen der zuständigen Staatsanwaltschaft hinausgegangen, versicherte der Web-Star. Diese habe zuvor "mehr Tagessätze zu geringeren Konditionen gefordert", so der 25-Jährige, der nie eine Universität von innen gesehen hat.

Nach Angaben des gebürtigen Niedersachsen haben sich die beiden Mitarbeiter des Bürgeramtes nicht an die Posse erinnern können und auch nicht die entsprechenden YouTube-Videos angeschaut.

"Sie konnten nicht viel zur Tat sagen, außer dass es weder intern eine Ansprache dazu gab noch, dass die Fehler, die passiert sind, aufgearbeitet wurden", zeigte sich Wildhage überrascht. Außerdem sei "im Nachhinein kein Register über jegliche Unis und deren Studiengänge" eingeführt worden.

Hintergrund: Der Name der Universität, "K.T. Gutenberg Universität Mainz" in Anspielung an die Plagiats-Affäre um den damaligen Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (50, CSU), war frei erfunden. Auch der Titel der fiktiven Doktorarbeit war nur eine willkürliche Aneinanderreihung von Fachtermini.

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Marvin Wildhage (25) verlässt auf Krücken das Amtsgericht Tiergarten nach der Urteilsverkündung.
Marvin Wildhage (25) verlässt auf Krücken das Amtsgericht Tiergarten nach der Urteilsverkündung.  © Screenshot/YouTube/Marvin

Mit der Aktion habe der 25-Jährige auf Missstände in den Bürgerämtern hinweisen und Fehler im System aufzeigen wollen, hatte er damals seiner Netz-Community in einem YouTube-Video mitgeteilt. Den Personalausweis gab er nach dem Streich Tage später im Bürgeramt Schöneberg wieder ab und beantragte einen neuen.

"Finde ich schade. Das Video hat im Nachhinein vor Ort nicht wirklich etwas bewirkt", beklagte der Moderator. "Nichtsdestotrotz muss ich das Urteil hinnehmen."

Ob Wildhage Rechtsmittel bemühen und Einspruch einlegen wird, soll ein Gespräch mit seinem Anwalt klären.

Titelfoto: Screenshot/YouTube/Marvin

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