Christiane Rösinger rechnet mit Jugendwahn und Altersklischees ab: "Regen mich genauso auf"
Berlin - Die Musikerin und Autorin Christiane Rösinger (65) blickt mit Widerspruch, Ironie und Gelassenheit auf das Älterwerden.
"Die Alten regen mich auch auf, die finde ich genauso schlimm wie die Jungen", sagte die frühere Frontfrau der Berliner Indie-Bands Lassie Singers und Britta der Schweizer "Wochenzeitung (WOZ)".
Heutzutage würden sich schon 40-Jährige Sorgen machen, was sie als 65-Jährige ein "bisschen lachhaft" finde, "aber natürlich passiert es mir auch".
Das Alter sei weder automatisch mit Weisheit verbunden noch die Jugend per se bewundernswert.
Die Gesellschaft spiele dabei eine große Rolle. "Besonders als Frau wird man ja sowieso dauernd unter Druck gesetzt, man müsse irgendwas an sich rummachen - unter anderem eben auch, damit man auf keinen Fall älter aussieht", schilderte die Autorin.
In ihrem neuen Buch "The Joy of Ageing"will die Berliner Songschreiberin humorvoll und zugleich schonungslos mit dem Klischee der "unsichtbar werdenden" reifen Frau aufräumen.
Das Werk sei "kein Ratgeber", sondern ein persönlicher Blick auf gesellschaftliche Erwartungen an ältere Frauen, heißt es in der Verlagsbeschreibung.
Christian Rösinger fehlen inzwischen viele Weggefährten
Die Musikerin blickte auch selbstkritisch auf ihr früheres Leben zurück. "In puncto Abstinenz habe ich mir jedenfalls nichts zuschulden kommen lassen", beteuerte sie und fügte an: "Aber manchmal denke ich, vielleicht hätte ich etwas früher damit aufhören können, mit dem Exzess, dem Nächte-Durchsaufen und was weiß ich."
Als besonders belastend beschrieb sie Verluste im persönlichen Umfeld. "Ja, das ist auch das Schlimmste. Das kann man nicht schönreden."
Viele Weggefährten fehlten inzwischen. "Wenn ich Facebook öffne, dieses Alte-Leute-Medium, dann ist da fast immer eine Todesanzeige."
Bekannt wurde Rösinger in den neunziger Jahren mit den Lassie Singers.
Später arbeitete sie als Autorin, Theatermacherin und Musikerin in Berlin. In Interviews betont sie immer wieder, dass sie sich weder mit nostalgischen Altersbildern noch mit Selbstoptimierungsdruck identifizieren könne.
Titelfoto: Dorothea Tuch/Stadt Göttingen/dpa

