Collien Fernandes über digitale Gewalt: "Deutschland ist ein absolutes Täterparadies"

Berlin - Collien Fernandes (44) hat erneut über ihre Vorwürfe gegen Ex-Mann Christian Ulmen (50) gesprochen und dabei die rechtlichen Lücken im Schutz von Opfern digitaler Gewalt kritisiert.

Collien Fernandes (44) sieht große Versäumnisse bei der deutschen Justiz.  © Thomas Banneyer/dpa

Die Schauspielerin machte in einem Interview mit den "tagesthemen" klar: Es gehe ihr nicht um eine persönliche Abrechnung, sondern um ein Systemproblem, das Betroffene zu oft im Stich lasse.

Fernandes sagte, sie äußere sich "nicht erst jetzt" zu dem Thema, sondern "bereits seit Jahren". Sie habe selbst erlebt, dass Anzeigen "nicht weiter verfolgt" würden und das Thema "relativ schnell fallen gelassen wird". Ihr Fazit: "Ich habe selbst Erfahrungen mit dem Justizversagen gemacht."​
Dass sie nun wisse, wer sich hinter den Taten verbirgt, ändere nichts an ihrer Haltung, dass sich dringend etwas ändern müsse.​

Besonders scharf fiel ihre Kritik am deutschen Rechtssystem aus. Fernandes verwies auf eine Dunkelfeld-Studie und erklärte, bei digitaler Gewalt würden nur 2,4 Prozent der Fälle angezeigt. Zugleich hätten ihr Juristen berichtet, dass die Verfahren in den meisten Fällen fallen gelassen würden und den Opfern nicht geholfen werde.

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Vor diesem Hintergrund sei es kein Zufall, dass sie in Spanien geklagt habe, wo die Rechte von Frauen deutlich besser geschützt seien. "Spanien wird immer als recht progressiv bezeichnet, wenn es um diese Thematik geht."

Weiter hieß es: "Und dass die aktuelle Debatte mit dem Täter sich ausschließlich darum dreht, ob Deutschland oder Spanien zuständig ist - das verhandeln gerade die spanischen Anwälte - das zeigt ja, dass Deutschland ein absolutes Täterparadies ist.​"

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Ulmen will gegen Berichterstattung vorgehen

Christian Ulmen (50) kommuniziert in der Sache bislang ausschließlich über seinen Anwalt.  © Soeren Stache/dpa

Im Interview machte Fernandes auch deutlich, wie sehr die öffentliche Debatte sie entlaste. Es helfe, "damit nicht mehr alleine zu sein", betonte sie.

Sie glaube, dass die Gesellschaft als Korrektiv wirken müsse, wenn Täter kein Unrechtsbewusstsein hätten.​ Wichtig sei ihr, sichtbar zu machen, "dass digitale Gewalt reale Gewalt ist" und welche traumatischen Folgen sie haben könne.

Fernandes schilderte, dass sie lange in psychotherapeutischer Behandlung gewesen sei, um das Erlebte aufzuarbeiten. Sie hoffe, dass ihre Offenheit anderen Betroffenen Mut mache, "die Mauer des Schweigens" zu brechen und sich nicht mundtot machen zu lassen.​

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Der Fall hatte am Donnerstag für große Aufmerksamkeit gesorgt, nachdem der "Spiegel" über die Vorwürfe berichtet hatte; laut Berichten geht es unter anderem um Fake-Profile und Deepfake-Pornos.

Christian Ulmen hat sich öffentlich bislang nicht zu den Vorwürfen geäußert und will gegen den Spiegel-Bericht, der den Fall ins Rollen brachte, vorgehen. Eine TAG24-Anfrage blieb bislang unbeantwortet. Für ihn gilt die Unschuldsvermutung.

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