Gedenken an Olympiasiegerin Laura Dahlmeier (†31): "Familie hält sich still"
Von Sabine Dobel, Mathis Richtmann
Garmisch-Partenkirchen - Blumen, Kerzen und immer wieder Menschen, die einen Moment stehenbleiben: Im Laura-Dahlmeier-Park in Garmisch-Partenkirchen ist die Erinnerung an die verstorbene Biathlon-Olympiasiegerin lebendig.
Ein Jahr nach ihrem tödlichen Bergunfall am Laila Peak im pakistanischen Karakorum-Gebirge ist der öffentliche Trubel verklungen. Geblieben ist eine stille Form des Gedenkens – und die Erinnerung an eine Frau, die für viele mehr war als eine erfolgreiche Profisportlerin.
Für die Angehörigen von Laura Dahlmeier ist der Jahrestag vor allem eine private Angelegenheit. "Die Familie hält sich still. Wir sind froh, dass der Hype nach unten gegangen ist, dass ein bisschen Ruhe eingekehrt ist", sagt Vater Andreas Dahlmeier der dpa. "Wir sind müde."
Den Todestag werde die Familie im kleinen Kreis begehen. "Es ist Familiensache", sagt er. Eine öffentliche Gedenkveranstaltung ist nicht geplant.
Ein Foto und eine an einem Felsen angebrachte Tafel erinnern im Laura-Dahlmeier-Park an die begeisterte Bergsteigerin. Den Felsen hat ihre Mutter Susi Dahlmeier ausgesucht. Er stammt aus dem Ferchenbach unweit der Partnachklamm, in der Nähe von Garmisch-Partenkirchen.
"Es ist eine richtige Pilgerstätte geworden", sagt Andreas Dahlmeier. Es sei ein Ort, um innezuhalten.
Gepäckträger erinnert sich an Rettungsversuch am Laila Peak: "läuft mir ein Schauer über den Rücken"
Am 28. Juli vergangenen Jahres war die 31-Jährige mit ihrer Seilpartnerin am knapp 6100 Meter hohen Laila Peak im pakistanischen Karakorum-Gebirge unterwegs, als sie beim Abseilen von Steinschlag getroffen wurde. Wahrscheinlich war Dahlmeier, die ausgebildete Bergführerin und Mitglied der Bergwacht war, sofort tot.
Rettungs- und später Bergungsversuche, an denen unter anderem der mit Dahlmeier befreundete Extremkletterer Thomas Huber beteiligt war, scheiterten.
Auch in Pakistan erinnern sich noch manche an Dahlmeier. In dem Land sterben jedes Jahr Touristen in den Bergen - erst Anfang Juli starb ein Tscheche im Karakorum.
Der Gepäckträger Baqir Ali war an einer Bergungsaktion nach Dahlmeiers Absturz beteiligt. "Es war eine der Rettungsaktionen in meinem Leben, die erfolglos geblieben ist. Selbst jetzt denke ich manchmal an sie und es läuft mir ein Schauer über den Rücken", sagt er der dpa.
Eltern von Laura Dahlmeier sind versöhnt mit ihrer letzten Ruhestätte
Dahlmeiers Eltern haben Frieden damit geschlossen, dass der Leichnam ihrer Tochter in den Bergen in Pakistan fernab der Heimat bleibt. "Ich glaube, das ist der schönste Friedhof, den es für die Laura gibt. Verschmolzen mit dem Herzen der Berge. Das war sie und das ist sie", sagte Susi Dahlmeier Ende Februar bei der Feier zur Benennung des Laura-Dahlmeier-Parks.
"Es fühlt sich manchmal an, als wäre es erst gestern gewesen, und sie ist immer noch in unserem Leben, so präsent", sagte Thomas Huber der dpa. "Es ist wie so ein Echo, das nachhallt, ihre Stimme und das, was sie gesagt hat. Das sollte allen eigentlich Mut geben, das Leben zu leben." Sie habe die Natur mit großer Demut erlebt und stets gewusst, dass zum Alpinismus auch Risiken gehören.
Huber ist gerade wieder aufgebrochen und - wie vor einem Jahr - erneut im pakistanischen Choktoi-Gebiet unterwegs, Luftlinie vielleicht hundert Kilometer vom Laila Peak entfernt. Auch damals war er dort unterwegs und eilte zum Unglücksort. Doch es gab keine Hilfe mehr.
"Die Laura fehlt uns allen", sagt Huber. "An dem Tag, als Laura diesen Unfall hatte, werden wir mit Sicherheit nicht versuchen, auf den Berg zu gehen, sondern innehalten und ihrer gedenken."
Titelfoto: Bildmontage: Hendrik Schmidt/dpa, Olivier Matthys/EPA/dpa

