Gina-Lisas traurige Beichte: "Das habe ich mir selbst angetan"
Frankfurt am Main - Würdet Ihr Euer Leben noch einmal genauso leben? Viele stellen sich diese Frage, wenn sie älter werden - auch Promis. Gina-Lisa Lohfink hat sie anlässlich ihres 40. Geburtstags gewohnt unverblümt beantwortet.
"Ich war von heute auf morgen berühmt", schaut die Blondine, die im hessischen Seligenstadt das Licht der Welt erblickte, gegenüber "Bild" auf ihre "Germany's Next Topmodel"-Teilnahme zurück.
Mit ihrer Art erlangte Lohfink im Jahr 2008 in nur wenigen Wochen einen Bekanntheitsgrad, den sie sich selbst damals wohl kaum erträumt und 18 Jahre später am liebsten niemals erreicht hätte.
Rückblickend würde sie alles gern ungeschehen machen. "Heute freue ich mich darüber gar nicht mehr. Ich finde es schlimm. Berühmt zu sein, ist furchtbar", erklärt die 40-Jährige. "Ich würde alles rückgängig machen, um nicht berühmt zu sein."
Bilder, Videos, Fotos, Autogramme - an Normalität sei schlicht nicht zu denken. "Ich habe kein richtiges Leben mehr." Der Traum vom Rampenlicht wurde für sie zum Albtraum.
Menschen würden alles über sie erzählen, wie es ihr gehe, interessiere aber niemanden. Angebracht wäre genau das allerdings, hat doch nicht nur die GNTM-Bekanntheit und was mit ihr einhergeht bei ihr tiefe Narben hinterlassen.
Gina-Lisa Lohfink spricht über sexuellen Missbrauch: "Die haben mich gebrochen"
Was Lohfink im Gespräch mit der Zeitung über sexuelle Gewalt erzählt, erschüttert. Mehrfach sei sie in ihrem Leben bereits vergewaltigt worden.
"Die haben mich gebrochen", erklärt sie offen. "Ich wäre heute anders, wenn das nicht passiert wäre."
Das gelte auch für ihr durch Operationen massiv verändertes Aussehen, welches sie als "Schutz" bezeichnet und erklärt: "Wenn ich mich ansehe, ekle ich mich nicht mehr." Sie sehe im Spiegel nicht mehr die Person, die vergewaltigt worden sei.
Zwei Männer, die Lohfink beschuldigt hatte, sie sexuell missbraucht zu haben, waren 2016 von einem Gericht freigesprochen worden. Sie selbst wurde wegen falscher Verdächtigung verurteilt.
Eine Debatte über den Umgang mit Opfern sexualisierter Gewalt und eine Strafrechtsreform an sich waren die Folge.
Warum Gina-Lisa Lohfink trotz allem überraschend positiv in die Zukunft blickt
Die Hessin warnt andere vor Schönheitseingriffen und deren starken Auswirkungen auf die eigene Gesundheit. "Ich habe jeden Tag Schmerzen. Jeden Tag muss ich mich darum kümmern. Eiter, Blut, Absonderungen. Das habe ich mir selbst angetan."
Hilfe habe sie nicht erhalten. Ihr nahestehende Personen, die sie in richtige Bahnen lenken? "Das hatte ich nicht. Ich bin immer wieder in die Scheiße gelaufen." An vielen sei sie selbst schuld gewesen. "Wenn ich Mist mache, muss ich dafür bezahlen."
Trotz der Vergangenheit und den Folgen, an denen sie zu nagen hat, fällt ihr Blick nach vorne positiv aus, die schönste Zeit fange für sie erst an. "Ich bin stärker, krasser und besser denn je und habe aus allem gelernt. Jetzt ist die Zeit. Jetzt ist mein Leben."
Lohfinks vielleicht größter Wunsch? "Wenn ich irgendwann sterbe, möchte ich nicht, dass die Menschen nur an Skandale denken. Ich möchte, dass sie sagen: Gina war eine Kämpferin. Gina war ein Mensch, der etwas Gutes wollte."
Titelfoto: IMAGO/Gartner

