GNTM-Soulin wird politisch: Schwer, Flüchtlinge aufzunehmen. Schwerer, Flüchtling zu sein

Hamburg/Brüssel - Es ist ein absolutes Novum! Statt sich "nur" auf ihre Model-Karriere nach GNTM zu konzentrieren, wagte sich Syrierin Soulin Omar (20) an ein brisantes Thema: die Flüchtlingspolitik. Dazu sprach sie auf Instagram mit der EU-Abgeordneten Abir Al-Sahlani (45).

EU-Abgeordnete Abir Al-Sahlani (45, l.) und Model Soulin Omar (20).
EU-Abgeordnete Abir Al-Sahlani (45, l.) und Model Soulin Omar (20).  © Screenshot/Instagram/abiralsahlani, Screenshot/Instagram/soulinomar

Mit elf Jahren floh Soulin mit einem Teil ihrer Familie aus dem vom Krieg gebeutelten Syrien. Sie verließ ihre Freunde, ihre Heimat. Vor rund sechs Jahren kam sie nach Deutschland.

Tränenreich erzählte die junge Frau schon während ihrer Teilnahme bei "Germany's Next Topmodel" von ihrer Geschichte.

Im Gespräch mit Abir Al-Sahlani, die selbst mit ihrer Familie in den 70er-Jahren aus dem Irak floh, ging es am Donnerstag um genau diese Themen. Flucht, Krieg und Willkommenskultur.

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Man müsse immer die Tasche gepackt haben, weil man nie wisse, wann man wieder losmüsse, so Soulin. Sie flohen damals mitten in der Nacht. Ihr Bruder war schon zuvor zum Studium nach Deutschland gegangen und brachte seine Familie dazu, Syrien ebenfalls zu verlassen.

Sie konnte ihren Freunden nicht einmal mehr auf Wiedersehen sagen.

Erst ging es für die Familie in die Türkei. Bleiben wollten sie nicht. Die Hoffnung: Nach einem Monat wieder zurück in die Heimat. Aus einem Monat wurden Jahre. Drei Jahre blieb sie in der Türkei.

Dann der "Jackpot", erinnert sich Soulin im Gespräch. Die Familie bekam die Chance nach Deutschland zu gehen. Mit einem ganz normalem Visum. Das sei sehr selten.

Soulin habe sich zum einen willkommen, zum anderen aber auch gar nicht willkommen gefühlt. Schüler wüssten nämlich nicht, was es heißt, zu fliehen. Über Flüchtlinge bekämen sie erst viel zu spät etwas in der Schule beigebracht.

EU-Bürger hätten die Perspektive verloren und vergäßen, dass Menschen aus unterschiedlichen Gründen immigrieren. Sie würden in der Debatte um Flüchtlinge alle in einen Topf geworfen. "Das ist gefährlich."

Natürlich seien manche auf der Suche, nach einem besseren Leben und Jobs, so Abir. Andere hingegen immigrieren vor dem Tod, fasste es die Politikerin radikal zusammen.

Sie verließen ihre Heimat, ihr Zuhause, ihre bekannte und geliebte Umgebung, um sich und ihrer Kinder zu beschützen. Das tue man nicht, weil es so schön in der EU sei.

Niemand nehme eine Flucht auf sich, um es ein bisschen schöner zu haben. Auch Soulins Familie wollte nicht weg. Nicht die Gerüche, die Umgebung, den Alltag und die Freunde verlassen.

Das ganze Interview auf Instagram

Es ist schwer, Flüchtlinge aufzunehmen, aber es is schwerer, Flüchtling zu sein

EU-Abgeordnete Abir Al-Sahlani (45, u.) und Model Soulin Omar (20, o.) im Gespräch.
EU-Abgeordnete Abir Al-Sahlani (45, u.) und Model Soulin Omar (20, o.) im Gespräch.  © Screenshot/Instagram/europeanparliament

Politisch könnte mehr für Flüchtende gemacht werden. Das werde auch versucht. Die Verteilung der Flüchtlinge sei aber schwer, weil nicht alle 27 Mitglieder der EU diese aufnehmen wollen. Die Verantwortung müsse aber verteilt werden.

Was das Europäische Parlament für Flüchtlinge tue, sei gar nicht die entscheidende Frage, sondern eher, ob sie genug mache. Vermutlich nicht.

Das große Problem, weshalb es nicht zur Einigung innerhalb der EU käme: (Fast) Niemand wolle Flüchtlinge in seinem Land haben.

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Soulin verstehe, dass es jede menge Arbeit und schwer für Länder sei, Flüchtlinge aufzunehmen. Aber es sei schwerer, ein Flüchtling zu sein.

Die UN braucht "Eier"

Soulin Omar (20) spricht in ihrer Instagram-Story.
Soulin Omar (20) spricht in ihrer Instagram-Story.  © Screenshot/Instagram/soulinomar

Eine Lösung sei, durch die Vereinten Nationen (UN) Kriege von vornherein zu verhindern, so Abir Al-Sahlani.

Die UN müsse "Eier und Muskeln" entwickeln und Kriege stoppen, wenn diese sich nicht vorher verhindern ließen. Warum das nicht geschieht: Ein einziges Land könne verhindern, dass gewisse Schritte gegangen werden. "How could we?"

Soulin ist der Meinung, dass die UN in Syrien handeln müsse. Nicht nur die Folgen (Flucht) müssten gelöst werden, sondern auch die Gründe, die die Flucht verursacht hätten.

Die Lösung für die Probleme? Demokratie, ist sich die Abgeordnete sicher.

Diese würden nicht so einfach Kriege führen. Menschenrechte seien dann vom Gesetz geschützt. In Demokratien sei kein Platz für Korruption. Das sei wichtig, denn auch Korruption würde Menschen töten. Key-issue sollte es deshalb sein, Demokratien aufzubauen. Das sei natürlich nicht einfach und brauche Zeit.

Jetzt hieße es abwarten, aber auch Druck auf die Landesregierungen ausüben. So könne jeder etwas tun.

Titelfoto: Screenshot/Instagram/abiralsahlani, Screenshot/Instagram/soulinomar

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