Von Shaun Tandon
New York (USA) - "Der "Saxofon-Koloss" ist tot: Die US-Jazzlegende Sonny Rollins ist im Alter von 95 Jahren gestorben. Rollins starb am Montag in seinem Haus in Woodstock im US-Bundesstaat New York, wie es auf seiner Website hieß. Der Saxofonist gehörte zu den letzten Größen der goldenen Ära des Jazz.
Der im New Yorker Stadtteil Harlem geborene Rollins gehörte zu den herausragendsten Saxofonisten überhaupt und wird in einem Atemzug mit Größen wie Charlie Parker, Coleman Hawkins und John Coltrane genannt.
In jungen Jahren spielte er bereits mit Jazz-Legenden wie Parker, Miles Davis und Thelonious Monk. Seine Weggefährten überlebte er um Jahrzehnte und trat trotz Atemwegsproblemen bis ins hohe Alter auf.
In einem Interview mit der Nachrichtenagentur AFP im Jahr 2016 schrieb Rollins seine Langlebigkeit unter anderem den Yoga-Übungen zu, die ihm bei der Konzentration halfen und von Drogen und Alkohol fernhielten. Vor allem aber sah er dahinter seine kreative Neugier: "Ich lebe noch, weil ich immer noch lerne", sagte er.
Seinen Spitznamen "Saxophone Colossus" trug Rollins nach seinem legendären gleichnamigen Album von 1956. Im Gedächtnis blieb vielen Fans auch Rollins' Auszeit Anfang der 60er-Jahre, als er überwältigt vom Ruhm drei Jahre lang täglich stundenlang und bei jedem Wetter auf der Williamsburg Bridge zwischen den New Yorker Stadtteilen Brooklyn und Manhattan übte. Diese Zeit brachte eines seiner bekanntesten Alben hervor, das 1962 veröffentlichte "The Bridge".
"Wenn ich spiele und improvisiere, denke ich nicht, denn die Musik kommt aus dem Unterbewusstsein, von irgendwo anders", sagte Rollins in einem Interview der Website "The Root". "Ich bin nur ein Mensch, und wenn ich mein Horn spiele, gelange ich in einen Zustand, in dem die Musik mich spielt. Ich stehe nur da oben und bearbeite mein Horn und blase."
Jazz-Star Sonny Rollins war Teil der US-Bürgerrechtsbewegung
Immer wieder setzte Rollins sich mit seiner Musik für politische Ziele ein. Sein 20 Minuten langes Stück "Freedom Suite" von 1958 widmete er der schwarzen Bürgerrechtsbewegung. Die Terroranschläge vom 11. September 2001 erlebte er hautnah mit: Sein Wohnhaus stand nur sechs Querstraßen vom World Trade Center entfernt und Rollins musste über 40 Etagen die Treppen hinunterlaufen, um sich in Sicherheit zu bringen.
Trotzdem trat der Saxofonist nur vier Tage später in Boston auf, wohin er wegen des gesperrten Luftraums mit dem Auto fuhr. Die Live-Aufnahme des Konzerts widmete er den Opfern von 9/11.