Berlin - Schauspieler Max Riemelt (42) spricht erstmals offen über seine Kindheit. Dabei verrät er, warum ihn die Trennung seiner Eltern bis heute prägt und weshalb ihn sein neuer Film auch als Vater besonders berührt.
"Etwas ganz Besonderes" (ab dem 9. Juli im Kino) erzählt von einer Familie, die nach der Trennung der Eltern aus dem Gleichgewicht gerät.
Damit sich die Filmfamilie möglichst echt anfühlte, ging das Kennenlernen weit über klassische Proben hinaus. "Wir spielten Trinkspiele, Scharade, kochten gemeinsam", teilt der Schauspieler mit. So habe sich eine Dynamik entwickelt, "die du dir selber gar nicht ausdenken kannst."
Dennoch betont der 42-Jährige, dass auch er mit Unsicherheiten zu kämpfen hat. "Jeder hat ein Ego, jeder hat Ängste. Keiner will allein sein und allein sterben. Dementsprechend möchte ich natürlich auch gefallen."
Seine Harmoniebedürftigkeit führt Riemelt auf seine eigene Vergangenheit zurück. "Ich bin selbst ein Trennungskind, das harmoniebedürftig war und immer wusste, was der andere will, bevor er es überhaupt sagt. Das musste ich erst mal brechen."
Max Riemelt: "Für die Erziehung eines Kindes ist ein ganzes Dorf verantwortlich"
In dem neuen Kinofilm spielt er den Vater einer Jugendlichen. Dabei konnte der Schauspieler viele persönliche Erfahrungen mitnehmen.
"Wenn man auch eine Tochter hat, die im gleichen Alter ist wie die Filmtochter, dann reflektiert man das noch mal anders, was das alles bedeutet", erzählt er im Gespräch mit der B.Z. "Da geht es nicht oberflächlich darum, selber Vater zu sein."
Nach seinen eigenen Vorbildern gefragt, nennt Riemelt überraschend keine einzelne Person. "Für die Erziehung eines Kindes ist immer ein ganzes Dorf verantwortlich", sagt er. Für ihn sei dieses "Dorf" Berlin gewesen. "Ich hatte ein ziemlich breites Spektrum an Menschen."
Seiner Heimatstadt fühlt sich der Schauspieler bis heute eng verbunden. "Ich bin stolz darauf, Berliner zu sein", betont Riemelt. Entscheidend seien für ihn aber weniger die Straßen oder Kieze als die Menschen, mit denen er aufgewachsen ist.
Über manche selbst ernannte Hauptstädter kann er sich sogar ein Schmunzeln nicht verkneifen: "Manchmal finde ich es lustig, welche Leute sich Berliner nennen, obwohl sie woanders herkommen."