Schwulen-Aktivist Rosa von Praunheim zu Gast bei Chez Krömer: Er kennt sein Todesdatum

Berlin - Zur vorletzten Folge der siebten Staffel von Chez Krömer lud Kurt Krömer (47) einen ganz besonderen Gast zu sich in die Sendung ein: Rosa von Praunheim (80). Beim redefreudigen Regisseur und Schwulen-Aktivisten hatte selbst der Komiker Probleme, zu Wort zu kommen. Der Autor hatte viel zu erzählen.

Zwischen Kurt Krömer (47, l.) und Rosa von Praunheim (80) herrschte eine deutlich entspanntere Situation als noch zuletzt.
Zwischen Kurt Krömer (47, l.) und Rosa von Praunheim (80) herrschte eine deutlich entspanntere Situation als noch zuletzt.  © rbb/Carolin Ubl

Schon von Anfang an machte der Gastgeber klar, dass es eine andere Atmosphäre werden würde als noch bei Julian Reichelt (42) oder bei Heinz-Christian Strache (53). "Ich freue mich ehrlich, dass Sie heute da sind, weil ich nur irgendwie Arschgeigen die letzte Zeit interviewt habe."

Der in einem Gefängnis in Riga geborene Filmemacher feierte erst kürzlich seinen 80. Geburtstag und wurde offenbar zum perfekten Zeitpunkt eingeladen. Er kennt sein Todesdatum und das rückt immer näher.

"16. Oktober 2023", berichtet der Senior. So habe es ihm eine Wahrsagerin vor ein paar Jahren vorhergesagt. "Ist die doof? So was sagt man doch nicht. Jetzt denkst du die ganze Zeit an den 16. Oktober oder was?", scheint Krömer davon kein Freund zu sein.

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Zur Überraschung freut sich der Regisseur jedoch darauf, allerdings lebt auch die Wahrsagerin gefährlich. Schon einmal wurde ihm der Tod vorhergesagt. Es kam dann aber anders als gedacht.

"Vielleicht stirbt ja auch die Wahrsagerin", so von Praunheim. "Das ist mir schon mal passiert. Da hat mir eine erzählt: 'In fünf Jahren stirbst du!' Dann bin ich nach fünf Jahren hin und dann hat sie gesagt: 'Nee das war...' Eine Woche später war sie tot."

Neben seinen großen Erfolgen als Filmregisseur ging es im Verhör aber zum größten Teil um Homosexualität. Der 80-Jährige, der einst in einer Talkshow Hape Kerkeling (57) und Alfred Biolek (†87) geoutet hatte, gilt als einer der Vorreiter der deutschen LGBTQ-Bewegung. Daran hatte auch sein Film "Nicht der Homosexuelle ist pervers, sondern die Situation, in der er lebt", den die ARD gar verbieten ließ, großen Anteil.

Regisseur Rosa von Praunheim outete im TV Hape Kerkeling und Alfred Biolek

Der Regisseur Rosa von Praunheim feierte kürzlich seinen 80. Geburtstag. Laut einer Wahrsagerin wird er nur noch knapp ein Jahr leben.
Der Regisseur Rosa von Praunheim feierte kürzlich seinen 80. Geburtstag. Laut einer Wahrsagerin wird er nur noch knapp ein Jahr leben.  © rbb/Carolin Ubl

"Wir haben mit dem Film über 50 Schwulengruppen gegründet. Selbst in der DDR hat man ihn gesehen. Sie haben sich dann zusammengetan, bis die Stasi sie wieder auseinandergebracht hat. Das war sozusagen die Initiative der neuen deutschen Schwulenbewegung."

Der Grund für die provokativen Filme: Er war es satt, dass sich die homosexuellen Männer versteckten. Sie sollten ihre Sexualität offen zeigen. Auch heute könnte man einen seiner Filme wohl gut gebrauchen, wenn auch nicht unbedingt in Deutschland.

"Den Film müsste man in Russland, China, Afrika drehen. Oder im Iran, wo eine Todesstrafe verhängt wird. Da wird der Schwule genauso gehängt wie der, der eine Ziege fickt."

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Kurt Krömer Kurt Krömer spricht ganz offen: Mein Körper hat "Chez Krömer" abgestoßen

Auch wenn Krömer seinem Gast sichtlich positiv gestimmt war, aber vergeblich auf eine Umarmung hoffte, sah das in den 90er-Jahren noch anders aus. 1991 hatte Rosa von Praunheim bei RTL Kerkeling und Biolek ohne dessen Zustimmung geoutet. "Ich habe dich gehasst. Ich war großer Fan von Kerkeling, hab mir das immer angeguckt und dachte dann: 'Da ist jetzt ein fremder Mann, der tut ihm jetzt öffentlich weh.' Dit kam so bei mir an."

Leid tue es ihm aber auch heute nicht. "Politisch war das wichtig. Genauso wie mit den Klimaaktivisten. Sie machen Sachen, über die sich alle ärgern, aber eine Aufmerksamkeit ist da", so der schrille Regisseur. "Es hat ja beiden nicht geschadet. Mir hat es eher geschadet, weil alle mich hassten."

Die vorletzte Folge der siebten Staffel Chez Krömer zum Nachschauen

Noch einmal dürfte ihm das aber nicht mehr passieren, auch wenn er es ihm selbst reizt. "Ich würde gerne jetzt erzählen, wer an Prominenten schwul ist, aber das hat mir mein Freund verboten."

Seiner Meinung nach habe man als Schwuler ein viel schöneres Leben. Auch deshalb könne er nicht verstehen, warum der Comedian nicht homosexuell ist. Krömer aber macht der LGBTQ-Community zumindest etwas Hoffnung. "Vielleicht werde ich ja noch altersschwul."

Ähnlich wie Modedesigner Wolfgang Joop. "Der war schon vorher schwul. Er hat mich mal angemacht, war aber nicht mein Typ", verrät von Praunheim zum Schluss noch eine kleine Anekdote. Ausgestrahlt wird die Folge am heutigen Dienstag um 22.15 Uhr im RBB. Wer nicht so lange warten will, kann sie aber auch schon jetzt auf YouTube oder in der Mediathek sehen. Zum Staffelfinale kommt dann Comedian Faisal Kawusi (31).

Titelfoto: rbb/Carolin Ubl

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