Hamburg - Warum die Volksparteien ums Überleben kämpfen müssen, versuchte CSU-Politiker Markus Blume (51) am Donnerstagabend zu erklären. Markus Lanz (57) wollte seinen Argumenten jedoch keinen Glauben schenken.
Zum Start gab's erstmal Eigenlob: Die CSU sei "gut im Takt" und wirke "als echter Stabilitätsanker", befand Blume. Anlass war die Warnung von CSU-Chef Markus Söder (59) beim jüngsten CSU-Parteitag, es gehe inzwischen "um die Existenz der Volksparteien".
Für Blume eine realistische Einschätzung: In Deutschland seien längst ähnliche Erosionsprozesse zu beobachten wie in anderen europäischen Ländern, sagte der bayerische Kultur-Staatsminister in der ZDF-Talkshow.
"Der größte Freund der AfD sind Facebook, Instagram, TikTok, all die dergleichen", so Blume. Soziale Medien würden radikalen Positionen deutlich mehr Öffentlichkeit verschaffen. Lanz hakte kritisch nach, ob soziale Netzwerke tatsächlich der Grund für die Probleme der Union seien.
Für einen ersten hitzigen Moment sorgte Blume mit einer Spitze gegen Talkshows. "Ihre Sendung funktioniert dann gut, wenn sie richtig zur Sache geht", bemerkte er in Richtung Lanz.
Der Moderator reagierte prompt: "Das heißt mit anderen Worten: Ich bin dafür verantwortlich, dass es schlecht läuft in der CDU, ja?" Als Blume die Aussage relativieren wollte, legte Lanz nach: "Das ist doch wirklich Quatsch! Soll ich aufhören, Sie kritisch zu fragen, weil dann die Gefahr besteht, dass irgendjemand sagt, ach, vielleicht können die es gar nicht?"
Blume stellte daraufhin klar, dass es ihm nicht um die kritische Berichterstattung gehe. Vielmehr müsse sich die Politik grundsätzlich fragen, wie sie sich gegenüber den Bürgern präsentiere.
Juli Zeh rechnet bei Markus Lanz mit der politischen Kommunikation ab
Noch deutlicher wurde Schriftstellerin Juli Zeh (52). Sie kritisierte, dass viele Menschen der Politik inzwischen kaum noch zutrauten, die Probleme des Landes tatsächlich zu lösen.
Die Politik werde zunehmend als "unauthentisch empfunden". Statt überzeugender Konzepte gebe es immer wieder ein "Weiter so". Die Analysen blieben an der Oberfläche. Ihr ernüchterndes Fazit: "Also im Grunde ist das alles heiße Luft."
Zehs Gegenentwurf: Die demokratischen Parteien sollten nicht ausschließlich gegen den rechten oder linken Rand kämpfen, sondern stärker für ihre eigenen Überzeugungen und politischen Ideen eintreten.
Für zusätzlichen Unmut sorgte Bildungsforscherin Nina Kolleck (45) mit einem Blick auf das Wahlverhalten junger Menschen. Umfragen zufolge liege die AfD in Bayern bei Wählern unter 30 Jahren besonders weit vorne.
Auf Lanz' Frage nach den Gründen verwies Kolleck auf eine wachsende Entfremdung zwischen jungen Menschen und Politik. Viele fühlten sich nicht ausreichend gehört, ernst genommen oder in politische Entscheidungen eingebunden.
Ihre Warnung fiel drastisch aus: "Da braut sich ganz schön was zusammen." Der Frust nehme zu, ebenso die Gefahr wachsender Gewaltbereitschaft.