Hamburg - Noch immer beschäftigt Markus Lanz (57) die Reaktion der Europäer auf das Angebot Putins, den Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder (82) als Vermittler im Ukraine-Krieg zu ernennen. Eine solche Idee wies die EU-Chefdiplomatin Kaja Kallas (48) strikt zurück. Doch auch einen konkreten Gegenvorschlag gab es nicht. Der Moderator kann dieses Verhalten im Gespräch mit SPD-Außenpolitiker Adis Ahmetovic (32) nicht nachvollziehen.
"Wir sind als Europäer noch nicht einmal in der Lage, mal einen Menschen damit zu beauftragen, diese Verhandlungen zu führen", beklagte Lanz am Mittwochabend in seiner Sendung. "Wie kann denn das sein?", wollte er wissen.
Zunächst stellte Ahmetovic klar, dass immer zwei Seiten – die Rolle des Vermittlers sowie die Rolle des Verhandlers – betrachtet werden müssten. "Und jetzt ist der Moment da [...], dass wir gemeinsam im Europäischen Format [...] an einer möglichen diplomatischen Initiative arbeiten, um in den nächsten Wochen und Monaten ..."
Der Gastgeber unterbrach den Sozialdemokraten: "Was heißt denn das: Wochen und Monate?", fragte er im Hinblick auf die Tatsache, dass der Vorschlag Putins schon zwei Wochen zurückliegt. Darauf der Politiker: "Die Aufgabe von uns Parlamentariern ist, sehr deutlich zu machen [...], dass wir den Mut aufbringen, zu sagen, dass wir als Europäer an den Verhandlungstisch wollen."
Schon wieder musste Lanz dazwischengehen: "Herr Ahmetovic, bitte! Hören Sie sich selber zu?", sagte der Moderator verärgert. "Welche Art von Mut braucht man dafür?"
SPD-Außenpolitiker übt Kritik an Bundesregierung
Im weiteren Verlauf der Sendung erklärte der Abgeordnete zum Einwand seines Gegenübers, dass man nicht akzeptieren dürfe, dass nur Russland und US-Vertreter über die Zukunft der Ukraine verhandeln. Mit diesem Umstand habe sich die Bundesregierung in letzter Zeit zufriedengegeben, kritisierte Ahmetovic.
"Ich glaube, dass es notwendig ist, sich davon zu lösen, die Verhandlungen an die Amerikaner zu übergeben, zu delegieren", so der 32-Jährige.
Es gehe schließlich auch um die Zukunft der europäischen Sicherheitsarchitektur. "Ich will mich persönlich als Parlamentarier nicht damit zufriedengeben, zu sagen, dass wir es andere machen lassen. Wir müssen es selbst machen", betonte er.
Die komplette, rund 75-minütige Folge mit allen Aussagen und Standpunkten kann in der ZDF-Mediathek auf Abruf angesehen werden.