Spitzensteuersatz 50 Prozent: Linken-Chefin blamiert sich bei Markus Lanz bis auf die Knochen

Erfurt/Potsdam/Hamburg - Sie erhielt viel Redezeit, konnte sie aber kaum nutzen: Bei Talkshow-Master Markus Lanz (52) ist die neue Linken-Chefin Susanne Hennig-Wellsow (43) mächtig ins Schlingern geraten.

Die neue Co-Vorsitzende der Linken, Susanne Hennig-Wellsow (43), war am Mittwoch zu Gast bei Markus Lanz.
Die neue Co-Vorsitzende der Linken, Susanne Hennig-Wellsow (43), war am Mittwoch zu Gast bei Markus Lanz.  © Screenshot/ZDF Mediathek, Markus Lanz

Auch am gestrigen Mittwochabend hatte der 52-Jährige in seiner Talkshow "Markus Lanz" eine bunte Runde zu Gast. Neben CDU-Urgestein Wolfgang Schäuble (78), der per Videoschalte in der Sendung zu sehen und hören war, begrüßte Lanz ebenfalls Journalistin Cerstin Gammelin (56), Psychologe Stephan Grünewald (60) und die Co-Vorsitzende der Linken Susanne Hennig-Wellsow (43).

Vor allem Schäuble und Hennig-Wellsow sollten in der Talkrunde besonders im Blickpunkt stehen.

Doch alles der Reihe nach: Zuerst räumte Lanz dem 78-Jährigen in einem rund 30-minütigen Interview eine Menge Redezeit ein. Gegen Ende der Sendung schwenkte Lanz dann das Scheinwerferlicht nach links und nahm die frisch-gebackene Linken-Chefin ins Kreuzverhör.

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Gleich zu Beginn startete der Moderator mit einem Gedankenexperiment: "Was würden sie tun, wenn sie morgen Bundeskanzlerin wären", wollte er wissen.

"Zunächst wäre das schön", gab die 43-Jährige als Antwort. "Das weiß ich noch nicht", warf Lanz prompt dazwischen. Rums! Der erste Punktsieg für den Gastgeber.

Markus Lanz (52) gab sich nicht mit leeren Worthülsen zufrieden und löcherte die Linken-Politikerin mit Fragen.
Markus Lanz (52) gab sich nicht mit leeren Worthülsen zufrieden und löcherte die Linken-Politikerin mit Fragen.  © Screenshot/ZDF Mediathek, Markus Lanz
Die Politikerin will einen Spitzensteuersatz von 50 Prozent ab einem Jahreseinkommen von 80.000 Euro.
Die Politikerin will einen Spitzensteuersatz von 50 Prozent ab einem Jahreseinkommen von 80.000 Euro.  © Bernd von Jutrczenka/dpa

Im Anschluss an dieses erste verbale Scharmützel ging es dann zur Sache. Markus Lanz wollte ihre finanzpolitischen Interessen genauer wissen.

Hennig-Wellsow erklärte in ihren Ausführungen, dass sie die Schuldenbremse abschaffen und eine Vermögenssteuer ab einer Million Euro einführen möchte.

Auf die Frage nach einem Spitzensteuersatz antwortete sie: "50 Prozent könnte man schon machen" - doch ab welchem Jahreseinkommen? Um diese Frage wollte sich die ehemalige Thüringer Landtagsabgeordnete drücken und versuchte, sich mit Phrasen und Worthülsen rauszuwinden. Doch Lanz blieb hartnäckig:

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"Ich möchte Ihnen die Chance geben ihr Finanzkonzept einmal vorzustellen. Also werden sie mal konkret. Ab welchen Einkommen greift der Spitzensteuersatz?". Ihre Antwort: "Ab 80.000 Euro Jahreseinkommen".

Im Anschluss prasselte ein Fragenfeuerwerk des 52-Jährigen auf die neue Co-Vorsitzende ein. Lanz merkte man dabei an, dass er darauf fixiert war Schwachstellen des Parteiprogramms zu entlarven.

Lanz: "Nicht, dass ich am Ende ihr Programm besser kenne als sie"

Bezüglich ihres Steuersystems musste sich Susanne Hennig-Wellsow einigen kritischen Fragen stellen.
Bezüglich ihres Steuersystems musste sich Susanne Hennig-Wellsow einigen kritischen Fragen stellen.  © Screenshot/ZDF Mediathek, Markus Lanz

"Wie hoch eine Erbschaftssteuer wäre", wollte er beispielsweise wissen. "Das habe ich nicht im Kopf", so die Politikerin, die die meisten Detailfragen im fiktiven Bundeskanzlerinnenamt bis dahin halbwegs souverän hinter sich gebracht hatte, aber auch nur, weil Lanz konkrete Zahlen wollte, sonst wäre es bei inhaltslosen Antworten geblieben. "Das ist doch ein zentraler Baustein", so Lanz. Und weiter: "Nicht, dass ich am Ende ihr Programm besser kenne als sie." Autsch!

Dann ging es um die Vermögenssteuer: Hennig-Wellsow betonte, dass sie eine Vermögenssteuer will. Jemand der zehn Millionen Euro Vermögen hat, soll einmalig 30 Prozent davon abdrücken.

Lanz wiederholte daraufhin: "Heißt, jemand der zehn Millionen hat, drückt einmalig drei Millionen ab, zusätzlich zu den Steuern, die er eh schon zahlt". "Ich finde das angemessen", antwortete die Politikerin.

Danach folgten mehrere Sekunden stilles Schweigen. "Sie können das ja angemessen finden, aber das ist happig", entgegnete er und war sichtlich baff von diesem Modell. "Was passiert, wenn jemand das Geld in einer Immobilie hat? Muss er die verkaufen? Woher hast du plötzlich drei Millionen?", fragte er.

"Das muss man sich im Einzelfall anschauen und kann auch über die Jahre abgezahlt werden", so die Linken-Chefin. Genauer wurde sie nicht.

Kritik kam nicht nur von Lanz, sondern auch von Journalistin Cerstin Gammelin: "Ein Spitzensteuersatz bei 80.000 Euro ist wie ein Wählt-mich-nicht-Programm."

Titelfoto: Screenshot/ZDF Mediathek, Markus Lanz

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