Model deckt Identitäten von Straftätern auf: Müsste AfD-Chefin Alice Weidel eigene Wähler abschieben?

Hamburg - Felix Nieder (32) wurde im Zusammenhang mit einer Aussage zu AfD-Chefin Alice Weidel Opfer von unzähligen Hasskommentaren. Hundert davon brachte er zur Anzeige. Mit Erfolg. Vier Personen konnte eine Straftat nachgewiesen werden. Die Betroffenen müssen ein Bußgeld bezahlen. Inzwischen kennt der Buchautor die Klarnamen der Täter. Was ihn dabei besonders überraschte, erklärte er im exklusiven TAG24-Interview.

Model und Autor Felix Nieder (32) erklärte im TAG24-Interview was ihn bei der Aufdeckung der Identitäten hinter den Hasskommentaren gegen ihn besonders überraschte.  © Alice Nägle/TAG24

Alles hatte damit begonnen, dass sich Nieder öffentlich kritisch zu Weidel äußerte. Der Elmshorner warf der Politikerin "Doppelmoral" vor. Ihre Haltung bezeichnete er zudem als "diskriminierend." Dafür erntete er Hass.

"Es war ein komisches Gefühl, die Klarnamen zu sehen. Zu sehen, wer wirklich der Täter war", stieg der Elmshorner in das Gespräch ein.

Dadurch habe er aber eine wichtige Erkenntnis gewonnen, so Nieder weiter. "Ich konnte nachzuvollziehen: Aus welcher Ecke kommt das?Was für Personen sind das? Wie kann ich einschätzen, welche Personengruppen mir da vielleicht schaden wollten?"

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Dabei habe sich ein ganz klares Bild ergeben, berichtet das Model. "Alle Namen waren deutsche Namen. Alle Namen waren männlich." Der Norddeutsche ist sich außerdem sicher: "Wahrscheinlich sind das auch Männer, die Sympathisanten von der AfD sind."

Gerade im Kontext der Migrationspolitik der AfD – die sich laut eigenen Angaben für "Remigration" und Einbürgerungen nur noch bei "bester Integrationsleistung" nach frühestens zehn Jahren ausspricht – sei das für den 32-Jährigen mehr als bezeichnend.

"Das ist Ironie, [...]. Denn: Wir sprechen von Integration und dann sind es aber deutsche, weiße CIS-Männer, die im Internet so agieren", betonte Nieder mit Blick auf die Ideen der Partei. Aus seiner Sicht müsse man aufhören zu pauschalisieren und die Probleme da suchen, wo sie sind.

"Was ich nicht toleriere, ist, dass hier ebenso keine Integration stattfindet. Wenn man dann doch deutsch sein möchte, dann bitte nach den Gesetzen von Deutschland und das bedeutet ohne Straftaten."

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Felix Nieder spricht sich für Klarnamen-Pflicht auf Social Media aus

Felix Nieder (32) kritisierte AfD-Chefin Alice Weidel (47) und erhielt daraufhin hunderte Hasskommentare.  © Bildmontage: Sebastian Kahnert/dpa, Samir Ammari

Nieder, der sich auch persönlich in der Politik engagiert, spricht sich in diesem Zusammenhang außerdem für eine Klarnamen-Pflicht auf Social-Media aus.

Von insgesamt neun Beleidigungen, die tatsächlich eine Straftat darstellen, konnten in seinem Fall schließlich nur vier Menschen hinter den Kommentaren ausfindig gemacht werden.

Etwas, was sich in Zukunft ändern muss, so Nieder. "Wenn wir die Klarnamen haben und jemand zeigt dich an, dann wirst du verfolgt. Ich finde, das gibt einfach eine gewisse Abschreckung, weil man dann weiß, wenn ich das mache, kann ich eventuell bestraft werden – wie man ja auch in meinem Fall sieht."

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Auch deshalb habe der 32-Jährige die Kommentare zur Anzeige gebracht. Nicht in erster Linie für sich, wie er erklärte, sondern um ein Zeichen zu setzen.

"Ich weiß noch damals, als ich das gemacht habe, haben alle gesagt, das hat keine Auswirkung, da passiert sowieso nichts, Menschen können frei im Internet sein, wie sie wollen", blickte er zurück.

Hass gegen Sarah Engels bestärkte Felix Nieder in seinem Vorhaben

Sarah Engels (33) vertritt Deutschland beim "Eurovision Song Contest" - das gefällt nicht jedem.  © Britta Pedersen/dpa

Auch als zuletzt Sarah Engels (33) wegen ihrer ESC-Teilnahme unschöne Kommentare erhalten habe, sei der Jurist nur nochmals in seinem Vorhaben gestärkt worden.

"Ich fand das so gemein und ich habe gedacht: Müssen wir Menschen uns das gefallen lassen, ob wir nun in der Öffentlichkeit stehen oder privat sind? Ich bin zu dem Entschluss gekommen: Nein, sollten wir nicht! Wir sollten zusammenhalten und sagen: Hey, wir dürfen in dem Moment laut werden, das Gesetz nutzen und sagen: Das hier ist eine Straftat und ich möchte, dass das unterlassen wird."

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