Düstere Aussichten bei Maischberger, Experte: "Unsere Wirtschaft ist von vorgestern"
Berlin - Wie kommt Deutschland wieder auf die Beine? In der Mittwochabend-Ausgabe von "Maischberger" fällte ein bekannter Wirtschaftsexperte ein knallhartes Urteil.
Im Jahr 1993 hatte Unternehmer Roland Berger (88) Deutschland noch als "wirtschaftlichen Riesen" bezeichnet. Inzwischen fällt seine Meinung deutlich nüchterner aus, wie er als Gast bei Sandra Maischberger (59) klarstellte. Mit sanfter, aber klarer Stimme sagte er: "Wir sind international nicht wettbewerbsfähig. Unsere Wirtschaft ist von vorgestern."
Das Land leide unter sinkenden Privatinvestitionen bei gleichzeitig steigenden staatlichen Investitionen. Man sei auf dem besten Weg, von der Volks- in eine Staatswirtschaft abzugleiten.
Ein grundlegender Strukturwandel müsse her - von einer alten Industriegesellschaft hin zu einer modernen, technologiegetriebenen Wirtschaft.
Ebenso erforderlich seien "eine neue Ausrichtung des Sozialstaats und eine massive Bildungsreform". Wirtschaftlich mithalten könne man außerdem nur bei geringer Bürokratie und bei einer Senkung der Unternehmenssteuer.
Als es schließlich um Bundeskanzler Friedrich Merz (70, CDU) ging, kam Roland Berger zu einem gemischten Fazit.
Friedrich Merz muss sich mehr um Innenpolitik kümmern, meint der Wirtschaftsexperte
Merz sei alles in allem zwar "visionsfähig" und damit theoretisch in der Lage, Zukunftsperspektiven für Deutschland zu entwickeln, jedoch fehle es ihm an Führungsqualitäten, meint Berger.
Innenpolitik sei in großem Maße Detailpolitik - dafür brauche man ein feines Gespür und ein ausgeprägtes Verantwortungsbewusstsein. Ob dies bei Merz der Fall sei, müsse der Kanzler erst noch final unter Beweis stellen, so der Experte.
Titelfoto: Thomas Kierok/ARD Das Erste/obs, WDR/Oliver Ziebe
