Vor seinem Konzert in Dresden: Udo Lindenberg verrät, warum "Udopium" die beste Droge ist

Dresden - Udo Lindenberg (76) ist nach langer Pandemie-Pause wieder auf großer Tournee. Auf die Bühne geht er natürlich mit seinen unverzichtbaren Utensilien: Hut, Sonnenbrille und Friedensbotschaften. Am Samstag spielt der Panikrocker im Dresdner Rudolf-Harbig-Stadion sein neues Programm "Udopium 2022", es gibt noch wenige Stehplatz-Tickets (ab 60,45 Euro). Im TAG24-Interview spricht Lindenberg über Corona, Krieg und Frieden, die "Panikperlen" der Show und den Rausch der Bühne als sein Lebenselixier.

Udo Lindenberg (76) beim Start der "Udopium"-Tour in Schwerin. Am Samstag tritt der Panikrocker in Dresden auf.
Udo Lindenberg (76) beim Start der "Udopium"-Tour in Schwerin. Am Samstag tritt der Panikrocker in Dresden auf.  © Jens Büttner/dpa

TAG24: Tag, Udo! Nicht mehr lange bis zum Konzert in Dresden - wie "heiß" bist Du, wieder loszulegen?

Udo Lindenberg: "Wir freuen uns gigantisch auf Dresden, waren so lange nicht mehr da. Wir haben uns jetzt schon gut heißgespielt und können es kaum erwarten, das sächsische Ober-Temperament zu erleben. Für mich ist die Bühne wie Droge, mein Lebenselixier. Aber da sind ja nicht nur die Sänger, die Band - es ist das Publikum, unsere ganze Panikfamilie, der Clan der Lindianer. In den vergangenen drei Jahren haben wir gemerkt, wie sehr wir uns fehlen. Jetzt ist der Dealer wieder da, in Eurem Super-Stadion… mit der besten Droge - Udopium."

TAG24: Die Tournee, die 2020 schon hätte laufen sollen, musste wegen Corona abgeblasen werden. Was hast Du gemacht in der Zeit, wo nichts ging?

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Udo Lindenberg: "Ich schlich durch die endlosen Gänge im Hotel Atlantic, wie Jack Nicholson im spooky Movie Shining. Ich war da ja der einzige Gast. Ich hab gedacht, es spukt. Gute Geister, böse Geister, Flaschengeister - und Funksignale mit diversen UFO-Besatzungen habe ich empfangen. Außerdem hab ich viel Sport gemacht, um mich fit zu halten, für den Tag, wenn es wieder losgeht."

TAG24: Ist das Konzept der "Udopium"-Tour identisch mit den Plänen von 2020 oder habt Ihr noch mal dran gebastelt?

Udo Lindenberg: "Wir bringen unsere großen Hits, die geliebten Panikperlen, aber auch neue Songs, die wir noch nie live gespielt haben. Dazu unser ganzes Panik-Theater mit Tänzerinnen, Artisten, fliegenden Kardinälen… Action ohne Ende, neue Showbilder und eine Band wie ein Geschenk der Götter. Alles sooo el geilo, dass ich da jeden Abend selber hingehe."

"Uns war es immer wichtig, auch klare politische Haltung zu zeigen"

Udo Lindenberg ist auch mit 76 fit wie ein Turnschuh: "Die Bühne ist mein Lebenselixier."
Udo Lindenberg ist auch mit 76 fit wie ein Turnschuh: "Die Bühne ist mein Lebenselixier."  © PR/Tine Acke

TAG24: Du bist seit Langem Friedensaktivist: Inwieweit thematisiert Ihr auf der Tour den Angriff Russlands auf die Ukraine?

Udo Lindenberg: "Wir spielen unsere Friedenssongs. 'Wozu sind Kriege da' - der Song ist ja nun schon fast 40 Jahre alt und ich muss ihn immer noch singen. Durch den verbrecherischen Krieg Putins gegen die Ukraine ist er ja gerade wieder von erschreckender Aktualität. Vergessen wir aber auch nicht all die anderen Kriege, die auf der Welt toben: Syrien, Mali, Sudan, Jemen. Wenn die Menschheit nicht die Kriege beendet, werden die Kriege einmal die Menschheit beenden.

Wir spielen auch den Song 'Komm, wir ziehen in den Frieden' - und wenn auch mancher heute sagt, Pazifismus wäre naiv, dürfen wir, bei allem Realismus, unsere Utopien niemals aufgeben: Utopien von einer sicheren Zukunft für alle Kinder auf unserem Planeten - in der Ukraine, in Russland, in Deutschland und überall auf der Welt."

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TAG24: Findest Du es in Ordnung, dass Deutschland den Ukrainern Waffen liefert?

Udo Lindenberg: "Die so brutal überfallene Ukraine muss natürlich die Möglichkeit haben, sich zu verteidigen - gegen diesen skrupellosen Kriegsverbrecher Putin und dessen Armee."

TAG24: Kann man mit Musik Friedenspolitik machen?

Udo Lindenberg: "Man kann vielleicht nicht die Welt verändern, aber sie ein kleines bisschen besser machen, sensibilisieren für die großen Themen, da gibt's ja viel mehr als nur Frieden. Unsere Lieder für Menschenrechte, gegen Nazis, für eine bunte Republik… das sind schon zündende Anpusher für viele Leute, ganz klar. Natürlich bringen wir reichlich Partysongs und der Joker springt im Dreieck - aber nur Unterhaltung haben wir nie gemacht. Uns war es immer wichtig, dabei auch Haltung zu zeigen, auch klare politische Haltung."

Udo Lindenberg: "Na klar, think big!"

Der 76-Jährige verspricht bei seiner "Udopium"-Tour eine "Big Party bis zum Exzess".
Der 76-Jährige verspricht bei seiner "Udopium"-Tour eine "Big Party bis zum Exzess".  © Jens Büttner/dpa

TAG24: Die Tour umfasst mehr als 20 Konzerte, das ist wohl Hochleistungssport. Mit 76 Jahren bis Du, mit Verlaub, nicht mehr der Jüngste. Wie trainierst Du vor Beginn einer solchen Tournee und wie hältst Du Dich währenddessen fit?

Udo Lindenberg: "Wenn man so lange Jahre dabei ist wie ich, ist da eine gewisse Automatik eingebaut. Tourneen sind wie Hochleistungssport, die halten wach und fit. Ich jogge viel, immer gut getarnt, abends - um die Alster oder wo auch immer gerade ich bin. Kurz vor so 'ner Tour intensiviere ich dann das Training, mit Natalie Zimmermann, Kickboxen-Europameisterin, die macht mich dann richtig fit. Sie will ja jetzt auch im Frauen-Boxen angreifen, Weltmeisterin werden. Na klar, think big!"

TAG24: Was hältst Du von der Impfdebatte rund um Corona? Ist Euer Tourtross - und bis Du selbst - durchgeimpft?

Udo Lindenberg: "Wir sind da ganz eisenhart mit unserem Sicherheitskonzept, testen uns täglich, Masken hinter der Bühne und so. Wir sind ja fast 170 Leute, wenn da einer was einschleppt, kann das schnell 'ne Katastrophe werden - und dann die Konzerte absagen - 'ne Horror-Vorstellung. Nee, der freundliche Panik-Dealer muss ja am Start bleiben und fit und fröhlich sein Udopium anliefern. Bis jetzt sind wir damit gut gefahren, und das halten wir auch durch. Ist zwar ein bisschen ungewohnt für alle, wir treffen sonst ja nach und vor den Konzerten viele Fans und Freunde. Die Fan-Experten machen aber selber ihre After-Show-Partys. Panikfans sind ja schlaue und erfindungsreiche Leute."

TAG24: Wird man als Publikum eigentlich high, wenn man Udopium intus hat? Und wie fühlt sich das an?

Udo Lindenberg: "Das ist ein gigantischer Rausch, der beste, kannste nicht beschreiben. Big Party bis zum Exzess, gemeinsam feiern wir das, was uns verbindet, den Panikstoff, jetzt schon fast 50 Jahre. Und das Beste: Die Droge ist völlig legal."

TAG24: So, und jetzt Hand aufs Herz: Welcher Udo-Song ist Udo von allen Udo-Songs der liebste?

Udo Lindenberg: "Da habe ich jetzt nicht unbedingt einen Favoriten. Mit Blick auf das, was gerade in der Ukraine abgeht, sind es unsere beiden Friedenssongs, die so wichtig sind und die jeden Abend mitgesungen werden. Da weiß ich wieder, dass ich mit meinen Visionen und Hoffnungen nicht alleine bin."

Titelfoto: Jens Büttner/dpa

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