Vergewaltigung, Gewalt und Raserei: Staatsanwaltschaft fordert über sieben Jahre Haft für Høiby
Von Julia Wäschenbach, Sigrid Harms
Oslo - Im Prozess gegen den ältesten Sohn der norwegischen Kronprinzessin hat die Staatsanwaltschaft in Oslo sieben Jahre und sieben Monate Haft für Marius Borg Høiby (29) gefordert.
Die Zeit, die Høiby bereits in der Untersuchungshaft verbracht hat, soll von der Haftstrafe abgezogen werden. Dabei handelt es sich nach Aussage der Staatsanwaltschaft um bislang 63 Tage. Außerdem verlangte die Anklage zum Schluss ihres Plädoyers am Mittwoch ein zweijähriges Kontaktverbot gegenüber einer Ex-Freundin.
Staatsanwalt Sturla Henriksbø forderte, Mette-Marits Sohn in 39 von 40 Anklagepunkten zu verurteilen. Lediglich für einen Verstoß gegen ein Kontaktverbot solle Høiby freigesprochen werden. In diesem Fall soll er seine Ex-Freundin trotz des Verbots versehentlich angerufen haben.
Mette-Marits (52) Sohn ist unter anderem in vier Fällen von Vergewaltigung nach norwegischem Recht angeklagt. In drei Fällen soll er Frauen im Genitalbereich berührt haben. In einem Fall soll es zur Penetration mit dem Penis gekommen sein.
Vergewaltigung, Gewalt, Raserei: 40 Anklagepunkte
"Vergewaltigung kann tiefe Spuren hinterlassen und Leben zerstören", sagte der Staatsanwalt laut der Zeitung "Verdens Gang". Während der mutmaßlichen Taten sollen die Frauen geschlafen beziehungsweise ein Blackout gehabt haben.
Høiby soll sie dabei gefilmt haben. Mit drei der Frauen soll der Angeklagte vor den mutmaßlichen Taten länger freiwilligen Sex gehabt haben - das sollte sich strafmildernd auswirken, sagte Staatsanwalt Henriksbø.
Verantworten muss sich der 29-Jährige auch wegen zahlreicher Fälle häuslicher Gewalt. Bei einem Vorfall in einer Wohnung soll Høiby seine damalige Freundin, von norwegischen Medien nach dem Osloer Stadtteil "Frogner-Frau" genannt, unter anderem gewürgt, einen Kronleuchter von der Wand gerissen und darauf herumgetrampelt sowie ein Messer in die Wand geworfen haben.
Die Beziehung der beiden war laut Anklage von Høibys "Aggressionsproblem" geprägt: Vor allem im Rausch habe der Norweger die Beherrschung verloren, sei eifersüchtig gewesen und gewalttätig geworden.
Während der Ermittlungen hatten die beiden den Kontakt wieder aufgenommen und sich vor Prozessbeginn fast täglich gesehen oder gesprochen. Auch deshalb soll Høiby ein ihm auferlegtes Kontaktverbot regelmäßig gebrochen haben. Auf die "Frogner-Frau" bezieht sich die Hälfte der 40 Anklagepunkte.
Anklage: Frauen sind glaubwürdiger als Høiby
Neben den Sexual- und Gewalttaten werden dem Sohn der Kronprinzessin und Stiefsohn von Kronprinz Haakon einige weniger schwere Vergehen vorgeworfen
Er soll etwa zu schnell gefahren sein und Polizisten den Stinkefinger gezeigt haben. Für einen Dealer soll er mindestens 3,5 Kilo Marihuana transportiert haben. Während er einige der Taten zugibt, bestreitet Høiby unter anderem die Vergewaltigungen.
Staatsanwalt Sturla Henriksbø hatte den mutmaßlichen Opfern in seinem Plädoyer eine größere Glaubwürdigkeit zugesprochen als Høiby. Dieser hatte während des sechs Wochen langen Prozesses häufig angegeben, sich nicht genau erinnern zu können.
Der Angeklagte habe nicht nur mangelnden Respekt für Normen und Regeln gezeigt, sondern auch, dass er in Beziehungen unterschiedliche Maßstäbe für sich selbst und andere anlege, sagte Henriksbø diese Woche laut der norwegischen Zeitung "Verdens Gang".
Während der Sohn der norwegischen Kronprinzessin sich am vergangenen Freitag selbst als "Monster" in der öffentlichen Wahrnehmung und "Hassobjekt von ganz Norwegen" bezeichnet hatte, hatte der Staatsanwalt in seinem Plädoyer klargestellt, dass Høiby ein Mensch wie jeder andere sei und nicht dafür bestraft werden solle, wer er sei, sondern was er getan habe.
Erstmeldung um 12 Uhr, zuletzt aktualisiert um 12.16 Uhr
Titelfoto: Vegard Wivestad Grott/NTB SCANPIX/EPA/dpa
