Kalifornien (USA) - Deutschland ist das Land der Dichter und Denker - und vermutlich auch der Synchronsprecher. Mit ihren einzigartigen und wiedererkennbaren Stimmen bringen sie Hollywood ins Wohnzimmer. Doch könnte damit bald Schluss sein?
Schon im Juni 2025 kündigte Netflix an, zukünftig in Deutschland mit KI-Stimmen arbeiten zu wollen. Im Zuge dessen erfolgten bereits die ersten Tarifverhandlungen zwischen dem internationalen Streaming-Anbieter und der Schauspielgewerkschaft (BFFS). Doch nicht bei jedem stoßen die Verhandlungen auf Zustimmung.
Mit Beginn des neuen Jahres spitzte sich die Lage endgültig zu. Auf Social Media machten einige deutsche Stimmen ihren Unmut deutlich. "Wir Synchronsprecher*innen weigern uns seit Anfang Januar für Netflix zu arbeiten", erklärte Vivien Faber, die sich insbesondere in der Anime-Szene einen Namen gemacht hat.
Der Grund für die Auseinandersetzung sei eine sogenannte "KI-Trainingsklausel". Nun folgte die Konsequenz: Der Streaming-Dienst wolle ohne die "deutsche Synchro" Serien und Filme anbieten, erläuterte Faber. Doch was genau steckt hinter dieser KI-Problematik?
Ziel von Netflix ist es, die stimmlichen Merkmale der Synchronsprecher mithilfe eines KI-Trainings zu klonen und diese dann zu einem späteren Zeitpunkt künstlich wiederzugeben.
Im Zuge dessen würden die Sprecher ihre Rechte auf die eigene Stimme verlieren, teilte der Verband der deutschen Sprecher*innen mit. Bislang ist keine finanzielle Vergütung für die Synchronsprecher vorgesehen.
Gegenüber der TAG24-Redaktion betonte ein Sprecher des Streaming-Unternehmens, dass die deutsche Synchronisation für Netflix von zentraler Bedeutung sei.
Seit vielen Jahren investiere die Firma gezielt in die deutsche Synchronbranche. Dass nun die Stimmen von Leonardo DiCaprio (51), Bruce Willis (70) oder Angelina Jolie (50) womöglich durch eine KI ersetzt werden sollen, hinterlässt nicht nur bei den Betroffenen einen faden Beigeschmack.
Nicht nur die deutschen Synchronsprecher sind über die Idee des geplanten KI-Tools erzürnt
Viele Film- und Serien-Liebhaber kritisierten das Vorgehen des Streaming-Dienstes. "Netflix is so ein Sauhaufen. Synchronsprecher sind Künstler und sollten so gut wie möglich vor generativer KI geschützt werden", kommentierte eine Userin auf X.
Wie ein Sprecher gegenüber der TAG24-Redaktion mitteilte, werde man die aktuellen Diskussionen und Reaktionen ernst nehmen. Zugleich sei Netflix über die negative Bilanz überrascht gewesen.
Bereits vergangenen Sommer habe das Unternehmen gemeinsam mit dem BFFS versucht, die deutschen Sprecher und Sprecherinnen trotz des Einsatzes mit KI zu schützen. Dazu gehöre beispielsweise die ausdrückliche Zustimmung der Synchronsprecher für das KI-Training. Ob den Betroffenen im Zuge einer Absage Konsequenzen drohen, blieb von Netflix bislang unbeantwortet.
Wie Vivien Faber auf X mitteilte, gäbe es bereits diese Woche erneute Verhandlungen mit dem Streaming-Dienst. Ob und wie die Gespräche ausfallen werden, steht noch in den Sternen.