Rubina wächst in verwahrloster Wohnung auf: "Hatte Wochen keinen Zugriff auf eine Dusche"

Berlin - Wenn ein vermeintliches Zuhause für ein Kind nicht mehr die richtige Umgebung ist, führt der Weg oft ins Heim oder in eine Wohngruppe. So war es auch bei Rubina (24) aus Berlin, die über ihr Leben sagt: "Erwachsensein war Dauerzustand."

Eigentlich war Rubina (24) schon immer für sich selbst verantwortlich. Heute kann sie mit dem Erlebten ganz gut umgehen.  © ZDF/Svenja Trierscheid

Ihr Zuhause bzw. vielmehr die Wohnung ihrer Mutter sei völlig verwahrlost gewesen, "eigentlich nicht mehr bewohnbar". Das musste sie als 13-Jährige Mitarbeitern des Jugendnotdienstes schildern. Die veranlassten daraufhin, dass Rubina in eine Wohngruppe kam.

Zuvor war es für sie sozusagen normal, dass sie in der Schule für ihr Aussehen bzw. ihren Allgemeinzustand ausgelacht wurde, erzählt die junge Frau jetzt in der ZDF-Doku "37 Grad Leben".

So sei sie von Klassenkameraden gefragt worden, ob sie sich denn nie die Zähne putze oder die Haare wasche. "In Wahrheit war es Wochen her, dass ich Zugriff auf eine Dusche hatte."

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Sie sei quasi vor dem Fernseher aufgewachsen, den Wocheneinkauf hat sie schon als kleines Kind selbst erledigt, gekocht hat niemand für sie. Ihrer Mutter ging es nicht gut, sagt sie, ohne auf die genauen Umstände einzugehen. Ihren Vater kennt die 24-Jährige nicht.

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Streit eskaliert: Mutter setzt 13-jährige Rubina vor die Tür

Bilder aus ihrer Jugend in der Wohngruppe und aus ihrer Kindheit. Auf den ersten Blick sieht man ihr darauf nicht an, dass zu Hause nichts normal war.  © ZDF/Svenja Trierscheid

Die Situation zwischen Mutter und Tochter sei an einem Sonntag eskaliert, als sich Rubina mit ihrem neun Jahre älteren Halbbruder treffen, vorher aber nicht noch den Einkauf beim Bäcker für ihre Mutter erledigen wollte.

Daraufhin habe diese das Mädchen vor die Tür gesetzt und "mir gesagt: Du kommst nicht eher nach Hause, bis du mir Zeitung und Brötchen gekauft hast", berichtet die junge Frau von dem Tag vor circa elf Jahren. "Und dann hat sie die Tür zugehauen."

Rubina - erst 13 Jahre alt - entschied sich daraufhin zu gehen. Nachdem sie dem Jugendamt ihre Lebensumstände geschildert hatte, durfte sie ohnehin nicht mehr zu ihrer Mutter zurück. Der Grund: Kindeswohlgefährdung.

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Noch am selben Tag wurde die Jugendliche in die Wohngruppe gebracht. "Alles, was ich bei mir hatte, waren die Klamotten, die ich anhatte, und mein Handy." Nach anfänglicher Überforderung fühlte sich Rubina, zumindest in den ersten Monaten, sehr wohl dort.

Versuchte sie früher, ihre Probleme zu verheimlichen, merkte sie hier schnell, dass man sie trotz allem normal behandelte. Sie habe sich kurz wie ein Kind fühlen können. Dennoch wurden ihr die starren Regeln schnell zu viel. "Der ganze Zauber hat sich von einem Tag auf den anderen in Luft aufgelöst."

"37 Grad Leben": Rubina weiß, wie man für sich selbst sorgt

Mit 17 kam sie schließlich in eine neue Gruppe, sollte hier plötzlich den Haushalt selbst stemmen. Da habe sie gemerkt, "dass ich noch Folgeschäden mit mir herumtrage". Daher setzt sie sich heute dafür ein, dass Kinder und Jugendliche in solchen Situationen nicht allein gelassen werden.

Die ganze Folge "37 Grad Leben: Zu früh erwachsen" mit Rubina und einer weiteren Betroffenen läuft am Sonntagmorgen um 9.03 Uhr im ZDF oder auch in der Mediathek.

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