Melanie kann wegen krankem Sohn nicht arbeiten: "Hab keine Macht mehr über mein Leben"
Hamburg - Etwa jede dritte Frau in Deutschland ist finanziell abhängig von einem Mann oder dem Staat. Genau das wollte Melanie (46) aus Hamburg nie sein, ist es aber trotzdem. Warum, erzählt sie in der ZDF-Reihe "37 Grad".
"Ich bin selbst bei einer alleinerziehenden Mama groß geworden und hab mir immer geschworen, ich werde immer arbeiten gehen, auch wenn ich Kinder habe. Ich will unabhängig sein, ich will mein Leben selbst in der Hand haben - und es hat trotzdem nicht geklappt", erzählt die alleinerziehende Mutter den Tränen nahe.
Ihre beiden Söhne sind Teenager, der Jüngere ist 13 und hat Autismus, weswegen er im Grunde fast rund um die Uhr betreut werden muss. Da sie die Betreuung allein übernimmt, ist es für die 46-Jährige unmöglich, arbeiten zu gehen - obwohl sie gern würde.
Stattdessen ist Melanie auf Bürgergeld und Pflegegeld angewiesen. Nachdem die Ehe mit dem Vater der Jungs in die Brüche gegangen ist, bekommt sie außerdem von diesem Unterhalt.
"Dafür hab ich kein Abi gemacht, dafür hab ich keine Ausbildung gemacht, dafür hab ich keine Berufserfahrung gesammelt, um hier so zu versauern", so die Hamburgerin frustriert. Stattdessen fühle sie sich abgeschoben. "Ich hab keine Macht mehr über mein Leben, ich möchte da unbedingt wieder raus."
Früher war sie Gehaltsbuchhalterin in einem großen Hamburger Verlag, aber in diesem Beruf hat Melanie seit 13 Jahren nicht mehr gearbeitet.
Wann arbeiten, wenn die Betreuung des Sohnes fast den ganzen Tag einnimmt?
Der kranke Sohn kann nicht länger als vier Stunden in der Schule bleiben, schafft den Schulweg aufgrund der vielen Reize von außen nicht allein. Und so bleiben der 46-Jährigen circa drei Stunden dazwischen, um alles andere zu erledigen, was am Tag anfällt. "Das macht halt kein Arbeitgeber mit", ist sich Melanie sicher.
Zwar zahlt das Jobcenter ihr die 85 Quadratmeter große Wohnung, doch um diese muss sie jedes Jahr aufs Neue kämpfen, weil sie laut Amt zu groß ist, seit ihr Ex-Mann ausgezogen ist. Dass sie Bürgergeld beziehen, ist Melanie und ihren Kindern unangenehm, lange machen sie ein Geheimnis draus.
Um in Zukunft wenigstens anderen helfen zu können, macht sie seit einigen Jahren ein Fernstudium.
Das Ziel: Sie möchte als Sozialpädagogin aus dem Homeoffice heraus Frauen in ähnlichen Situationen beraten. "Das Studium ist mein Anker gerade, das motiviert mich, über die Zeit durchzuhalten."
Und auch für ihren autistischen Sohn hat Melanie plötzlich Hoffnung, denn bei einer Mutter-Kind-Kur auf der Nordsee-Insel Pellworm kommt er im Alltag deutlich besser klar. Die Hamburgerin zieht einen Umzug in Erwägung. Ob das ihre Probleme löst?
TV-Tipp: Die ganze Folge "37 Grad: Arm, abhängig, abgehängt - Frauen und Geld" mit Melanie, Rentnerin Gisela aus München und einer weiteren Betroffenen könnt Ihr in der ZDF-Mediathek anschauen.
Titelfoto: ZDF/Sebastian Wagner

