Verzweifelte Rentnerin Gisela lebt am Existenz-Minimum: "Als Frau sitze ich in der Finanzfalle"

München - Gut jede fünfte Frau über 65 gilt in Deutschland als armutsgefährdet, oft reicht die Rente hinten und vorne nicht. Eine von ihnen ist Gisela (68) aus München, die immer unabhängig sein wollte, nun aber immer mehr Unterstützung von außen benötigt.

Für Gisela (68) ist es ein Kraftakt, sich und ihre beiden Katzen über die Runden zu bringen.
Für Gisela (68) ist es ein Kraftakt, sich und ihre beiden Katzen über die Runden zu bringen.  © ZDF/Valerie Henschel

Die Rentnerin lebt mit ihren zwei Katzen Schnuffel und Filou in einer kleinen Wohnung, für alle drei zusammen stehen ihr pro Tag gerade einmal rund 13 Euro zum Leben zur Verfügung.

"Als Frau sitze ich in der Finanzfalle, die Rente reicht einfach nicht aus", sagt sie in der neuen Folge der ZDF-Reihe "37 Grad".

35 Jahre lang hat Gisela Vollzeit gearbeitet, immer in damals noch sehr schlecht bezahlten "Frauenberufen" wie Erzieherin und Bürokauffrau. Aufgrund gesundheitlicher Probleme ging sie schließlich früher in Rente.

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"Manchmal sage ich mir: Hättest du dir einen Mann genommen", schmunzelt die 68-Jährige. "Aber es wäre auch eine Abhängigkeit gewesen." Nun ist sie vom Staat abhängig, bekommt neben ihrer Rente noch einen Zuschlag und aufstockende Grundsicherung, außerdem Unterstützung von Tafel, Tiertafel und der Seniorenhilfe.

"Mich macht's traurig, dass diese Rente, die ich bekomme für diese ganze Arbeit, nicht ausreicht, dass ich leben kann ohne mir noch Grundsicherung holen zu müssen", sagt sie. Trotz allem mit einem Lächeln auf den Lippen.

Doch ihre Situation wird noch prekärer, als beide Katzen wiederholt zum Tierarzt müssen.

Münchnerin Gisela sorgt sich um Katzen und sich selbst: "Könnte heulen"

Giselas Situation spitzt sich zu, als ihre Katzen krank werden. Weil sie die Kosten auf Dauer nicht allein tragen kann, wird sie wohl eine abgeben müssen.
Giselas Situation spitzt sich zu, als ihre Katzen krank werden. Weil sie die Kosten auf Dauer nicht allein tragen kann, wird sie wohl eine abgeben müssen.  © ZDF/Daniel Meinl

Allein die Rechnung für Kater Schnuffel macht mehr als die Hälfte ihres monatlichen Budgets aus. "Die Tierarzt-Rechnung überfordert mich einfach. Ich könnte mich in die Ecke setzen und erstmal eine Runde heulen", so Gisela.

Ihre flauschigen Familienmitglieder, wie die Rentnerin sie nennt, sind ihre einzige Familie. Umso schwerer fällt es ihr, den Gedanken zuzulassen, sich aufgrund der finanziellen Schwierigkeiten von einem der beiden trennen zu müssen.

Zwar übernimmt ihre Freundin erst einmal die Tierarzt-Rechnung, doch Gisela zahlt ihr das Geld mit Unterstützung der Seniorenhilfe zurück. Ein Dauerzustand ist das natürlich nicht, da sich die asthmakranke Rentnerin, die auch noch Schimmel in der Wohnung hat, auch um sich selbst kümmern muss.

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Was wäre, wenn sie einen Wunsch freihätte? "Ich würd's gern mal richtig scheppern lassen", lacht die Rentnerin. Heißt, mit dem Sessellift zum Wilden Kaiser in Österreich hochfahren und sich dort im Restaurant ein 3-Gänge-Menü schmecken lassen. Ein bescheidener Wunsch.

Und so kauft sich Gisela hin und wieder an einem Marktstand zwei Lose, einfach fürs Gefühl und in der Hoffnung, dass einmal das große Glück dabei ist. "Die gönne ich mir."

Die Rentnerin freut sich über die kleinen Dinge im Leben, bedauert aber, als Frau nach jahrzehntelanger Arbeit so abhängig von anderen zu sein.
Die Rentnerin freut sich über die kleinen Dinge im Leben, bedauert aber, als Frau nach jahrzehntelanger Arbeit so abhängig von anderen zu sein.  © ZDF/Daniel Meinl

TV-Tipp: Die ganze Folge "37 Grad: Arm, abhängig, abgehängt - Frauen und Geld" mit Gisela und zwei weiteren Betroffenen seht Ihr am Dienstagabend um 22.15 Uhr im ZDF oder schon jetzt in der Mediathek.

Titelfoto: ZDF/Valerie Henschel

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