Frankfurt am Main - Immer wieder passieren Femizide in Deutschland: Männer töten Frauen aufgrund ihres Geschlechts, meist werden die Taten von den eigenen (Ex-)Partnern begangen. Auch die heute 44-jährige Ilona aus Frankfurt sollte sterben, überlebte eine Messerattacke nur knapp. Ein flüchtiger Bekannter hatte nicht so viel Glück.
Dass er sich kurz mit seiner früheren Arbeitskollegin Ilona an einer Straßenecke im Gallusviertel traf, wurde dem 44 Jahre alten Mann zum Verhängnis. Ihr Ex-Partner (damals 42) stach Dutzende Male auf ihn ein, er überlebte den Angriff nicht.
Auch Ilona wollte der Türke töten, verletzte sie lebensgefährlich am Arm. Sie hatte einfach nur Glück, sagt sie selbst.
Offenbar war die Tat von langer Hand geplant. "Er hat gemeint: 'Ich habe für dich kein Geschenk zum Geburtstag'", erzählt die gebürtige Litauerin in der ZDF-Doku "37 Grad" von einer Situation kurz zuvor. Stattdessen habe er sich selbst etwas gekauft.
Auf die Frage, was das sei, erhielt sie die Antwort: "Ich kann damit gut töten."
Die Stimmung sei schlecht gewesen bei den Eltern eines gemeinsamen damals neunjährigen Sohnes, fast bedrohlich – vor allem, seit Ilona ausgesprochen hatte, dass sie sich trennen wolle.
So auch an jenem 15. September 2022, an dem Ilona zu spät nach Hause kam – eine Lappalie, die ihn regelmäßig wütend machte. Wieder sprach sie das Thema Trennung an, bat ihn, auszuziehen. Um weiteren Streit zu vermeiden, verließ sie dann aber die Wohnung und ging einkaufen.
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Unterwegs meldete sich ihr früherer Kollege, sie trafen sich spontan an einer nicht weit entfernten Bushaltestelle. Als ihr Partner samt einem Messer ebenfalls dort auftauchte, zögerte er nicht lange. "Dann ist er direkt losgegangen auf meinen Bekannten", erinnert sich Ilona zurück.
Immer wieder stach der Lkw-Fahrer auf seinen vermeintlichen Kontrahenten ein, der bereits am Boden lag. Die verstörte Frau schrie um Hilfe, versuchte gleichzeitig, den Angreifer von seinem Opfer wegzureißen.
"In dem Moment, wo der das gemerkt hat, ist er direkt mit dem Messer auf mich losgegangen", so die 44-Jährige. Aus Reflex riss sie den Arm hoch, wurde so getroffen. Obwohl sie stark blutete, rannte Ilona weg und rief die Polizei.
In ihrem Versteck kämpfte sie dagegen an, einzuschlafen. Die ganze Zeit habe sie gedacht: "Wenn ich einschlafe, werde ich nicht mehr wach." Die Verletzte wurde ins Krankenhaus gebracht, erfuhr dort, dass ihr Bekannter nicht überlebt hat.
Bis heute kämpft Ilona mit Schuldgefühlen, glaubt, dass er ihretwegen gestorben ist. Weil ihr Ex schon in der Beziehung gewalttätig gewesen sei, hätte sie sich schon viel früher trennen sollen, sagt sie.
Mitte 2023 wurde der Mann zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt. Am letzten Prozesstag seien sie sich auf dem Flur des Gerichtsgebäudes begegnet, damit er sich von seinem Sohn verabschieden konnte. Zu ihm soll der Verurteilte gesagt haben: "Siehst du, was deine Mama gemacht hat."
Die ganze Folge "37 Grad: Femizid - Tödlicher Hass auf Frauen" läuft am Dienstagabend um 22.15 Uhr im ZDF oder schon jetzt in der Mediathek.