Markus wird von Gruppe fast totgeprügelt: "Mir wurde ins Gesicht getreten, war ein Stampfen"

Wuppertal - Markus Reuss (32) aus Wuppertal hat etwas erlebt, das nicht nur sein Leben komplett verändert hat: Er wurde von einer Gruppe junger Männer vor zehn Jahren fast totgeschlagen. In der ZDF-Doku "37 Grad Leben" spricht er über das Erlebte und die Folgen.

Wird das Erlebte wahrscheinlich nie vergessen, hat aber mittlerweile seinen Frieden damit gemacht: Markus Reuss (32).
Wird das Erlebte wahrscheinlich nie vergessen, hat aber mittlerweile seinen Frieden damit gemacht: Markus Reuss (32).  © ZDF/Ben Knabe

Markus war Anfang 20, als er 2016 mit Freunden in einem Wuppertaler Club feiern ging. Nicht weit weg, an einer Tankstelle, wollte er sich zwischendurch etwas zum Essen holen.

Was danach geschah, zeigt eine nachgestellte Szene aus dem Kurzfilm "Phoenix", den Markus später mit einem Freund gedreht hat: Mehrere Personen traten immer wieder auf einen am Boden liegenden Mann ein.

An Details könne er sich nicht mehr wirklich erinnern, erzählt wurde ihm, "dass ich mich in eine Schlägerei eingemischt hab, um zu schlichten und dann von hinten angegriffen wurde".

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Das Schlimme: "Mir wurde ins Gesicht getreten, aber nicht hauptsächlich mit dem Spann des Fußes, sondern war wirklich eher ein Stampfen."

Im Rettungswagen sei dem heute 32-Jährigen ein Spiegel vorgehalten worden. "Ich habe mich nicht mehr wiedererkannt." Das Gesicht war extrem geschwollen und blutüberströmt, Ober- und Unterkiefer waren gebrochen. "Mir war relativ schnell klar, dass ich dabei auch hätte sterben können."

Rund zwei Wochen verbrachte Markus in Krankenhäusern, lange konnte er auf einem Auge nichts sehen. Für ihn als leidenschaftlicher BMX-Fahrer eine Katastrophe: "War niederschmetternd für mich."

Auch für Familie ist die Erinnerung an die Zeit nach dem Angriff schlimm

BMX fahren konnte der heute 32-Jährige nach der Attacke erstmal nicht. Glücklicherweise hat er sich inzwischen erholt.
BMX fahren konnte der heute 32-Jährige nach der Attacke erstmal nicht. Glücklicherweise hat er sich inzwischen erholt.  © ZDF/Ben Knabe

Noch heute denken er, seine Mutter Lisette und die Geschwister Matthäus und Abigajil mit gemischten Gefühlen an diese Zeit zurück. Die kleine Schwester sei beim Besuch im Krankenhaus zusammengebrochen, als sie ihren Bruder so sah, konnte ihn danach nicht wieder besuchen.

"Irgendwie hatte ich Angst, ihn anzugucken, das war schon schwierig", erzählt sie und bricht im nächsten Moment in Tränen aus.

"Ich glaube, so ein Anblick kann für Geschwister schon traumatisierend sein", sagt Markus. "Das war für mich nicht so leicht zu verkraften, dass es sich bei ihr auch so einbrennen musste."

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Vor allem am Anfang sei er unglaublich wütend auf die mutmaßlichen Täter gewesen, die er offenbar gekannt hat. So wütend, dass "ich Gedanken hatte, die ich auf jeden Fall nicht denken wollte. Rachegedanken. Das ging schon in eine für mich beängstigende Richtung."

Weil er sich selbst nicht mehr wiedererkannte, überwand er sich nach einiger Zeit und verzieh. Er wollte auf keinen Fall, dass die Täter auf diese Art über sein Leben bestimmen konnten. Vier Jahre später stand ein mutmaßlicher Angreifer vor Gericht. Da seine Mittäterschaft nicht zweifelsfrei geklärt werden konnte, wurde der Mann freigesprochen.

Die ganze Folge "37 Grad Leben: Leben nach der Gewalt" mit Markus und einer weiteren Betroffenen läuft am Sonntagmorgen um 9.03 Uhr im ZDF oder jederzeit als Stream in der Mediathek.

Titelfoto: Bildmontage: ZDF/Ben Knabe, Screenshot/Instagram/

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