Tamino kämpft gegen seine Dämonen: "Hatte Bild im Kopf, wie ich meinen Vater im Bett ersteche"

Köln - Wenn schlimme Gedanken den Alltag bestimmen, kann das Leben zur Qual werden. So geht es auch Tamino (26) aus Köln, der schon seit seiner Kindheit mit einer Zwangsneurose kämpft. Das Schlimme: Er ist von dem Gedanken besessen, dass er seinem eigenen Vater etwas antun könnte.

Tamino (26) leidet an einer Zwangsstörung. Sie führt dazu, dass er glaubt, seinem eigenen Vater etwas Schreckliches anzutun.
Tamino (26) leidet an einer Zwangsstörung. Sie führt dazu, dass er glaubt, seinem eigenen Vater etwas Schreckliches anzutun.  © ZDF/Jürgen Thelen

"Ich hatte einfach nur dieses Bild im Kopf, wie ich meinen Vater im Bett ersteche mit einem Messer", beschreibt der 26-Jährige den plötzlichen Moment auf einem Fußballplatz im Gespräch mit den Reportern der ZDF-Doku "37 Grad Leben". Damals war er gerade erst 16.

Das war die schlimmste Zeit, sagt er. Doch die Zwangsstörung hat schon viel früher begonnen. Als Tamino acht Jahre alt war, wurde der Schulweg zur Herausforderung - der Junge hatte Angst, dass sein Papa stirbt, wenn er selbst auf bestimmte Stellen trat.

"Ich war sehr hilflos und sehr ängstlich, weil ich ja wirklich dachte, es geht hier um Leben und Tod", erinnert sich der Student. Immerhin war der Vater einer der wichtigsten Menschen in seinem Leben.

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Anfangs sprach er mit niemandem über diese Gedanken, zu groß war die Angst, man könnte ihn als verrückt oder gar als Psychopathen abstempeln. Irgendwann hat er sich seinem Vater Andreas anvertraut, der alleinerziehend mit Tamino und dessen Schwester war.

"Für mich war das ein Stück weit schizophren", erzählt Andreas in der Doku. Sein Sohn habe ihm quasi in einem Satz gesagt, wie sehr er ihn liebt, aber eben auch, dass er Angst habe, ihm etwas anzutun.

Tamino konnte seinen Vater kaum noch anschauen, ohne zu glauben, eine Gefahr für ihn darzustellen. Diese Angst bestimmte seinen Alltag so sehr, dass eine unbeschwerte Zeit nur selten möglich war.

Teil der Therapie ist, dass er sich mit einem Messer in der Hand vor seinen Vater stellt und die Situation aushält.
Teil der Therapie ist, dass er sich mit einem Messer in der Hand vor seinen Vater stellt und die Situation aushält.  © ZDF/Jürgen Thelen

Tamino hat eine Zwangsneurose: "Wird mein Leben lang ein Thema sein"

Seine mentalen Probleme verarbeitet der Student in Rap-Songs, mit denen er auch auftritt.
Seine mentalen Probleme verarbeitet der Student in Rap-Songs, mit denen er auch auftritt.  © ZDF/Jürgen Thelen

Das führte auch dazu, dass der 26-Jährige sich selbst bestrafte, indem er sich Entspannung verbot oder auch Essen, das er gern mochte.

Erst als er sich professionelle Hilfe holte und in eine Klinik eingewiesen wurde, wurde es langsam besser. Täglich zwei Einzeltherapien, verschiedene Gruppengespräche und die gesicherte Diagnose Zwangsneurose halfen ihm dabei, sein Leben ein Stück weit wieder zurückzugewinnen.

Und auch nach dem Klinikaufenthalt geht Tamino weiterhin zu einer Psychologin, verarbeitet seine Probleme außerdem in selbst geschriebenen Rap-Texten, mit denen er unter dem Künstlernamen Tala bei Open-Mic-Events auftritt. Er möchte auf Zwangsstörungen aufmerksam und anderen Betroffenen Mut machen.

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Eine große Herausforderung - und Teil der Therapie - ist dabei, dass der junge Mann mit einem Messer in der Hand seinem Vater gegenübersteht und diese Situation einfach aushält. Ärzte bezeichnen das als Expositionstherapie.

Sein Vater ist unglaublich stolz auf Tamino. Dieser weiß aber auch, "dass das mein Leben lang ein Thema sein wird. Aber ich weiß auch, was man dagegen machen kann. [...] Wenn es so bleibt, wie es jetzt gerade ist, dann bin ich zufrieden."

Die ganze Folge "37 Grad Leben: Gefangen im Kopf - Leben mit Zwangsstörung" mit Tamino und einer weiteren Betroffenen läuft am Sonntagmorgen, um 9.03 Uhr, im ZDF oder auch in der Mediathek.

Titelfoto: Bildmontage: ZDF/Jürgen Thelen

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