Ahrtal-Flut: Die Geschichte eines toten Vaters und beklemmende Berichte von Augenzeugen
Bad Neuenahr-Ahrweiler - "Plötzlich ist er weg, verschluckt vom Wasser und der Dunkelheit." Mit diesen Worten schildert die Journalistin Susanne Jäger den Tod ihres Vaters bei der Ahrtal-Flut im Juli 2021. In ihrer sehr persönlichen Dokumentation "Allein in der Flut" lässt sie zudem Nachbarn ihrer Eltern zu Wort kommen, die ihre Erlebnisse während der Hochwasser-Katastrophe in Bad Neuenahr-Ahrweiler schildern.
Die Journalistin war mit ihrem Mann und ihren beiden Söhnen im Sommerurlaub, als am Morgen des 15. Juli 2021 ihr Mobiltelefon klingelte. Es war die Nummer ihres Vaters, doch als sie abnahm, meldete sich "eine andere Stimme". Ein Bekannter ihrer in Bad Neuenahr wohnenden Eltern berichtete von der Flut, und dass ihr 90-jähriger Vater vermisst würde.
In mehreren Kapiteln erzählt Susanne Jäger in der Dokumentation von ihrer Reise ins Ahrtal und von ihren Erlebnissen und Eindrücken dort. Sie schildert, wie sie ihre völlig verstörte Mutter in der Wohnung der Eltern auffand und zeichnet den dramatischen Tod ihres Vaters in der Flutnacht vom 14. auf den 15. Juli nach.
Der 90-Jährige wollte sein Auto zu einem höher gelegenen Stellplatz fahren und verließ darum das Haus, als das Hochwasser einsetzte. Doch dann stiegen die Fluten überraschend schnell. Der Vater der Journalistin stand plötzlich kniehoch im Wasser - und die Strömung war stark.
"Meine Mutter erzählt mir später, dass mein Vater ganz ruhig vor der gegenüberliegenden Schule steht. Die meiste Zeit hält er sich am Griff der Autotür fest und blickt zu ihr hoch. Meine Mutter steht im ersten Stock der gemeinsamen Wohnung. Zwischen ihnen liegen nur wenige Meter, in dieser Nacht sind sie unüberwindbar. Main Vater kann sich nicht retten. Plötzlich ist er weg, verschluckt vom Wasser und der Dunkelheit", berichtet Jäger.
Der Leichnam des 90-Jährigen wurde erst am 27. Juli 2021 gefunden: "Der Fundort liegt eineinhalb Kilometer von der Wohnung meiner Eltern entfernt. Die Strömung hatte meinen Vater die Straße hinunter mitgenommen."
Flutkatastrophe im Ahrtal: "Uns hat keiner Bescheid gesagt"
Zwischen den Berichten zu dem Schicksal ihrer Eltern kommen in der Dokumentation immer wieder deren Nachbarn zu Wort. In teils beklemmenden Schilderungen erzählen sie von dem Hochwasser im Ahrtal. Ein Mann berichtet etwa, dass er Hilferufe aus einer Wohnung hörte, aber nichts tun konnte. Das Wasser stand schon zu hoch.
"Wir können uns nicht mehr von innen heraus freuen", beschreibt eine ältere Frau die Folgen der Flutkatastrophe und ergänzt, dass es vielen Bewohnern von Bad Neuenahr-Ahrweiler so ginge. Auch die Filmemacherin gesteht: "Diese Katastrophe hat nicht nur aus mir einen anderen Menschen gemacht."
Im letzten Drittel des Films wird die Frage nach den ausgebliebenen Warnungen im Vorfeld der Flut thematisiert: "Uns hat keiner Bescheid gesagt", klagt einer der Augenzeugen.
Die Dokumentation "Allein in der Flut – Mein Vater und die tödliche Nacht im Ahrtal" wird am 13. Juli ab 22.30 Uhr von der ARD ausgestrahlt. Schon jetzt ist der Film in der ARD-Mediathek zu finden.
Titelfoto: WDR/privat, Mexhide Bugujevci

