"Manchmal wünscht man sich, er hätte einen mit dem Auto erwischt": So leiden Zeugen des Attentats von Magdeburg
Leipzig/Magdeburg - Das Urteil im Prozess um den Amokfahrer auf dem Magdeburger Weihnachtsmarkt ist gesprochen. Was bleibt, ist die Trauer um fünf Frauen und einen Jungen, die ihr Leben lassen mussten, und der Versuch, ein Attentat zu verarbeiten, bei dem Hunderte Menschen verletzt wurden. Wie geht es den Betroffenen gut 1,5 Jahre danach? "Exactly" berichtet.
Es ist der 20. Dezember 2024, als Taleb A. (51) kurz nach 19 Uhr mit einem Mietwagen über den Magdeburger Weihnachtsmarkt direkt in eine Menschenmenge raste.
Ramona ist eine von vielen Augenzeugen der Tat. Sie blieb körperlich unverletzt, doch das Gesehene belastet sie noch immer stark.
Nach einem Klinik- und anschließenden Reha-Aufenthalt bekommt sie die Diagnose: posttraumatische Belastungsstörung. Und das war es. Statt eines Therapieplatzes gibt es eine Liste mit Telefonnummern. Erst zehn Monate später findet Ramona einen Platz.
"Es ist wirklich so, dass man sich manchmal fast schon wünscht, er hätte einen mit dem Auto erwischt", so ihre drastischen Worte.
Sie ist psychisch stark traumatisiert, doch das scheint nicht mehr zu reichen. Seit 1,5 Jahren kann Ramona nicht mehr arbeiten. Ihr Krankengeld läuft bald aus, wie es dann weitergeht, weiß sie nicht.
Vom Staat im Stich gelassen?
Taleb A. wurde im vergangenen Juni zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt. Es wurde darüber hinaus die besondere Schwere der Schuld festgestellt.
Doch die gewünschte Erleichterung nach dem Urteil blieb für Ramona aus. "Für das, was er uns allen angetan hat, gibt’s keine gerechte Strafe."
Der Attentäter hat ihr Leben, wie es vorher war, auf dem Gewissen. "Es gibt Tage, da ist Aufstehen das Produktivste […] Es kostet alles viel mehr Kraft, als vorher."
Oft fühlt es sich für sie an, als würde ihr Leben seit dem Tag kurz vor Weihnachten stillstehen. An manchen Tagen schafft sie es nicht mal, ihre eigene Wohnung zu verlassen.
Zusätzlich zu der Therapie versucht Ramona, das Geschehene in einer Selbsthilfegruppe für Betroffene zu verarbeiten. Doch der Weg ist lang und nicht nur sie hat häufig das Gefühl, vom Staat nicht die erforderliche und zugesicherte Hilfe zu bekommen.
Die gesamte "Exactly"-Doku mit dem Titel "Magdeburg: Vergessen nach dem Anschlag – Traumata und Hilfe" könnt Ihr in der Mediathek streamen.
Titelfoto: Montage: MDR; Klaus-Dietmar Gabbert/dpa; MDR/Andreas Lander

