Heiratsschwindler betrügt Verlobte mit ihrer Mutter - und tötet beide grausam

Bad Bayersoien - Von einem seiner schwierigsten und aufwendigsten Fälle spricht der damalige Soko-Leiter Werner Burger in der ZDF-Sendung "XY gelöst", wenn er an einen Zweifach-Mord vor 22 beziehungsweise 20 Jahren nahe Garmisch-Partenkirchen zurückdenkt. Der Täter kam aus der Familie der Opfer. Und führte ein astreines Doppelleben.

XY-Szenenfoto: Eine Autofahrerin findet eine nackte Tote auf der Straße.
XY-Szenenfoto: Eine Autofahrerin findet eine nackte Tote auf der Straße.  © ZDF/Saskia Pavek

6. November 2001. Auf einem Feldweg zwischen Bad Bayersoien und Saulgrub findet eine Autofahrerin die nackte Leiche einer Frau. "Es waren Reifenabdrücke auf dem Rücken", erinnert sich Werner Burger von der Kripo Garmisch-Partenkirchen. "Es war klar, dass die Frau nackt überfahren wurde."

Sie erlitt schwerste Verletzungen durch stumpfe Gewalt - über den kompletten Körper verteilt und jeweils passiert, bevor sie überfahren wurde. Als Todesursache wird Ersticken am eigenen Blut festgestellt.

Die Ermittler gehen von einem Streit im Auto aus, das zu einem Abfahren von der B23 auf einen parallel verlaufenden Feldweg und dort der Tötung führte.

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Die Kleidungsstücke der zunächst Unbekannten, allesamt gefertigt und verkauft in Italien, werden 45 Kilometer entfernt bei Mittenwald gefunden. Neben der Kleidung lassen auch die Zahnbehandlungen auf eine Italienerin schließen, was sich später bewahrheiten soll.

XY-Szenenfoto: Zwischen Täter und Schwiegermutter kommt es im Auto zum Streit.
XY-Szenenfoto: Zwischen Täter und Schwiegermutter kommt es im Auto zum Streit.  © ZDF/Saskia Pavek

Heiratsschwindler führte Doppelleben und hatte Affäre mit seiner Schwiegermutter

XY-Szenenfoto: Gut zwei Jahre später wird eine weitere Leiche gefunden. Es ist die Tochter der Toten.
XY-Szenenfoto: Gut zwei Jahre später wird eine weitere Leiche gefunden. Es ist die Tochter der Toten.  © ZDF/Saskia Pavek

Unter einem Fingernagel der Frau kann eine Hautschuppe gefunden werden, zudem ein blutiger Fingerabdruck an ihrer Schuhsohle. Die DNA des mutmaßlichen Täters hat man. Nur lässt diese sich nicht in der Datenbank finden.

Ebenso wird festgestellt, dass die Ermordete vor ihrem Tod Geschlechtsverkehr hatte. Wie sich später herausstellt, mit ihrem Schwiegersohn, mit dem sie eine Affäre hatte.

Drei Wochen vor ihrem Tod schreibt Elisabeth L. einen Abschiedsbrief an ihre Tochter Eleonora S., in dem sie ihr mitteilt, ein neues Leben beginnen zu wollen. Genau das könnte die Ermordete tatsächlich geplant haben. Nicht nur über die Affäre zwischen ihr und ihrem Verlobten Francesco A. weiß S. nichts. Auch dass ihr Verlobter seit Jahren mit einer anderen Frau verheiratet ist und drei Kinder hat, entzieht sich ihrer Kenntnis.

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Sie ist auf einen Heiratsschwindler hereingefallen, der immer mehr Familieninterna erfahren hatte und ein Erbe von Elisabeths holländischer Verwandtschaft verwaltete. Als L. offenbar die Herausgabe fordert, tötet er sie.

XY gelöst: Vater missachtet Ratschlag der Polizei und begeht dadurch tragischen Fehler

Die Opfer: Elisabeth L. (l.) und ihre Tochter Eleonora S.
Die Opfer: Elisabeth L. (l.) und ihre Tochter Eleonora S.  © Bildmontage: Polizei
Bei einer Vernehmung des unschuldigen Witwers der Toten wird ihm tunlichst abgeraten, Ermittlungsergebnisse weiterzugeben. Allerdings ruft er seinen Schwiegersohn an, teilt ihm diese mit. Und begeht wohl einen tragischen Fehler.

Wenig später erhält er eine SMS seiner Tochter. Er solle sich um den Hund kümmern, es tue ihr leid. Am 17. Januar 2004 wird die Tochter gefunden - erschossen.

Ihr Verlobter gibt an, es handele sich um Selbstmord, weil sie den Tod ihrer Mutter nicht verkraftet habe. Eine Lüge. Denn er hat auch ihr Leben auf dem Gewissen, wollte mit dem Geld seiner Schwiegermama und ohne seine Verlobte mit seiner eigentlichen Familie weiterleben.

Ein Gericht verurteilt ihn zu zweifach lebenslanger Haft.

Der Doppelmörder Francesco A. erhielt zweimal lebenslang.
Der Doppelmörder Francesco A. erhielt zweimal lebenslang.  © Polizei

Den gesamten Fall zeigt das ZDF in "XY gelöst" am Mittwoch (22. Mai) ab 21 Uhr. Vorab gibt es die Folge schon jetzt in der ZDF-Mediathek.

Titelfoto: Bildmontage: ZDF/Saskia Pavek (1) ; Polizei (3)

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