Das Geschäft mit falschen Flirts im Internet: "Wütend, dass ich auf so einen Scheiß reingefallen bin"

Leipzig - Die Hoffnung auf die große Liebe lockt viele Singles ins Internet - doch was, wenn der Chat-Partner gar kein Interesse an einer Beziehung hat, sondern Geld mit dem Nachrichtenaustausch verdient? Wie das Geschäft mit falschen Flirts teuer werden und Herzen brechen kann.

Die Suche nach der großen Liebe lockt viele Singles ins Internet. (Symbolbild)
Die Suche nach der großen Liebe lockt viele Singles ins Internet. (Symbolbild)  © Sven Hoppe/dpa

Er war auf der Suche nach einer neuen Liebe - und wurde bitterlich enttäuscht. "Das ist ein total blödes Gefühl. Ich bin wütend auf mich selber, dass ich auf so einen Scheiß hereingefallen bin", sagt ein Mann aus Thüringen in der aktuellen Folge der MDR-Verbraucher-Sendung Voss & Team. Wie viele andere schon wurde er Opfer eines unechten Profils auf einer sogenannten Chat-Plattform zum Daten.

Wie das Magazin berichtet, handelt es sich um Portale, bei denen kein Abo abgeschlossen werden muss, sondern pro Nachricht gezahlt wird. Dabei wird teilweise nicht mit anderen Suchenden geflirtet, sondern mit Chatschreibern.

Als sich ein Reporter bei einer Firma namens "Cloudworkers" bewirbt, wird ihm erklärt: "Einige Profile in der Community sind 'virtuell'. Wenn ein Kunde eines davon anschreibt, antwortet der Moderator." Und weiter: "Deine Aufgabe ist es, verschiedene Rollen zu spielen. Mal bist du eine junge, schöne Studentin, die sich langweilt. Mal eine ältere, geschiedene Frau, die nach einem Gefährten sucht."

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In einem Schulungshandbuch bekommt er Informationen darüber, wie er sich in solchen Chats verhalten soll. Ein Auszug: "Die Frau will flirten, flirten, flirten und den Mann verführen - nichts Neues, wenn es um Frauen und ihre Wünsche geht ... typisch Frauen eben! Am besten immer sexy und frech!" Auf Nachfrage wird ihm gesagt, bei Bitten um Kennenlerntreffen vom Thema abzulenken.

Schließlich soll er als 46 Jahre alte Frau mit einem Mann schreiben - und er ist nicht der Erste in dieser Rolle. Laut Sendung gilt das System: Wenn ein Mitarbeiter Feierabend hat, macht der nächste Kollege weiter. Bezahlt werden sie pro Antwort des Kunden. Eine der Nachrichten: "Ich sterbe vor Liebe zu deinen Worten. Ich glaube, du bist der Mann, den ich so sehr liebe!"

Das sagt ein Anwalt zu der Masche

Reporter aus dem Team um Moderator Sven Voss (46) haben sich als Chatschreiber eingeschleust.
Reporter aus dem Team um Moderator Sven Voss (46) haben sich als Chatschreiber eingeschleust.  © MDR/Martin Jehnichen

Bei anderen Agenturen werde nur nach Frauen gesucht - der Reporter und seine Kollegin landen bei "Hello Chat". Über "Mein Date" schreiben sie dann als Laura (34) in einem bereits lange bestehenden Chat mit dem Mann aus Thüringen.

Sie rufen ihn schließlich an und sagen ihm die Wahrheit über Lauras Existenz. "Hinterher ist man immer schlauer, sie ist halt immer auf mich eingegangen und hat ständig Kontakt gesucht", berichtet der Thüringer bei einem Treffen.

Zwar stehe in den allgemeinen Geschäftsbedingungen ein Hinweis auf solche Chats: "Dazu legen Moderatoren, die vom Betreiber beschäftigt werden, eine Vielzahl von Profilen fiktiver Personen an und geben sich als diese fiktive Person aus. Daher verbergen sich nicht hinter allen Profilen reale Personen", doch dem Beitrag zufolge sei so etwas nach mehreren Gerichtsurteilen nicht ausreichend.

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Das Team spricht mit einem Anwalt über die Masche. Der Jurist Sebastian Günnewig erinnert sich an einen Mandanten, der mehr als 60.000 Euro ausgegeben hatte.

Er weiß: "Täuschungshandlungen führen dazu, dass ich einen Vertragsabschluss - das wären halt diese Käufe für diese Flirtcoins, die bezahlt werden müssen, um Chats zu bezahlen - anfechten kann und die Gelder zurückfordern kann. Wir haben auch hier die Erfahrung gemacht, dass viele Anbieter durchaus bereit sind, wenn man mit der richtigen Argumentation dann diese Verträge anficht, die Beträge oder zumindest einen Teil zu erstatten."

Auf Anfrage von Voss & Team habe es keine Stellungnahmen von "Mein Date", "Hello Chat" und "Cloudworkers" gegeben.

Die komplette Episode mit weiteren Fällen seht Ihr in der MDR-Mediathek.

Titelfoto: Sven Hoppe/dpa

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