"Deutsche Bundesbank - Boom": Wie skrupellos Holland-Banden Automaten bei uns sprengen

Deutschland/Niederlande - "Deutsche Bundesbank - Boom": das ist der Song-Text eines niederländischen Rappers. In Deutschland fliegen immer wieder Geldautomaten in die Luft - die Explosionen richten nicht nur große Schäden an, sondern bringen auch Menschen in Gefahr. Die Sprenger-Banden kommen häufig aus dem Nachbarland über die Grenze.

Im Februar 2020 wurde dieses Haus im niedersächsischen Schüttorf durch Automatensprenger beschädigt.
Im Februar 2020 wurde dieses Haus im niedersächsischen Schüttorf durch Automatensprenger beschädigt.  © -/Nord-West-Media TV /dpa

Sie schlagen meist in der Nacht zu, brauchen nur wenige Minuten, machen fette Beute und rasen in schnellen Autos wieder davon - was oft bleibt, ist eine Spur der Verwüstung.

"Letztendlich ist das sozusagen der moderne Banküberfall", sagt Marco Ellermann von der Polizei Osnabrück in der aktuellen Folge der MDR-Sendung "Kripo live - Tätern auf der Spur" über die Geldautomaten-Sprengungen.

Er kennt die Bedrohung, die von den Automaten-Bombern ausgeht: "Da ist eine Familie von der Feuerwehr gerettet worden, wenn Sie so wollen kurz vor knapp", erinnert er sich an einen Fall im niedersächsischen Schüttorf im Februar 2020. "Also das war brandgefährlich, von daher beweist das und zeigt das noch mal die Skrupellosigkeit und auch die Gefährlichkeit von Sprengungen."

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Im Jahr zuvor wurde bei einer Explosion im thüringischen Gera sogar einer der Sprenger selbst verletzt. Pech für den Verletzten, Glück für die Ermittler - denn die fanden am Tatort eine Blutspur und damit auch den Täter in den Niederlanden. Im Januar 2022 begann der Prozess. Das Urteil: 3 Jahre und 2 Monate Jugendstrafe.

Oberstaatsanwalt Thomas Riebel gibt einen Einblick in die Beweggründe des Verurteilten: "Er sprach davon, das er wohl Schulden gehabt hätte aus anderen Situationen heraus und man ihm angeboten hat, dass die Schulden ihm erlassen werden, wenn er die Tat begeht. Man hätte ihn wohl in den Niederlanden kurz angelernt und dann dazu bestimmt diese Tat mitzumachen."

Tödliche Sprengung in Utrecht

In Deutschland kommt es immer wieder zu Geldautomaten-Sprengungen. Die Täter kommen häufig aus den Niederlanden.
In Deutschland kommt es immer wieder zu Geldautomaten-Sprengungen. Die Täter kommen häufig aus den Niederlanden.  © Fabian Strauch/dpa

Von diesem Anlernen kann auch der niederländische Crime-Journalist Caspar Naber berichten. In einem Utrechter Gewerbegebiet zeigt er ein früheres Übungszentrum. "Da hat die sogenannte Automatensprengschule fast das ganze Gebäude gemietet. Da haben die Jungs versucht, was sie alles machen können. Die haben in Deutschland Geldautomaten bestellt, die sind hier abgeliefert worden und dann haben die hier getestet."

Und auch hier wird wieder klar, wie lebensgefährlich das Hantieren mit Gas und Sprengstoff ist. In einer Septembernacht im Jahr 2020 seien mindestens zwei Personen an dem Trainingsort gewesen. "Da ist etwas falsch gelaufen, da hat's eine Riesenexplosion gegeben", so Naber. Ein tödliches Missgeschick: "Einer war schwer verletzt, der Zweite hat noch versucht zu helfen, aber der hat dann gedacht ich muss hier weg und wenn die Polizei kam, ist er gestoben an seinen Verletzungen."

Doch wer steckt hinter diesen Taten? Laut Polizei ist Utrecht das Ballungszentrum der Automatensprenger, heißt es in dem Beitrag. Demnach macht sich eine Gruppe von 300 bis 500 Leuten mit marokkanischen Wurzeln immer wieder auf den Weg nach Deutschland.

"Ich glaube, niemand riskiert 10 Jahre Knast in Deutschland nur so zum Spaß"

Die Sprengungen hinterlassen oft erhebliche Schäden, wie hier im niedersächsischen Nordhorn.
Die Sprengungen hinterlassen oft erhebliche Schäden, wie hier im niedersächsischen Nordhorn.  © Nordwest Media-TV/dpa

"Das sind Jungs, rund 20 Jahre und dann bis zu 30, die kennen einander aus diesem Viertel oder anderen Vierteln, kennen einander von der Straße", beschreibt Naber die Täter. "Das ist bei diesen Jungs, besonders bei Jungs mit diesem marokkanischen Migrationshintergrund eine Stolzkultur. Die wollen gerne zeigen, dass sie erfolgreich sind, die wollen auch Bling-Bling, die wollen ein schnelles Auto haben, die wollen diese Kultur."

Das Lied "Semtex" von Rapper Djezja handelt von ebendieser Szene. "Ich kenne viele Leute, die wegen einer Sprengung von Geldautomaten im Gefängnis waren", wird er in der MDR-Sendung zitiert. Für ihn sei die Musik seine Rettung gewesen: "Wäre ich nicht jede Nacht im Studio, um an meiner Zukunft zu arbeiten, wäre ich wahrscheinlich auch schon in Deutschland gewesen."

"Ich glaube, niemand riskiert 10 Jahre Knast in Deutschland nur so zum Spaß", so der Musiker. Für ihn liegt das Motiv auf der Hand: "Ich glaube, sie tun es wegen des Geldes. Geld regiert die Welt."

Laut Sendung wurden in den Niederlanden im vergangenen Jahr nur noch drei Geldautomaten gesprengt, während es in Deutschland mehr als 400 Sprengungen gab - doch woran liegt das?

Wie sich Utrecht gegen die Automatensprenger schützt, warum die Täter immer wieder nach Deutschland kommen und was dagegen getan wird, erfahrt Ihr am heutigen Sonntagabend ab 19.50 Uhr bei "Kripo live - Tätern auf der Spur" im MDR oder schon jetzt in der Mediathek.

Titelfoto: Fabian Strauch/dpa

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