Bizarrer Stückelmord in Leipzig: "Das Besondere waren nicht nur die abgetrennten Arme"
Leipzig - Als im Herbst 2011 mehrere Leichenteile im Leipziger Elsterbecken gefunden werden, läuft der ganz große Ermittlungsapparat an, um Identität und Todesumstände zu klären. Die entpuppen sich als grausam und bizarr zugleich.
Im Oktober findet ein Pilzsammler damals einen Sack mit einem abgetrennten Arm darin. Die alarmierte Polizei kurz darauf einen zweiten in einem weiteren Beutel.
"Das Besondere an diesen Funden waren nicht nur die abgetrennten Arme, sondern dass sämtlichen Fingern die vorderste Fingerkuppe abgetrennt war", erinnert sich Journalist Alexander Bischoff zurück, der die damaligen Ermittlungen für die Morgenpost (Printversion von TAG24) begleitet hatte und für die Kabel-Eins-Sendung "Uwe Ochsenknecht präsentiert: Die 7 Todsünden" interviewt wurde.
Am 7. November folgte ein Großeinsatz der Polizei. Aufgrund des Apparates, der aufgefahren wurde, war für Bischoff sofort klar: "Da ist irgendein Verbrechen dahinter."
Die Sicht für die Taucher ist schlecht in dem bis zu drei Metern tiefen Gewässer, erschaffen 1925 zum Hochwasserschutz neben dem früheren Zentralstadion. Aber sie bergen weitere Leichenteile.
"Was nicht gefunden wurde, waren Kopf, Füße und Genitalien. Es war völlig rätselhaft, wer oder was das sein sollte", sagt Bischoff, der aufgrund der abgetrennten Fingerkuppen auch organisierte Kriminalität für denkbar hält. Penis und Hoden, das wird später festgestellt, wurden ihm abgeschnitten, als er noch am Leben war.
Die 7 Todsünden (Kabel Eins): Fake-Abschiedsbrief als falsche Fährte
Ohne Kopf und ohne Fingerkuppen ist eine Identifizierung nur möglich, wenn die DNA des Toten in einer Datenbank gespeichert ist. Dies ist allerdings negativ. Dennoch wird die DNA analysiert. Mit dem Ergebnis, dass ein Elternteil des Opfers asiatischer Abstammung ist.
Am 24. November, 18 Tage nach dem Fund der ersten Leichenteile, bekommen die Ermittler den entscheidenden Hinweis. Eine junge Frau meldet ihren Kumpel Jonathan "Jo" H. als vermisst. Der 23-jährige IT-Experte ist Halbvietnamese. DNA-Proben aus seiner Wohnung stimmen mit denen der Leichenteile überein.
Dort wird ein mit Computer geschriebener und sehr präsent platzierter Abschiedsbrief, entdeckt, aus dem hervorgeht, dass der Manga- und Cosplay-Fan aus seinem Umfeld verschwinden, bei einem Freund unterkommen wolle.
Das Schreiben entpuppt sich schnell als Fake. Der Verfasser ist ein Gleichaltriger aus Thüringen, dessen Wohnung offensichtlich der Tatort ist. Der gesuchte Benjamin H. ist aber verschwunden, hält sich bei einem Bekannten in Kassel auf, wo er im April 2012 verhaftet wird.
Ein Mord als eigenes Geburtstagsgeschenk
Die Staatsanwaltschaft ist im Prozess sicher: Benjamin, ein Schulabbrecher, der wegen seines Stotterns gehänselt wurde, fasst an seinem Geburtstag einen tödlichen Plan: Er möchte einen Menschen umbringen. Und Jonathan wird sein argloses Opfer. 22 Stiche in den Rücken, dazu einer in den Hals - "Jo" hatte keine Überlebenschance.
Als gelernter Physiotherapeut weiß der Killer, wo man am besten ansetzt, um Gelenke zu durchtrennen.
Morgenpost-Redakteur Alexander Bischoff: "Es ist im Urteil begründet worden, dass er nicht nur Lust hatte, einen Menschen sterben zu sehen. Er glaubte auch, durch das Töten eines Menschen, selbst ein anderer erfolgreicher Mensch zu werden."
Im Dezember 2012 wird Benjamin H. wegen Mordes - jedoch unter Anerkennung seiner schizoiden Persönlichkeitsstörung - zu 14 Jahren Haft und Unterbringung in einer Psychiatrie verurteilt. Am 17. Januar 2025 wurde er unter neuer Identität auf freien Fuß gesetzt.
Sendehinweis: "Uwe Ochsenknecht präsentiert: Die 7 Todsünden" zeigt Kabel Eins immer freitags ab 20.15 Uhr. Die Folgen gibt es via Joyn PLUS+ schon vorab.
Titelfoto: Bildmontage: Silvio Bürger ; privat ; Screenshot/Joyn

