"Die Anstalt"-Moderatoren schießen gegen eigenen Sender: "Wir sind im ZDF gegen das ZDF"

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München/Mainz - Am Dienstagabend ab 22.15 Uhr läuft eine neue Folge der beliebten Satiresendung "Die Anstalt" beim ZDF. Online ist die 100. Ausgabe der Show allerdings schon jetzt abrufbar - inklusive scharfer Kritik der drei Moderatoren Maike Kühl (50), Claus von Wagner (48) und Max Uthoff (58) am eigenen Sender.

Die Moderatoren der ZDF-Satiresendung "Die Anstalt", Claus von Wagner (48, l.), Max Uthoff (58, M.) und Maike Kühl (50), kritisierten die Entscheidung des Senders scharf.
Die Moderatoren der ZDF-Satiresendung "Die Anstalt", Claus von Wagner (48, l.), Max Uthoff (58, M.) und Maike Kühl (50), kritisierten die Entscheidung des Senders scharf.  © ZDF/Jens Hartmann

"Wir sind zwar Leiter der 'Anstalt', aber nicht Leiter der Anstalt", stellt etwa von Wagner klar, während Kühl deutlicher wird: "Wir sind im ZDF gegen das ZDF. Das klingt nach Unentschieden, aber machen wir uns nichts vor, wir haben in Wahrheit verloren."

Anlass für diese deutlichen Worte war die Entscheidung der ZDF-Chefetage, den eigentlich für die Jubiläumssendung geplanten Auftritt des Rappers Danger Dan (bürgerlich: Daniel Pongratz, 43) nur zwei Tage vor der Aufzeichnung abzusagen.

Hintergrund dazu ist eine Debatte darum, ob der Musiker in seinem neuen Song "Keine Angst" zu Gewalt aufruft und der Text damit rechtswidrig ist.

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Der Sender hatte in diesem Zusammenhang erklärt, dass das Stück als Anleitung zum politischen Extremismus verstanden werden könne und zudem Selbstjustiz propagieren und Gewalt nicht ausschließen würde.

"Ein solcher Aufruf stünde im klaren Widerspruch zu den Programmrichtlinien des ZDF", heißt es dazu.

Mit genau dieser Frage haben sich dann auch die drei Moderatoren auseinandergesetzt. Abwechselnd lasen sie dazu Auszüge aus dem Lied vor und kommentierten sie. Heikel wurde es etwa, als es um eine Passage ging, in der Danger Dan dazu aufruft, die Namen von Rechtsextremen zu recherchieren und zu veröffentlichen. Das könne sogenanntes Doxxing und damit strafbar sein, ordnet Uthoff ein.

"Die Anstalt"-Moderatoren empfinden ZDF-Entscheidung als "mutlos"

Rapper Danger Dan (bürgerlich: Daniel Pongratz, 43) engagiert sich seit vielen Jahren gegen Rechtsextremismus und sollte in der Jubiläumsshow seinen neuen Song "Keine Angst" präsentieren.
Rapper Danger Dan (bürgerlich: Daniel Pongratz, 43) engagiert sich seit vielen Jahren gegen Rechtsextremismus und sollte in der Jubiläumsshow seinen neuen Song "Keine Angst" präsentieren.  © Bernd Wüstneck/dpa

Auch über die letzten Zeilen des Songs, in denen vier Vornamen (Lina, Gucci, Maja und Nanuk) genannt werden, diskutierten Kühl, Uthoff und von Wagner ausführlich.

Schließlich spielt der Musiker hiermit offenbar auf die linksextreme Hammerbande um Lina E. an, die unter anderem Mitglieder der rechtsradikalen Szene überfallen und sie mit Hämmern teils schwer verletzt haben soll.

Das könne man "schon als Aufruf zu Selbstjustiz und Gewalt sehen", meint Kühl daraufhin und betont: "Das ist nicht das Mittel unserer Wahl."

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Uthoff stellt aber die Frage, was passiere, wenn der Staat sein Gewaltmonopol nicht durchsetze und Menschen in Deutschland ungeschützt seien vor Nazis. "Wer springt da ein und was würden wir tun?", so der 58-Jährige. Genau diese Debatte sei sehr wichtig und das Team habe sich gewünscht, dass der Musiker hätte auftreten dürfen, erklärt Kühl. So hätte man im Anschluss mit ihm auch die heiklen Passagen diskutieren können.

"Wir verstehen, dass man über den Song geteilter Meinung sein kann. Aber wir empfinden die Entscheidung des ZDF in einer Zeit, in der rechtsextreme Gewalt in der Geschichte der Bundesrepublik mal wieder einen Höchststand erreicht hat, einfach als mutlos", resümiert von Wagner abschließend.

Das ZDF selbst thematisierte den abgesagten Auftritt derweil auch in einer "Aspekte"-Sendung am Samstagabend. Zahlreiche Experten wurden darin zu der Thematik befragt, die von verschiedenen Seiten beleuchtet wurde. Zu Wort kamen Juristen, Journalisten, Kabarettisten und Publizisten mit verschiedenen Einschätzungen. 

Titelfoto: ZDF/Jens Hartmann

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