Von Sabrina Szameitat, Taylan Gökalp, Jonas Reihl
Bonn - In einer dreiteiligen Doku widmet sich die ARD dem hollywoodreifen Leben des vor fast einem Jahr verstorbenen Rappers Xatar (†43, bürgerlich: Giwar Hajabi). Eine Frage bleibt aber weiter ungelöst.
Angefangen hat alles in einem Keller unter einem Internetcafé. Hier, mitten im Bonner Problemviertel Brüser Berg, nahm Giwar Hajabi seine ersten Songs auf, bevor er als Xatar zu einer nationalen Rapikone wurde.
Szene-Größen wie SSIO (37, bürgerlich Ssiawosch Sadat), Farid Bang (39, bürgerlich Farid Hamed El Abdellaoui) und Schwesta Ewa (41, Ewa Malanda) erinnern sich in der ARD-Doku an den Rapper zurück. SSIO zieht an einer Stelle einen großen Vergleich: "Wenn 150 Jahre vergehen, dann wird das so etwas sein, wie wenn man über Johann Sebastian Bach spricht".
Zu Wort kommen daneben auch seine engsten Weggefährten, die ihn schon früh auf seinem Weg begleiteten, darunter seine Frau Farvah und sein enger Freund und Kollege Samy.
Beide wuchsen mit Giwar im selben Viertel auf, zwischen Drogen, Gewalt und sozialem Elend. Der erste Teil der Doku "XATAR – Ein Leben ist nicht genug" zeigt unter anderem, wie Samy und Farvah durch das Viertel spazieren und Erinnerungen über die gemeinsame Zeit im Brüser Berg austauschen, als Giwar noch nicht berühmt war.
Immer wieder blendet Regisseur Stefan Kauertz auch Archivaufnahmen Xatars aus früheren Interviews ein, worin er selbst über sein Leben spricht. Eingebettet zwischen aktuellen Stimmen aus seinem engsten Umfeld und Bildaufnahmen aus alten Tagen wirken diese Szenen so, als würde der Rapper das Geschehen aus dem Jenseits kommentieren. Die ersten Dreharbeiten zur Doku hatten laut Angaben der ARD noch mit Xatar selbst zu seinen Lebzeiten stattgefunden.
Wo ist das Gold aus dem spektakulären Raub von 2009?
Bevor der Rapper den Durchbruch mit seiner Musik schaffte, wurde er vor allem für einen spektakulären Goldraub im Jahr 2009 bekannt, der ihm schließlich mehrere Jahre Haft einbrachte. Die Doku lässt den Zuschauer die angeblichen Beweggründe für diesen Raub erfahren.
Doch die mittlerweile fast schon legendäre Frage, wo das Gold geblieben ist, lüftet sie nicht. Samy, der am Raub beteiligt war, beteuert an einer Stelle, er wisse nicht mehr, wo er das Gold hingebracht habe. Das wüssten insgesamt nur drei Leute.
Es ist nicht das erste Mal, dass sich Filmschaffende mit dem Phänomen Xatar beschäftigen. Seine Lebensgeschichte inspirierte schon den Regisseur Fatih Akin zu dem preisgekrönten Gangster-Drama "Rheingold" (mit Emilio Sakraya in der Hauptrolle).
Xatar war im Mai 2025 tot in seiner Kölner Wohnung gefunden worden. In Gedenken an den Künstler ist am 7. Mai ein Konzert in Köln, unter anderem mit Auftritten von Haftbefehl (40, bürgerlich: Aykut Anhan), SSIO und Peter Fox (54, bürgerlich: Pierre Baigorry), geplant.
Die dreiteilige Doku ist in der ARD-Mediathek zu sehen. Linear wird die erste Folge am 5.5. um 00:05 Uhr im Ersten gezeigt, am 6.5. ab 23.35 Uhr sind alle drei Folgen im NDR zu sehen.