Beinahe-Katastrophe bei Dreh für Knast-Doku: Plötzlich schlagen Flammen aus einer Zelle

Frankreich - Frankreichs Gefängnisse platzen aus allen Nähten: In 186 Justizvollzugsanstalten sitzen mehr als 86.000 Häftlinge ein, obwohl es nur Platz für rund 63.000 Personen gibt. Die Zustände in den Einrichtungen sind oft kaum zumutbar, von der Belastung und den Gefahren für die dort tätigen Beamten ganz zu schweigen.

Ein Häftling hat seine Zelle in Brand gesetzt, die Wärter löschen das Feuer und können ihn gerade so retten.  © ZDF/Patrick Spica Productions – 2025

Ständig werden die Justizangestellten mit Extremsituationen konfrontiert. So auch im Gefängnis Villepinte im Département Seine-Saint-Denis nordöstlich von Paris.

Während der Dreharbeiten zur vierteiligen ZDF-Doku "Überleben hinter Gittern" wird es plötzlich brenzlig: Ein Häftling hat in seiner Zelle Feuer gelegt. Er hat kurz zuvor erfahren, dass er zu neun Jahren Haft verurteilt wurde. Das warf ihn offenbar völlig aus der Bahn.

Die Flammen drohen sich auszubreiten, die Wärter rücken mit Spezialausrüstung an. Gerade so können sie den Brandstifter aus seiner Zelle retten und Erste Hilfe leisten, bevor der Gefängnisarzt kommt und übernimmt.

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Unabhängig von solchen Situationen gehören Gewalt und Schmuggel innerhalb der Mauern sowie Personalmangel zum Alltag der Beamten. Doch auch die Gefangenen selbst protestieren nicht selten gegen die Haftbedingungen.

Ein Problem in Villepinte ist eben auch die Überbelegung: Bei einer Kapazität von 580, befinden sich rund 1100 Häftlinge hier. Das bedeutet, dass die winzigen, auf zwei Personen ausgelegten Zellen oft mit drei Personen belegt sind. Neue Matratzen sind Mangelware, oft muss improvisiert werden, alte schimmelige Matratzen kommen zum Einsatz.

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Das Gefängnis Villepinte in der Nähe von Paris: Rund 1100 Insassen leben hier, obwohl es nur für gut die Hälfte ausgelegt ist.  © ZDF/Patrick Spica Productions – 2025

Unmenschliche Haftbedingungen mitten in Europa

Die Zustände in vielen französischen Gefängnissen sind unmenschlich, es wimmelt vor Ungeziefer und Dreck.  © ZDF/Patrick Spica Productions – 2025

Noch schlimmer sind die Zustände in Frankreichs drittgrößtem Gefängnis Fresnes (Val-de-Marne) südlich von Paris. In der 128 Jahre alten Anstalt gibt es rund 1700 Plätze, aber es leben etwa doppelt so viele Männer dort.

Feuchte Wände, die uralte Ausstattung und Ungeziefer bestimmen das Leben. Selbst bei den Dreharbeiten sieht man Ratten durchs Bild huschen, aber auch Kakerlaken und Bettwanzen gehören zur unwürdigen Normalität.

"Die Ratten vermehren sich rasant, es ist eine verzwickte Situation", sagt Wärter Christophe (30), der seit drei Jahren dort arbeitet. Heizung und Belüftung funktionieren nicht richtig, im Winter ist es eiskalt, im Sommer brütend heiß.

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Auch die Zellen sind in einem katastrophalen Zustand. Es gibt keine Dusche, für ein bisschen Privatsphäre beim Toilettengang muss man sich mit einem Laken verhüllen.

Die Justizbeamten müssen häufig in voller Montur anrücken - auch, um sich vor gewalttätigen Übergriffen zu schützen.  © ZDF/Patrick Spica Productions – 2025

Bis zu 17 Stunden täglich in den Zellen

Wegen Personalmangels können die Gefangenen nur dreimal pro Woche duschen, die Sportstunden wurden um 80 Prozent reduziert, Hofgänge gibt es nur noch einmal täglich. Die Gefangenen sitzen bis zu 17 Stunden täglich in ihren Zellen - dementsprechend groß ist der Frust, was für Stress untereinander und mit den Wärtern sorgt.

"Ein Gefängnis ist kein Hotel, klar", erzählt ein Gefangener. Er sei schon in sechs verschiedenen Haftanstalten gewesen, auch im größten Frankreichs, in Fleury. "Aber sowas hab ich noch nie erlebt. (...) Wir haben Fehler gemacht, wir müssen die Konsequenzen tragen, aber das hier ist unmenschlich."

Den ersten Teil der Doku "Überleben hinter Gittern" mit dem Titel "Frankreichs Strafvollzug am Limit" seht Ihr am Donnerstagabend ab 20.15 Uhr bei ZDFinfo oder vorab in der Mediathek. Direkt im Anschluss laufen drei weitere Folgen, die einen Einblick in Haftanstalten Japans und Brasiliens gewähren.

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