Spätestens jetzt hätte Berti Vogts Entschuldigungen verdient

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Deutschland - "Ich glaube, dass die deutsche Mannschaft über Jahre hinaus nicht zu besiegen sein wird." Das sagte Franz Beckenbauer (†78) nach dem WM-Sieg 1990 und setzte damit seinen Nachfolger Berti Vogts (79) gehörig unter Druck.

Berti Vogts (79) spielt in der neuen Dokumentation die zentrale (tragische) Rolle.
Berti Vogts (79) spielt in der neuen Dokumentation die zentrale (tragische) Rolle.  © NDR/ARD/picture alliance/firo Sportphoto/Jürgen Fromme/Michael Kunkel/Bongarts/Getty Images/IMAGO/WEREK/IMAGO/HJS

Vier Jahre später scheiterte die DFB-Auswahl im Viertelfinale gegen Bulgarien. Wie es trotz Weltklasse-Spielern zu diesem Desaster kommen konnte, beleuchtet die Dokumentation "WM 1994 - Elf Helden, ein Albtraum", die in der ARD-Mediathek abrufbar ist.

Tragische Hauptfigur in dieser Geschichte: Bundestrainer Vogts. "Was ich durchgemacht habe '94, wünsche ich meinem schlimmsten Feind nicht", sagt der heute 79-Jährige darin. Für viele ist er bis heute der Sündenbock. Doch die Doku geht der wahren Ursache auf den Grund.

"Das deutsche Team hat schlicht als Mannschaft nicht funktioniert, die Spieler und der Trainer haben zwischenmenschlich nicht miteinander harmoniert. Das genauer zu betrachten, ist sehr spannend", sagt Regisseur Manfred Oldenburg (59) in einer NDR-Mitteilung.

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"Wir stellen daher auch nicht das WM-Turnier an sich ins Zentrum dieser Dokuserie, sondern die zwischenmenschlichen Beziehungen zwischen Trainer und Mannschaft", erklärte er weiter.

Doku "WM 1994 - Elf Helden, ein Albtraum" zeichnet neues Bild

Der frühere deutsche Bundestrainer ist ein wahrer Sportsmann - auf und neben dem Fußball-Platz.
Der frühere deutsche Bundestrainer ist ein wahrer Sportsmann - auf und neben dem Fußball-Platz.  © NDR/ARD/BROADVIEW/Jonas Julian Köck

In den vier Folgen erzählen ehemalige Spieler wie Matthias Sammer (58), Lothar Matthäus (65), Stefan Effenberg (57) und Mario Basler (57), was sich hinter den Kulissen abgespielt hat. "Ich bin den Spielern für ihre Offenheit wirklich dankbar", so Oldenburg.

So nehmen sie kein Blatt vor den Mund, wenn es zum Beispiel um den Einfluss der "Bild"-Zeitung auf das Team und die Außenwirkung geht. Während sich sein Vorgänger Beckenbauer, "der Vogts noch dazu vor und während der WM öffentlich als Pfeife diskreditiert", gern gegenüber den Reportern des Blattes öffnete, verweigerte Vogts die Zusammenarbeit.

Das hatte Folgen: "Als Person und Mensch haben wir ihn überhaupt nicht gesehen, sondern immer nur das veröffentlichte Bild über ihn transportiert und laufend reproduziert, das ihn und diese WM bis heute prägt - ein Bild, das vor allem von einer zentralen Zeitung erschaffen wurde", erklärte Oldenburg.

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Trotzdem verliert Berti Vogts kaum ein böses Wort in der Dokumentation. "Er hat in seinem Gespräch die Mannschaft verteidigt, die Spieler, Franz Beckenbauer, die Fans, sogar die Medien, die ja alles andere als zimperlich mit ihm umgegangen sind. Das war für mich wirklich erstaunlich", so der Regisseur. "Was für eine großartige Persönlichkeit, das muss man Berti Vogts wirklich sehr hoch anrechnen."

Und spätestens nach dieser Dokumentation hätte er einige Entschuldigungen mehr als verdient.

Titelfoto: NDR/ARD/picture alliance/firo Sportphoto/Jürgen Fromme/Michael Kunkel/Bongarts/Getty Images/IMAGO/WEREK/IMAGO/HJS

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