Rentner Roman sitzt unschuldig im Kolumbien-Knast: "Was hätte passieren sollen?"
Kolumbien - Die Zustände in kolumbianischen Gefängnissen sind katastrophal. Nicht nur gibt es deutlich mehr Häftlinge als Plätze, gewaltsame und oft tödliche Aufstände sind nicht selten - von den hygienischen Bedingungen ganz zu schweigen. Unter ihnen: Europäer wie Roman Garber (68), der unschuldig einsitzt und in der ZDF-Doku "Deutsche im Knast" von seinen Erlebnissen berichtet.
In der Folge "Kolumbien und das Kokain" geht es allerdings nicht um Deutsche, sondern unter anderem um den 68-jährigen Österreicher. Er sitzt im Gefängnis La Ternera in Cartagena, einer Küstenstadt im Norden des Landes.
Wegen ihrer Lage ist sie der perfekte Umschlagplatz für Kokain - von hier aus wird das Rauschgift tonnenweise auf dem Seeweg in die halbe Welt verteilt, auch nach Europa. Kolumbien ist der größte Produzent der Welt.
Doch es wird nicht nur auf Containerschiffen geschmuggelt, auch arglose Ausländer werden für die miesen Geschäfte der Kartelle missbraucht. Unter ihnen Roman Garber, dem 2021 per E-Mail ein Zehn-Millionen-Dollar-Gewinn versprochen wurde.
Um die Summe zu bekommen, musste er in Ecuador Dokumente unterschreiben. Weil die kompletten Reisekosten bezahlt wurden, dachte sich der Rentner: "Was hätte passieren sollen?"
Als seine Kontaktperson ihm für den Rückflug aber ein Päckchen mitgab, in dem sich angeblich ein Beatmungsgerät befand, wurde ihm schon mulmig. Roman flog über Kolumbien, am Flughafen dort schlug der Drogenspürhund an.
Mehr als sieben Kilogramm Koks fand man in dem Paket, der damals 63-Jährige wurde sofort festgenommen.
Sieben Jahre Haft und 240.000 Euro Strafe für Rentner Roman
Die ersten Wochen im Knast verbrachte der Österreicher mit 50 bis 60 anderen Männern in einer Gemeinschaftszelle mit zwei verdreckten Toiletten. "Da würden Sie sich nicht einmal hinstellen, so haben die ausgesehen", berichtet er den Reportern.
Keine Seltenheit in den 138 kolumbianischen Gefängnissen, für rund 100.000 Häftlinge gibt es eigentlich nur 80.000 Plätze. In La Ternera sitzen bei einer Kapazität von 1700 Personen rund 2100 Männer ein.
Anfangs drohten dem Europäer 25 Jahre Haft. Weil seine erste Anwältin aus Österreich einen Stempel der kolumbianischen Behörde für Strafvollzug vergessen hatte, musste er eineinhalb Jahre auf seine erste Anhörung warten. Er trennte sich von ihr, wird nun von einem Kolumbianer vertreten.
Roman bekannte sich schuldig, bekam 2023 schließlich sieben Jahre Haft aufgebrummt und muss eine Geldstrafe von 240.000 Euro zahlen. "Ich sitze da für irgendeinen Drogendealer, ich bin keiner. Ja, das tut schon weh und sieben Jahre ist eine lange Zeit", erzählt er. Vier Jahre hat er bereits hinter sich.
An die menschenunwürdigen Zustände wird er sich trotzdem nicht gewöhnen können, seine Zelle, die er sich mit drei Männern teilt, schimmelt an allen Ecken und Enden. Auch das Essen sei nicht zumutbar: "Solches Essen wird bei uns den Hunden verfüttert, ich kann das nicht essen", klagt er.
Zigaretten sind Romans Währung
Sein Anwalt setzt sich nun dafür ein, dass Roman auf Bewährung freikommt. Doch das Land verlassen dürfte er erst nach der Bewährungszeit und nach Zahlung der 240.000 Euro.
Bis dahin hält er sich mit dem Vertrieb von Zigaretten innerhalb der Knastmauern über Wasser. "Die Schnorrer sind allgegenwärtig", grinst er. Sie tun ihm kleine Gefallen, holen ihm zum Beispiel das Essen und bekommen eine Zigarette dafür.
Indes sitzt im 900 Kilometer entfernten Bogotá Romans Landsmann Josef (42) ein, der allerdings bewusst Drogen geschmuggelt hat. Zwar lebt er in einem der gefährlichsten Gefängnisse des Landes - 2020 gab es einen Aufstand mit zwei Dutzend Toten -, hat es für die dortigen Verhältnisse aber deutlich besser.
Wie es den beiden Männern weiter ergangen ist, seht Ihr am Samstagabend um 20.15 Uhr bei ZDFinfo oder schon jetzt in der Mediathek.
Titelfoto: Bildmontage: ZDF/Cesar Perenz

