Ein Gesicht für ein namenloses Skelett: Er gibt Toten ihre Identität zurück

Stuttgart/Zwickau - Ein Skelett ohne Papiere, ohne Kleidung, ohne Zeugen – ein klassischer "Cold Case". Kriminalhauptkommissar Rainer berichtet im SWR-Podcast "Streifenfragen", wie er den Toten ihr Gesicht zurückgibt.

Kriminalhauptkommissar Rainer geht in seinem Beruf des Forensic Artists auf.  © SWR3

"Im Kabelschaft liegt ja normal kein Mensch drin. Da muss was passiert sein. [...] Das war ja schon komplett skelettiert", erinnert sich Forensic Artist Rainer, der beim Landeskriminalamt in Stuttgart arbeitet. Es habe dort schon zehn bis 30 Jahre gelegen.

Im Jahr 2023 fand ein Baggerfahrer das Skelett auf dem Gelände einer ehemaligen Industrieanlage in Zwickau (Sachsen). Kurz darauf landete der rätselhafte Schädel auf dem Arbeitstisch der Forensic Artists.

Ohne weitere Anhaltspunkte mussten sie sich allein auf die knöcherne Struktur verlassen. "Irgendwann komm' ich ins Spiel und bekomm' den Schädel und gebe der Person wieder ein Gesicht. Ich mach' den praktisch wieder zum Menschen", beschreibt Rainer die Bedeutsamkeit seines Berufs.

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Auch wird beim LKA die Altersanpassung von Vermissten durchgeführt.

Polizeioberkommissarin und angehende Forensic Artist Tabea erklärt: "Wir haben die Alterslehre. Der Lebensstil zum Beispiel beeinflusst natürlich das Altern. [...] Das Gesicht ist die Landkarte des Lebens."

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In der neuesten Folge des SWR-Podcasts "Streifenfragen" taucht Host Joost Schmidt in eine Welt ein, von der viele nicht einmal wissen, dass sie existiert.  © SWR
Diese Gesichtsweichteilrekonstruktion wurde im Fall des in Zwickau gefundenen Skeletts angefertigt.  © LKA Baden-Württemberg

Sechs Kilogramm Spezialknete kam zum Einsatz

Hinter der Uniform: Der SWR-Podcast "Streifenfragen" soll die menschliche Seite der Polizei zeigen.  © SWR

Forensic Art ist weit mehr als nur ein künstlerisches Hobby innerhalb der Polizei. Es ist eine hochkomplexe Wissenschaft. Die Arbeit dieser Spezialisten ist oft die letzte Chance, Angehörigen Gewissheit zu geben oder einen Mörder doch noch hinter Gitter zu bringen.

Im ersten Schritt wird aus dem nackten Schädel ein 3D-Druck hergestellt. Im Fall des Zwickauer Skeletts kamen sechs Kilogramm der Spezialknete Plastilin zum Einsatz. Dann werden Millimeter für Millimeter Gewebemarker gesetzt, die auf anatomischen Durchschnittswerten basieren.

So entstanden innerhalb von nur drei Tagen aus dem anonymen Knochenfund wieder menschliche Gesichtszüge. Die Rekonstruktion ist nun die einzige Hoffnung, dass irgendjemand das Gesicht erkennt.

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Die komplette Story über die Arbeit des Forensic Artist, die Rekonstruktion aus Plastilin und warum dieser Beruf so selten ist, hört Ihr in der aktuellen Folge von "Streifenfragen" in der ARD-Audiothek.

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