"Mir platzt der Kragen": Wutentbrannt reagiert TV-Gast auf Antwort von Sachsens Sozialministerin
Berlin - Bei "Hart aber fair" stand am Montagabend die Frage "Pflege zu Hause: Lässt die Politik Angehörige allein?" im Fokus. Zu Gast war unter anderem Sachsens Sozialministerin Petra Köpping (68, SPD), die sich während der Sendung eine wutentbrannte Reaktion anhören musste.
In einem kurzen Videoclip war dem Zuschauer die äußerst missliche Lage der ehemaligen Callcenter-Mitarbeiterin Angelina Kusterer gezeigt worden, die mittlerweile Bürgergeld beziehen muss, weil sie ihre beiden Eltern rund um die Uhr pflegen muss - und zwar ohne Lohn. "Ich bin Deutschlands billigste Arbeitskraft, weil ich nichts koste", beklagte sie.
Zu dem Einspieler wollte Moderator Louis Klamroth (36) angesichts der Tatsache, dass die Übernahme der Arbeit pflegender Angehöriger durch Profis einem Experten zufolge dreistellige Milliardenbeträge kosten würde, von Petra Köpping wissen: "Müsste da nicht ein fairer Lohn für Menschen wie Angelina drin sein?"
Darauf antwortete die Sozialdemokratin: "Sie kriegt das nicht entlohnt, aber sie bekommt ja Geld vom Staat [...]. Wenn sie das vom Arbeitsamt bekommt, ist das für sie eine Entwürdigung. Wenn sie das als Gehalt bekommen würde, wäre es eine Würdigung. [...] Deswegen glaube ich, dass da eine Regelung hermuss, wie man gerade in solchen Vollzeitjobs bei der Pflegereform tatsächlich Lösungen schafft."
Mit deutlichen Worten machte daraufhin eine ebenfalls Betroffene ihrem Ärger Luft: "Mir platzt gerade der Kragen. Wir sind wirklich diejenigen, die das wenigste Gehalt hier in der Bundesrepublik kriegen", sagte Yvonne Lissel, die mit der Pflege ihres demenzkranken Mannes ein ähnliches Schicksal wie Angelina ereilte.
Betroffene über Kürzungen: "Bin gesellschaftlich und sozial isoliert"
Im weiteren Gespräch mit Gastgeber Klamroth machte Lissel das große Problem deutlich, was bald hinzukommen dürfte: "In diesem PNOG [Pflegeneuordnungsgesetz, Anm. d. Red.] sind nur Kürzungen für uns drin. Das heißt, dass ich ab nächstem Jahr überhaupt gar keine Freizeit mehr habe."
Sie könne wegen Einschnitten bei der Verhinderungspflege ihren Mann nicht mehr alleine lassen. "Ich bin gesellschaftlich und sozial isoliert", beklagt die Betroffene. Hinzu komme eine immer stärker werdende Bürokratie.
Die komplette Sendung mit allen Aussagen und Standpunkten kann in der ARD-Mediathek angeschaut werden.
Titelfoto: Montage: WDR/Molina (2)
