Lehrer bei "hart aber fair": "Ich würde sofort streiken, wenn ich kein Beamter wäre"
Berlin - Kann sich Deutschland seine vielen Beamten noch leisten? Darüber wurde bei "hart aber fair" hitzig diskutiert. Ein Lehrer erklärte, warum er gern streiken würde.
Im internationalen Vergleich leistet sich Deutschland viele Staatsdiener. Sie genießen vergleichsweise hohe Gehälter, üppige Pensionen, private Krankenversicherung und müssen keine Angst vor Job-Verlust haben.
Ist das noch zeitgemäß? Und sollten Beamte auch Beiträge für die Sozialversicherung zahlen? "Das Thema emotionalisiert und ist ganz schnell auch ein Gerechtigkeitsthema", führte der hessische Innenminister Roman Poseck (56, CDU) aus.
Insgesamt würden Beamte gute und wichtige Arbeit leisten, meinte er. Ex-Wirtschaftsminister Rainer Brüderle (81, FDP) verwies hingegen auf die hohen Pensionslasten: "Wir können das nicht bezahlen." Brüderle meinte auch: "Ich verstehe nicht, warum Lehrer besser sind, wenn sie Beamte sind. Dafür sehe ich keinen logischen Grund."
Dem widersprach Gesamtschullehrer Nicolas Schmelzer (33). Der Beamtenstatus würde ihm helfen, einen guten Job zu machen. Er habe sich ganz bewusst dafür entschieden, nicht als Angestellter andernorts zu wirken. Als Staatsdiener sei er zudem "ein Bollwerk gegen Extremismus".
Das fehlende Streikrecht sei für ihn hingegen ein deutlicher Nachteil. "Ich würde sofort streiken, wenn ich kein Beamter wäre", so Schmelzer. Seine Begründung: "25 Prozent der Schülerinnen und Schüler haben psychische Auffälligkeiten. Es gibt massive Defizite im Bildungssystem. Es gibt einen Investitionsstau mit vielen kaputten Schulklos."
Rainer Brüderle wartet auf politische Reformen
"Ich habe mir schon den Wecker fürs Jahr 2040 gestellt", sagte Schmelzer und bezog sich damit auf die sinkende Anzahl von Kindern. Mit mehr Lehrern und weniger Schülern könne endlich mehr Bildung vermittelt werden. Die jüngsten PISA-Ergebnisse hätten gezeigt, was alles falsch laufe im Schulsystem.
Dann sei auch die Burnout-Gefahr für Lehrkräfte nicht mehr so extrem hoch, meinte der 33-Jährige. Derzeit würden "25 Prozent der Lehrer überlegen, den Job aufzugeben", so Schmelzer.
Brüderle argumentierte, dass der Staat künftig dennoch sparsamer werden müsse, vor allem bei der Verwaltung und in Sachen Bürokratie. Das Problem sei jedoch "die Unfähigkeit der sogenannten politischen Mitte, Reformen durchzuführen", so Brüderle.
Titelfoto: WDR
