Wie Johannas (†8) Mörder nach fast zwei Jahrzehnten verurteilt werden konnte: "Ich kriege sie nie mehr wieder"

Leipzig/Bobenhausen - Sie war draußen spielen und verschwand: Der Fall um Johanna Bohnacker sorgte deutschlandweit für Aufsehen - doch bis der Mord an der Achtjährigen verurteilt werden konnte, sollten fast zwei Jahrzehnte vergehen ...

Der Fall um Johanna Bohnacker (†8) sorgte deutschlandweit für Aufsehen - doch bis der Mord verurteilt werden konnte, sollten fast zwei Jahrzehnte vergehen.
Der Fall um Johanna Bohnacker (†8) sorgte deutschlandweit für Aufsehen - doch bis der Mord verurteilt werden konnte, sollten fast zwei Jahrzehnte vergehen.  © DPA/lhe

"Als Johanna nicht nach Hause gekommen ist zur verabredeten Zeit haben sich die Eltern gleich frühzeitig Gedanken gemacht und der Vater ist mit der Schwester losgezogen und die haben nach Johanna gesucht, haben sie nicht mehr gefunden und haben nur auf dem Radweg am Sportplatz in Bobenhausen dann das Fahrrad von Johanna aufgefunden", beschreibt Roland Fritsch, Leiter der Kriminaldirektion Gießen, jenen 2. September 1999 in der aktuellen Folge "Kripo live - Tätern auf der Spur".

Die einzige Spur: Ein Zeuge sah einen auffällig langsam fahrenden Autofahrer - in einem VW-Jetta. 40 Kilometer vom Tatort entfernt, in Friedrichsdorf, finden die Ermittler einen auf die Beschreibung passenden Wagen. Der Besitzer: Rick J. - doch der hatte ein Alibi. Und auch die Farbe passte nicht ganz.

Am 1. April 2000 dann die schreckliche Entdeckung: "An diesem Tag haben Spaziergänger im Wald bei Alsfeld die Überreste einer Mädchenleiche gefunden", so Fritsch.

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"Die Hoffnung ist einfach weg. Jetzt weiß ich zwar, wo sie ist, aber ich kriege sie nie mehr wieder", sagte Johannas Mutter Gabriele damals.

Bei Johannas Leiche wurde unter anderem auch Klebeband entdeckt - mit dem Teil eines Fingerandrucks und Teppichfaserresten. Es folgten Massentests im Ort - ohne Treffer. Dann vergingen Jahre.

Rick J. tritt wieder in den Fokus

Gerald Meyer (60) moderiert die Crime-Sendungen "Kripo Live" und "Kripo Live - Tätern auf der Spur".
Gerald Meyer (60) moderiert die Crime-Sendungen "Kripo Live" und "Kripo Live - Tätern auf der Spur".  © MDR/Andreas Lander

Johannas Vater Richard starb im Jahr 2016 - er sollte nie erfahren, was mit seiner Tochter geschehen ist.

Doch dann wurden alte Akten digitalisiert - so entstanden neue Möglichkeiten. Und der mittlerweile 41-jährige Rick J. trat wieder in den Fokus.

Im August 2016 sah ein Jäger in einem Maisfeld nahe Bobenhausen einen Mann mit einem gefesselten Mädchen bei sexuellen Handlungen - und stellte ihn gemeinsam mit anderen Leuten zur Rede. Es war Rick J.

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Es folgten Durchsuchungen - dabei wurde auch Klebeband entdeckt. Die Ermittler fanden raus: Rick J. war in der Vergangenheit bereits im Zusammenhang mit einem Angriff auf ein junges Mädchen und sexuellen Handlungen an einem Kind in Erscheinung getreten.

Er wurde fast ein halbes Jahr lang beschattet. Außerdem wurde das Klebeband auf Fasern untersucht - ein Treffer. Und auch der Fingerabdruck konnte nun mit einer neuen Methode erneut überprüft werden - noch ein Treffer.

Am 25. Oktober 2017 wurde Rick J. schließlich festgenommen - 18 Jahre nach der Tat.

Rick J.: "Ich bin dafür verantwortlich"

Rick J. wurde schließlich zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt.
Rick J. wurde schließlich zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt.  © Fabian Sommer/dpa

Kriminalhauptkommissarin Agatha Koch vernahm Rick J. - der habe schließlich gesagt: "Die Eltern haben ein Recht darauf zu erfahren, was mit ihrem Kind passiert ist. Und sie haben recht, ich bin dafür verantwortlich."

"Er gab an, er hätte die kleine Johanna mit Chloroform betäubt und dann in den Kofferraum von seinem Fahrzeug gelegt, notdürftig gefesselt", so Fritsch in der MDR-Sendung. "Er habe ihr dann mit der flachen Hand ins Gesicht geschlagen, um sie zu beruhigen. Er vermutete, dass er ihr dabei die Nase gebrochen haben könnte, dass sie dann nicht mehr hätte atmen können oder hätte möglicherweise auch erbrochen und sei an ihrem Erbrochenen erstickt." Augen und Mund seien zugeklebt worden.

Bei Rick J. gefundene Schonbezüge konnten währenddessen den gefundenen Fasern zugeordnet werden.

"Dann haben wir uns die Frage gestellt, kann man denn im Kofferraum eines Jettas überhaupt ersticken?", so Oberstaatsanwalt Thomas Hauburger. Das sei durch Versuche überprüft worden. "Und die Antwort war nein, das ist unmöglich."

"Am Fundort sind circa 15 Meter Paket-Klebeband gefunden worden plus noch eine ganze Menge von diesem silbernen Panzer-Klebeband und auch das haben wir versucht mal nachzustellen, einen Kinderkopf mit 15 Meter Klebeband zu umwickeln und dabei darauf zu achten, dass die Nase frei bleibt, also das kann man komplett vergessen, das geht überhaupt nicht", erklärt Fritsch.

Rick J. wurde schließlich angeklagt und im November 2018 zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt.

Die komplette "Kripo live – Tätern auf der Spur"-Folge könnt Ihr in der Mediathek streamen.

Titelfoto: DPA/lhe

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