Schlangenbad-Wambach (Hessen) - Im Februar 2014 verschwindet Britta B. aus einer wohlhabenden Gemeinde im Rheingau-Taunus-Kreis. Ihr Ehemann Emanuel B. meldet sie als vermisst, gerät später aber immer stärker in den Fokus der Ermittlungen. Obwohl ihre Leiche verschollen bleibt, verurteilt das Landgericht Wiesbaden 2016 den damals 40-Jährigen zu elf Jahren Haft - wegen Totschlags. Das Urteil und den Tod ihrer Tochter haben Brittas Eltern nie verkraftet.
"Meine persönliche Meinung ist, dass die Strafe viel zu gering war für das, was er getan hat und was er den Eltern angetan hat", erzählt Anwältin Barbara Sauer-Kopic in der Kabel-Eins-Sendung "Mord im Dorf".
Dass ihre Tochter von heute auf morgen einfach so verschwand und ihr lebloser Körper nie gefunden wurde, hätten die Eltern nie verkraftet.
Nur wenige Monate nach dem Prozess gegen Emanuel B. seien Mutter und Vater der Getöteten kurz nacheinander verstorben, heißt es in der Sendung. Bewusst umgebracht hätte sich das Ehepaar zwar nicht, aber: "Sie hatten keinen Lebenswillen mehr", so die Anwältin.
Trotz des Urteils wegen Totschlag bleibt unklar, wie die 37-Jährige gestorben ist. Ihr Mann bestreitet die Tat - und das, obwohl die Polizei im Laufe der Ermittlungen immer mehr Beweise liefern kann.
Ehe zwischen Emanuel und Britta B. mit Problemen behaftet
In der Ehe der beiden soll es schon lange nicht mehr gut gelaufen sein. Emanuel B. chattet regelmäßig mit fremden Frauen und trifft sich sogar mit ihnen. Seine Frau hingegen entwickelt eine Zwangsstörung und leidet an Depressionen, was die damalige Gartenplanerin der Eheleute bestätigen kann.
Schon bald finden die Beamten heraus, dass eine letzte angeblich von Britta geschriebene E-Mail von Emanuel B. verfasst wurde. Und auch die Aufzeichnungen der Hausüberwachung sind gelöscht und manipuliert worden. Mithilfe eines von einem Forensiker erstellten Programmes können die Ermittler die fehlenden Daten lesen - und werden stutzig.
Auf einer Aufnahme am Abend des 16. Februars 2014 läuft Britta das letzte Mal zum Container, um den Müll zu entsorgen. "Danach hat man sie nie mehr gesehen", sagt Stefan Lange, damaliger leitender Ermittler.
Mord kann nicht nachgewiesen werden
Danach häufen sich die Hinweise, dass Emanuel B. etwas mit dem Verschwinden seiner Frau zutun haben könnte: Es wird ein Blutspritzer des Opfers im Kofferraum seines Wagens gefunden. Zudem entdecken die Beamten ein kurz vor der Tat gekauftes Multifunktionstool samt blutverschmiertem Sägeblatt.
Letzteres sowie alle gesammelten Beweise reichen für eine Anklage aus. Der ins Ausland geflüchtete Verdächtige wird von der belgischen Polizei festgenommen und wieder nach Hessen in U-Haft gebracht.
Die Polizei glaubt, dass Emanuel B. am Tatabend mit seiner Frau in Streit geraten und sie umgebracht hat. Anschließend habe er ihren leblosen Körper zerstückelt und die Leichenteile auf dem Weg zu seiner Geschäftsreise nach Paris entsorgt.
Einen Mord können die Beamten dem Mann allerdings nicht nachweisen. "Da wir keine Leiche hatten, konnten wir das nicht beweisen", so Lange ernüchtert.
Kabel Eins zeigt "Mord im Dorf" immer freitags um 20.15 Uhr. Bei Joyn gibt es die Fälle auf Abruf.