Linksextreme Anschläge gegen Infrastruktur: "Hat den Eindruck, dass die Gewaltakzeptanz gewachsen ist"
Leipzig - Immer wieder machen linksextremistische Gruppierungen in den vergangenen Jahren mit Anschlägen auf Neonazis und die Infrastruktur auf sich aufmerksam. Mit der Doku "Inside Linksextrem" wirft das ZDF einen ausführlichen Blick auf die Szene und lässt Experten sowie Akteure zu Wort kommen. Dabei enthüllen die Reporter unter anderem, dass inzwischen auch eine Verbindung nach Russland geprüft wird.
Die Doku beleuchtet verschiedene Gruppen der extremen Linken - von den "Vulkan"-Gruppen, die den Anschlag auf das Berliner Stromnetz im Januar 2026 verübten, bis hin zur sogenannten "Hammerbande" um Lina E., die Angriffe auf Rechtsextremisten verübte.
Was die Gruppen verbinde, sei eine gleichzeitige Ablehnung von Rechtsstaat und Marktwirtschaft. Während jedoch der "Antifa Ost"-Komplex mit seinem Kampf gegen Neonazis eher dem klassischen Bild des Linksextremismus entspricht, sprechen Experten im Fall der Vulkan-Gruppen inzwischen von Öko-Anarchismus.
"Es ist das theoretische Konzept, dass Öko-Terrorismus zugrunde liegt. Man will zurück in vorindustrielle Zeiten", erklärt Isabelle Holz vom Netzwerk Terrorismusforschung. Öko-Anarchismus sei demnach eine Variante des Linksextremismus, die in moderner Technik die Ursache von ökologischer Zerstörung, Krieg und menschlicher Entfremdung sieht.
"Also würden wir die Industrialisierung umkehren, hätten wir natürlich auch keine Klimaprobleme mehr, dann müssten wir uns nicht mehr um den Klimawandel sorgen. Auch das ganz klar festmachen auf den Angriff auf unsere Welt - und wenn man sie zerstören würde, dass dann die bessere Welt warten würde", so Holz.
BKA-Vizepräsident: "Die Schadenssummen sind erheblich"
BKA-Vizepräsident Sven Kurenbach zufolge haben wir zwar noch keinen Terrorismus, wie ihn die Rote Armee Fraktion in den 70er- und 80er-Jahren verübt hat, aber: "Wir diskutieren schon im polizei- und nachrichtendienstlichen Bereich darüber, ob sich bestimmte Teile der linksextremistischen Szene dorthin entwickeln könnten. Das sind durchaus Ansätze, die wir sehen."
"Man hat den Eindruck, dass die Gewaltakzeptanz gewachsen ist in der linken Szene", so der BKA-Vizepräsident. "Das kann man an einzelnen Sachverhalten festmachen, wie Brandanschläge auch auf Fahrzeuge von Polizeibeamten. Die Schadenssummen sind erheblich. Wenn ich das mit vor einigen Jahren vergleiche, ist das schon eine substanzielle Veränderung."
Inzwischen würden dabei auch Verbindungen nach Russland geprüft, heißt es in der ZDF-Doku, denn: Die Sabotage-Akte spielen Putin und dessen hybridem Krieg in die Hände. "Möglicherweise spielt das eine auch mit dem anderen zusammen", wird Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (56, CSU) zitiert.
"Inside Linksextrem - Protest, Sabotage, Gewalt" läuft am Mittwoch, 11. November, ab 20.15 Uhr bei ZDFinfo und kann bereits jetzt in der ZDF-Mediathek gestreamt werden.
Titelfoto: ZDF/IMAGO

