Bekennerschreiben zu Stromausfall "authentisch": Was wir über die Anarcho-Brandleger wissen

Berlin - Der Stromausfall im Berliner Südwesten am Samstag geht offenbar auf einen gezielten Sabotageakt zurück. Nun ist auch klar, wer dahintersteckt: Seit rund 14 Jahren verübt die sogenannte "Vulkangruppe" linksmilitante Brandanschläge - und beansprucht auch diesen für sich.

Der Kabelbrand wurde den Ermittlungen zufolge durch einen politisch motivierten Anschlag verursacht.
Der Kabelbrand wurde den Ermittlungen zufolge durch einen politisch motivierten Anschlag verursacht.  © Michael Kappeler/dpa

Am Samstagnachmittag tauchte auf der linksextremen Plattform Indymedia ein mutmaßliches Bekennerschreiben auf, in dem sich die Gruppierung zu der Tat bekennt.

Wie Innensenatorin Iris Spranger (64, SPD) der Deutschen Presse-Agentur am Sonntagnachmittag mitteilte, ist das bei den Behörden eingegangene und geprüfte Schreiben "authentisch".

In dem Text heißt es, Ziel des Angriffs sei der "militärisch-industrielle Komplex im Technologiepark Adlershof" und die "fossile Energiewirtschaft" gewesen.

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Durch die Sabotage habe man beabsichtigt, "sensible Supermaschinen und Ablaufprozesse massiv zu beeinträchtigen". Die Gruppe bezeichnete den Anschlag als "gemeinwohlorientierte Aktion" und als "Akt der Notwehr"

Den massiven Stromausfall "in den wohlhabenderen Stadtteilen Wannsee, Zehlendorf und Nikolassee" tat die Gruppierung daher als Randerscheinung ab und bat die "weniger wohlhabenden Menschen" um Entschuldigung. "Bei den vielen Besitzern der Villen in diesen Stadtteilen hält sich unser Mitleid in Grenzen."

Stromausfall in Berlin: "Vulkangruppe" bekennt sich zu Brandanschlägen

Betroffene suchen Schutz in eingerichteten Notunterkünften.
Betroffene suchen Schutz in eingerichteten Notunterkünften.  © Sebastian Christoph Gollnow/dpa

Es ist nicht das erste Mal, dass sich die 2011 gegründete "Vulkangruppe" zu Brandanschlägen in Berlin und Brandenburg bekennt. Dabei richteten sich ihre Aktionen auch immer wieder gegen den Autobauer Tesla sowie dessen Firmenchef Elon Musk (54).

So reklamierten sie den Anschlag auf die Giga-Fabrik im März 2024 für sich. Der Autokonzern schätzte den Schaden damals auf mehrere Hundert Millionen Euro, wobei die Folgen nicht auf Tesla begrenzt waren.

Auch den Sabotageakt 2021 an der Stromversorgung des Tesla-Werks in Grünheide beanspruchte die "Vulkangruppe" für sich.

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Ob sie auch hinter dem 60-stündigen Stromausfall im Berliner Südosten im September 2025 steckte, sei bislang nicht ganz geklärt. Dieser galt mit 50.000 Betroffenen als längster der Nachkriegszeit.

Der Berliner Verfassungsschutz ordnet die Gruppierung dem anarchistischen Spektrum zu.

Titelfoto: Michael Kappeler/dpa

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