Zugunfall, Riesenflamme, Gefahrgut-Einsatz: "Ich dachte, die Bude fällt mir unterm Arsch zusammen"

Bleicherode - Knapp elf Jahre ist das dramatische Zugunglück im thüringischen Bleicherode her. An den dramatischen und stundenlang andauernden Einsatz erinnern sich jetzt Rettungskräfte und Anwohner zurück.

Flammen am Bahnhof Bleicherode-Ost am 21. September 2011.
Flammen am Bahnhof Bleicherode-Ost am 21. September 2011.  © Feuerwehr Bleicherode

21. September 2011. Es ist ein ruhiger Mittwochabend, an dem sich Helga Mohrig langsam auf die Nacht vorbereitet. Doch gegen 20.25 Uhr nimmt sie aufsteigenden Rauch wahr. "Ich habe den Qualm gesehen, aber mir nichts dabei gedacht", sagt die 85-Jährige in der MDR-Sendung "Lebensretter", die damals wie heute eines der 13 Häuser im Stadtteil Bleicherode-Ost bewohnt.

Was sie zunächst nicht mitbekam: Ein Güterzug war auf einen Gefahrguttransport geknallt, ein randvoll mit Benzin gefüllter Kesselwagen dabei explodiert.

"Es hat geknallt, eine Riesenflamme. Ich dachte, die Bude fällt mir unterm Arsch zusammen", berichtet auch Nachbar Jens Schulz. "Dann sind die Kabel alle weggeschmort. Ich dachte, hier passiert jetzt was."

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Während die ersten der insgesamt rund 150 Feuerwehrkameraden am Unglücksort im Landkreis Nordhausen eintreffen, klingeln Polizisten die Anwohner aus den Häusern. "Ich hatte nicht mal eine Hose an", erinnert sich Helga Mohrig.

Doch was war überhaupt passiert? Der Fahrdienstleiter hat einen Güterzug einfahren lassen, obwohl sich auf selbigem Gleis ein Gefahrgutzug befand, der den Bahnhof Bleicherode-Ost gerade langsam verlassen hat. Es kam zum Zusammenstoß, bei dem ein Kesselwagen mit 10.000 Litern Benzin explodierte.

Der damals 63-jährige Verursacher wurde 2014 wegen gefährlichen Eingriffs in den Bahnverkehr mit fahrlässiger Körperverletzung und Herbeiführens einer Sprengstoffexplosion zu 18 Monaten Haft auf Bewährung verurteilt.

Zugunglück in Bleicherode-Ost: Mit "Feuer aus" ist die Gefahr noch nicht gebannt

Am Tag nach dem Unglück wird das Ausmaß sichtbar.
Am Tag nach dem Unglück wird das Ausmaß sichtbar.  © IMAGO / Bild13

Wilfried Ittershagen war als einer der Ersten am Unglücksort, sah schon von Weitem den feuerrot erhellten Himmel. "Das wird ein Inferno sein", dachte sich der damalige Kreisbrandinspektor.

Matthias Gropengießer von der Berufsfeuerwehr Nordhausen berichtet hingegen, dass man mit Schaummittel versuchen wollte, die Flammen zu ersticken. Da die Schaumversorgung aber zwischenzeitlich unterbrochen war, um neues Mittel zu besorgen, habe man mit Wasser weitergelöscht.

"Man hat mit dem Löschwasser den Schaum wieder kaputtgemacht, dadurch kamen immer wieder Flammenzungen heraus", erklärt Gropengießer. Die Anweisung hieß dennoch Weiterlöschen und die Tanks kühlen, da man nicht wusste, welche Gefahr von ihnen ausging.

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Um 22.38 Uhr, mehr als zwei Stunden nach dem Unfall, kann Ittershagen zwar "Feuer aus" an die Einsatzzentrale in Nordhausen melden.

Allerdings hat zu diesem Zeitpunkt ein anderer Kesselwagen mit Lösungsmitteln auf dem Bahnhofsgelände leck geschlagen. Weitere Experten aus der Umgebung werden hinzugezogen, um eine Umweltkatastrophe zu verhindern.

Die gesamte 45-minütige Doku seht Ihr am heutigen Donnerstagabend ab 20.15 Uhr im MDR-Fernsehen oder schon jetzt in der Mediathek.

Titelfoto: Bildmontage: Feuerwehr Bleicherode, IMAGO / Bild13

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