Fünfköpfige Familie zieht in Plattenbau: "Genau das, was wir wollten!"

Bitterfeld-Wolfen - 1960 wurde im Bitterfelder Ortsteil Wolfen-Nord (Sachsen-Anhalt) der Grundstein für ein einzigartiges Projekt gelegt: eine riesige Plattenbausiedlung für Zehntausende Menschen. Nachdem die einst boomende Industrie nach der Wende zugrunde ging, wurden viele leerstehende Blöcke abgerissen. Eine Familie fühlt sich in einem noch erhaltenen dagegen pudelwohl.

Nur noch wenige Plattenbauten sind in Wolfen-Nord stehen geblieben.
Nur noch wenige Plattenbauten sind in Wolfen-Nord stehen geblieben.  © MDR/Mia Media/Leo Hingst

Etwa zehn Jahre nach der Grundsteinlegung in Wolfen-Nord im Jahr 1970 waren bereits 74 neue Wohnblöcke fertiggestellt, wie in der MDR-Doku "Wir aus der Platte - Wolfen-Nord im Wandel" zu sehen ist.

Zur damaligen Zeit war die Plattenbausiedlung eine der größten der DDR. In der Wohnstadt, vor allem für Chemiearbeiter, lebten zu Hochzeiten 35.000 Menschen.

Nach der Wiedervereinigung zogen viele Anwohner weg, heute leben in den wenigen übrig gebliebenen Blöcken nur noch 6300 Menschen.

Fünf von ihnen sind die Pahlkes. Mama Romy, Papa Stephan und die drei Kinder sind 2018 aus der Nähe von Berlin in die Platte nach Wolfen gezogen. Ganz bewusst und ohne es zu bereuen: "Wir fühlen uns hier absolut und intensiv zu Hause. Das ist genau das, was wir wollten."

Vor allem Schule und Kindergarten für ihre Nachkommen seien "hervorragend", auch die schöne nahe Natur sei ein großer Vorteil.

In der 1. Folge sucht die fünfköpfige Familie einen Kleingarten, in dem sie Obst und Gemüse ernten wollen. "Wir brauchen den nicht zum Spielen, sondern zum Anbauen und Versorgen", sagt Romy. Finden sie einen passenden?

Romy Pahlke (2.v.l.) und ihr Mann Stephan sind mit den drei Kindern 2018 aus der Nähe von Berlin nach Wolfen-Nord in die Platte gezogen und fühlen sich hier pudelwohl.
Romy Pahlke (2.v.l.) und ihr Mann Stephan sind mit den drei Kindern 2018 aus der Nähe von Berlin nach Wolfen-Nord in die Platte gezogen und fühlen sich hier pudelwohl.  © MDR/Mia Media/Daniel Berg

Fotograf Achim wohnt seit 1966 hier in Wolfen-Nord

Hans-Joachim Lösche (76) kam 1966 wegen der Arbeit nach Wolfen-Nord und bezeichnet die Siedlung heute als seine Heimat.
Hans-Joachim Lösche (76) kam 1966 wegen der Arbeit nach Wolfen-Nord und bezeichnet die Siedlung heute als seine Heimat.  © MDR/Mia Media/Leo Hingst

1966 zog Hans-Joachim "Achim" Lösche nach Wolfen-Nord. Der heute 76-Jährige arbeitet seit 50 Jahren als Fotograf und Ortschronist, hat den Wandel des Wohngebietes vom Chemie-Boom bis zur heutigen Zeit miterlebt.

Mit dem MDR-Team steigt er auf den einzigen Elfgeschosser der Siedlung. "Ich bin seit Jahren hier oben, weil man einen wunderbaren Ausblick auf Wolfen-Nord und Umgebung hat."

Er habe die enorme Bautätigkeit in den 60ern erlebt, aber auch den jahrelangen Abriss. Jetzt freue er sich über das, was saniert wird und neu entsteht.

Mehr als 100.000 Fotos hat Lösche geschossen, war bei unzähligen Presseterminen dabei, hatte Staatsoberhäupter vor der Linse, fotografierte Arbeiter und Anwohner.

Seine Aufnahmen hat er dem ansässigen Museum vermacht, von denen anlässlich des 60-jährigen Bestehens Wolfen-Nords 60 ausgestellt werden sollen.

Achim Lösche arbeitete auch für die Agfa, die 1936 mit der Herstellung von Farbfilmen ihren Durchbruch hatte und sich zum größten Filmwerk Europas entwickelte. 15.000 Beschäftigte in den 60ern gab es in der "Film", wie sie im Volksmund hieß. Nach der Wende fand sich kein Investor. 1991 wurde die Produktion eingestellt, ein Jahr später begann der Abriss.

Diese und weitere Geschichten seht Ihr in der vierteiligen Doku "Wir aus der Platte - Wolfen-Nord im Wandel" immer donnerstags ab 19.50 Uhr im MDR-Fernsehen und schon jetzt komplett in der Mediathek.

Titelfoto: MDR/Mia Media/Daniel Berg

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