Dreifache Mutter nach Reitunfall querschnittsgelähmt: Therapeutin rät Mann zur Trennung

Hamburg - Tanja Scholz (41) ist seit ihrem Reitunfall vor sechs Jahren querschnittsgelähmt. Durch das Schwimmen kämpfte sie sich zurück ins Leben. In der NDR Talk Show erzählte sie von der Hölle, durch die sie ging.

Die NDR-Reportage "Echtes Leben: Tanja Scholz - Schwimmen, um zu leben" zeigt den Weg der dreifachen Mutter zur Goldmedaille bei den Paralympics.
Die NDR-Reportage "Echtes Leben: Tanja Scholz - Schwimmen, um zu leben" zeigt den Weg der dreifachen Mutter zur Goldmedaille bei den Paralympics.  © Paul Rohlfs/NDR/dpa

Auf den ersten Blick ist es einfach nur eine Heldengeschichte. Die Mutter, die nach einem schlimmen Schicksalsschlag zu einer der erfolgreichsten Para-Schwimmerinnen des Landes wird, paralympisches Gold gewinnt. Der Mann, der die Mutter seiner Kinder mit all seiner Kraft unterstützt.

Doch in der Talkshow erzählt Scholz, wie hart der Weg für sie und ihre Familie war und bis heute ist. "Ich bin durch die Hölle gegangen und ich wollte diesen Weg ja eigentlich gar nicht gehen. Das heißt, für mich ist das auch ein bisschen so eine Niederlage, diese Medaille immer zu sehen", gesteht die 41-Jährige.

Ihr eigentliches Ziel war die Rückkehr in den Job in der Pflege, doch das wurde ihr verwehrt. "Das hat halt keiner gesehen und wollte halt auch keiner hören. Ich musste da sitzen und sagen: 'Hey ja, ich mache hier was ganz Tolles und es fühlt sich fantastisch an'. Aber es hat sich innerlich nicht so angefühlt", so Scholz.

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Für ihren Mann Björn, Stationsleiter eines Krankenhauses in Henstedt-Ulzburg, war die schlimmste Zeit, als seine Frau nach acht Monaten Reha wieder nach Hause kam. "Ich habe gedacht, Tanja ist wieder zurück und kann jetzt ganz normal alles zu Hause wieder so machen wie vorher. Und damit habe ich sie natürlich auch ein bisschen überfordert", meint er.

Der dreifache Vater sucht sich schließlich Hilfe bei einer Therapeutin, die ihm rät, sich im Zweifel zu trennen.

Björn Scholz: "Hätte ich das gemacht, dann hätten wir einiges nicht erlebt"

Moderiert wurde die "NDR Talk Show" am Freitagabend von Bettina Tietjen (66) und Steven Gätjen (53).
Moderiert wurde die "NDR Talk Show" am Freitagabend von Bettina Tietjen (66) und Steven Gätjen (53).  © IMAGO / APress

"Und da habe ich gedacht: Nein, das ist das Letzte, was ich will. Ich bin ewig mit ihr zusammen. Und ich glaube, hätte ich das gemacht, dann hätten wir einiges nicht erlebt", sagt Björn an seine Frau gewandt.

"Björn musste alles alleine machen, hatte den ganzen Druck und ich habe mir wirklich eingeredet, es ist besser ohne mich. Und das war halt dann auch die schwierige Zeit, die wir hatten, wo dann auch die Psychologin meinte, es ist besser, wenn Björn gehen würde. Wäre er da weg gewesen, dann wäre ich heute nicht mehr hier", erzählt Tanja daraufhin.

Björn ließ sich krankschreiben, wollte mehr für sie da sein. Ab da sei es bergauf gegangen und Tanja beschloss, eine Aufgabe für sich zu suchen. Ihr ehemaliger Schwimmtrainer erfuhr von ihrem Unfall und schrieb ihr: "Tanja, du musst zurück ins Wasser."

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Sie folgt dem Rat, macht sich einen Trainingsplan, bekommt wieder Struktur in ihr Leben. Und plötzlich hatten ihre Kinder eine Spitzensportlerin als Mama. Mit Medaillen, die zwei Seiten haben.

Wer die NDR Talk Show verpasst hat, kann sie in der ARD-Mediathek nachschauen.

Titelfoto: Paul Rohlfs/NDR/dpa

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