Rostock - Eigentlich wollte eine Anglerin am Rande Rostocks nur Fische fangen, doch stattdessen zieht sie die Leiche einer jungen Frau an Land. Der Mord an der Unbekannten beschäftigt die Ermittlerinnen im "Polizeiruf 110: Sie haben Namen", der am Sonntag um 20.15 Uhr im Ersten läuft.
Die junge Frau, vermutlich eine minderjährige Prostituierte aus Osteuropa, ist übersät mit Verletzungen. Alles deutet darauf hin, dass sie vor ihrer Ermordung gefoltert wurde.
Anhand der Plane, in welche das Opfer eingewickelt ist, finden Katrin König (Anneke Kim Sarnau, 54) und Melly Böwe (Lina Beckmann, 45) den möglichen Tatort heraus: eine nahe gelegene Feriensiedlung, die dem Zuhälter Heiko Mischke (Sönke Möhring, 53) gehört. Natürlich rein zufällig brannte eine der Hütten genau zum Tatzeitpunkt dort ab.
Auch die Befragung unter den Prostituierten bringt kaum neue Erkenntnisse. Bei Natasha (Anastasiia Mazhara, 23) merken die beiden Kommissarinnen jedoch, dass sie mehr wissen könnte.
Auf dem Kommissariat werden die Ermittlungen zusätzlich durch Jan Jürgens (Thorsten Merten, 62) erschwert.
Der korrupte Staatsanwalt nutzt seine Macht und seine Beziehungen, um die Mordkommission zu behindern. Deren Leiter, Henning Röder (Uwe Preuss, 65), hatte herausgefunden, dass Jürgens der Vergewaltiger von Böwe ist. Deshalb ist dieser Fall für die Ermittlerinnen besonders emotional aufgeladen.
Lohnt sich das Einschalten beim "Polizeiruf 110"?
Durchaus, allerdings braucht man für diesen "Polizeiruf 110" starke Nerven. Das bedrückende Schicksal der Frauen wirkt auf jeden Fall nach.
Anastasiia Mazhara überzeugt mit ihrer starken Darstellung der Natasha und ist ein absoluter Gewinn für die deutsche Fernsehlandschaft.
Dabei hätte die junge Ukrainerin die Rolle fast abgelehnt: "Ich hatte keine Lust mehr auf Filme, in denen ich vor allem wegen meines Akzents besetzt wurde", erklärt sie im NDR-Interview. "Weil dieses Angebot aber spannend klang, habe ich angefangen, das Drehbuch zu lesen, und stellte schnell fest, dass Natasha die Rolle war, von der ich geträumt hatte."
Ihr gelingt es, die Figur abseits jeglicher Klischees darzustellen, was auch an den teils skrupellosen Entscheidungen liegt, die Natasha trifft. "Niemand interessiert sich für ihr Schicksal, niemand bietet ihr Schutz. Natasha muss für sich selbst sorgen, wenn sie überleben will", so Mazhara.
Einige könnten an diesem Film bemängeln, dass die Erzählgeschwindigkeit zu gering wäre. An manchen Stellen zieht sich die Handlung tatsächlich in die Länge, doch diese Langsamkeit braucht es, um das Vorherige zu verarbeiten. Sonst bekommt man womöglich noch Albträume.