Krimi-Abschied aus Halle: "Polizeiruf 110" endet mit leisem Fall und lautem Finale
Halle (Saale) - Eine tote Rentnerin in der Badewanne. Wasser tropft, ein Radio liegt im Becken, der Hausflur ist überflutet. Zunächst wirkt alles wie ein tragischer Unfall. Doch Henry Koitzsch (Peter Kurth, 68) und Michael Lehmann (Peter Schneider, 51) spüren sofort: Hier stimmt etwas nicht. "Polizeiruf 110: Der Wanderer zieht von dannen" kommt am Sonntag um 20.15 Uhr im Ersten.
Kleine Details – ein manipuliertes Schloss, eine vertrocknete Blume auf dem Fensterbrett – lassen Zweifel wachsen. War es Mord? Und wenn ja: Wer dringt unbemerkt in Wohnungen ein und verschwindet wieder, ohne Spuren zu hinterlassen?
Die Spur führt zurück zu einem früheren, ungeklärten Fall. Plötzlich scheint es Parallelen zu geben: dieselbe Blume, dieselbe Unauffälligkeit, dieselbe erschreckende Kälte.
Während Koitzsch immer verbissener ermittelt, wird klar, dass der Täter Zugang zu Wohnungen hat und womöglich seit Jahren unerkannt bleibt. Ein Phantom, das kommt und geht, als gehörten ihm die Schlüssel der Stadt.
Im Zentrum steht auch Frau Sommer (Cordelia Wege, 49), die sich verfolgt fühlt und deren Rolle lange unklar bleibt. Ist sie Opfer, Zeugin oder mehr?
Ohne viel Vorwarnung eskaliert die Situation, und einer der Kommissare gerät in akute Lebensgefahr. Ein Finale, das plötzlich alles verdichtet.
Lohnt sich das Einschalten beim letzten Hallenser "Polizeiruf 110"?
Durchaus, wenn man weiß, worauf man sich einlässt. Dieser "Polizeiruf" ist kein nervenaufreibender Dauerthriller. Er nimmt sich Zeit, manchmal vielleicht zu viel.
Streckenweise wirkt die Erzählweise zäh, fast ausgedehnt. Lange passiert wenig Sichtbares, und man fragt sich, ob die Geschichte nicht kompakter hätte erzählt werden können. Die ganz große Spannung kommt erst spät.
Gleichzeitig überzeugt die Folge atmosphärisch. Peter Kurth trägt als Henry Koitzsch viele Szenen allein durch Präsenz. Er spielt reduziert, nachdenklich, verletzlich und gerade dadurch intensiv.
Cordelia Wege als Frau Sommer legt ihre Figur bewusst unangenehm an, was die Reibung verstärkt, aber auch Geduld fordert.
Besonders schwer wiegt: Es ist der letzte Fall für Koitzsch und Lehmann. Mit dieser dritten Folge endet der Hallesche "Polizeiruf", obwohl er erfolgreich lief.
Der Abschied kommt leise, fast unspektakulär, und vielleicht passt genau das zur Stimmung der Episode. Kein großes Pathos, sondern ein ruhiger, melancholischer Ausklang.
Wer einen entschleunigten Krimi mit Fokus auf Atmosphäre sucht, wird hier fündig. Wer durchgehende Hochspannung erwartet, dürfte sich über weite Strecken langweilen. Als Abschied funktioniert die "Polizeiruf"-Folge "Der Wanderer zieht von dannen" trotzdem, weil sie hängen bleibt.
Titelfoto: MDR/Felix Abraham

