Benjamin von Stuckrad-Barre über DDR: "Klang so, als ob alles ein bisschen grau und braun ist"
Leipzig - Beinahe pünktlich zum 80. Geburtstag von Udo Lindenberg am 17. Mai war am Freitagabend mit dem Schriftsteller Benjamin von Stuckrad-Barre (51) der wohl größte Lindenberg-Fan der Gegenwart zu Gast im "Riverboat". Dabei sprach der Autor auch über seine frühesten Erinnerungen an die DDR und die Bedeutung von Lindenbergs Musik über die innerdeutsche Grenze hinweg.
Stuckrad-Barre selbst hatte den Arbeiter- und Bauernstaat zunächst durch die Erzählungen seines Vaters kennengelernt: "Irgendwie klang das so, als ob da alles so ein bisschen grau und braun ist", erinnerte sich der gebürtige Bremer im Gespräch mit Moderatorin Kim Fisher (57) zurück.
In seiner Kindheit sei die DDR dabei zumindest unter Gleichaltrigen jedenfalls kaum Thema gewesen. "Sie war gar nicht weit, aber eben doch ein völlig anderes Land, ein anderer Kontinent. Ich kriegte immer mit, dass wir da Weihnachten Schokolade hinschicken, aber wir Kinder haben gar keine zurückgekriegt", scherzte der 51-Jährige.
Die erste Berührung mit dem Werk Lindenbergs erfolgte dann wenig später. "Das, was mich als Kind schon an Udo begeistert hat, war dieses dauernde Spielen mit der Sprache. Das hat was in mir zum Klingen gebracht. Deshalb dachte ich schon mit acht oder neun Jahren: Das ist mein bester Freund. Zwanzig Jahre später haben wir uns dann auch getroffen, davor war die Freundschaft ein bisschen einseitig."
Die Tragweite des Wirkens des Panikrockers über die innerdeutsche Grenze hinweg sei ihm dabei erst später bewusst geworden, erklärte Stuckrad-Barre.
Stuckrad-Barre über Lindenberg-Konzert in Magdeburg: "Ich habe durchgeweint"
So liege die große Stärke Lindenbergs darin, dass er sich auf die ihm eigene und spezielle Art über die SED-Diktatur lustig gemacht habe, etwa indem er "lecker" auf "Honecker" gereimt habe. Kim Fisher pflichtete dem Autor bei: "Genau, aber nie bissig, sondern immer irgendwie auch mit Herz."
Stuckrad-Barre: "Wenn man sich das heute vorstellt: Der hat Honecker eine Gitarre geschenkt, auf der steht 'Gitarren statt Knarren' - wie cool ist das bitte? Das muss man erst mal bringen."
Die Bedeutung und Tragweite der Musik Lindenbergs habe der 51-Jährige dann erst vollständig im Jahr 2003 auf einem Udo-Konzert in Magdeburg verstanden: "Ich hab’ durchgeweint."
Die komplette Sendung "Riverboat" sehr Ihr jederzeit auf Abruf in der ARD-Mediathek.
Titelfoto: Bildmontage/Sebastian Gollnow/dpa

