Wenn der Spaß in den Hintergrund rückt: Talkshow-Gäste tief getroffen von Amokfahrt

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Leipzig - Die tödliche Amokfahrt am vergangenen Montag in Leipzig beschäftigt Deutschland. Auch Moderatoren, Gäste und Publikum des "Riverboat", das am Freitagabend im MDR lief, standen noch unter dem Eindruck der schrecklichen Ereignisse - aufgezeichnet wurde die Sendung nämlich nur einen Tag danach.

Für Kim Fisher (57) und Klaus Brinkbäumer (59) war es keine normale "Riverboat"-Sendung. (Archivbild)
Für Kim Fisher (57) und Klaus Brinkbäumer (59) war es keine normale "Riverboat"-Sendung. (Archivbild)  © MDR/Stephan Flad

Die Stimmung ist ein wenig gedrückt zu Beginn der Sendung, nachdem die Moderatoren Kim Fisher (57) und Klaus Brinkbäumer (59) ihre Gäste wie üblich vorgestellt haben.

Klar ist aber sofort, dass die Talkshow-Macher nur rund 24 Stunden nach den tragischen Geschehnissen vom Vortag nicht sofort zur Tagesordnung übergehen wollen. Stattdessen setzt der MDR auf Transparenz.

"Wir nehmen die heutige Sendung an einem Dienstag auf, was für Riverboat sehr, sehr ungewöhnlich ist", so Brinkbäumer. "Und das bedeutet in dieser Woche, dass wir sie am Tag nach dem grausamen Anschlag aufzeichnen, der diese so weltoffene, so leuchtende Stadt Leipzig gestern erschüttert hat."

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Bevor die Sendung richtig startet, wolle man die Gelegenheit nutzen und "den Angehörigen, den Freunden der Opfer unser Beileid aussprechen, den Verletzten schnellste Besserung wünschen."

Auch Fisher hakt wenige Minuten später ein, betont, wie wichtig es sei, dass die Menschen sich umeinander kümmern. Das Thema gehöre in die Sendung, dennoch freue sie sich, dass alle Gäste gekommen sind und man zusammen einen guten Abend habe werde.

"Riverboat": Sebastian Krumbiegel mit Appell, sich mehr um psychisch Kranke zu kümmern

"Prinzen"-Frontmann Sebastian Krumbiegel (59) ist selbst Leipziger und sagt: "Es hätte uns alle treffen können." (Archivbild)
"Prinzen"-Frontmann Sebastian Krumbiegel (59) ist selbst Leipziger und sagt: "Es hätte uns alle treffen können." (Archivbild)  © Martin Schutt/dpa

Der Leipziger Jeffrey K. (33) war am späten Montagnachmittag mit seinem VW durch die Fußgängerzone in der Leipziger Innenstadt gerast, hatte dabei zwei Menschen getötet und mehrere teils schwer verletzt.

Zu den mutmaßlichen Hintergründen kamen im Laufe der vergangenen Tage immer weitere Details ans Licht. Doch dass der Beschuldigte psychische Probleme haben könnte und deswegen ausgerastet ist, war bereits am Dienstag bekannt geworden.

Sebastian Krumbiegel (59) nahm das zum Anlass, im "Riverboat" einen Appell an alle zu richten. Der "Prinzen"-Frontmann ist selbst Leipziger und ist sich bewusst: "Es hätte uns alle treffen können, das muss man ganz klar sagen." Er selbst fahre regelmäßig mit dem Fahrrad durch die Straße, in der K. mit seinem Auto Menschen das Leben nahm.

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"Wir können uns einfach mehr um Menschen mit psychischen Erkrankungen", so der 59-Jährige. "Am Ende schlummern in uns allen Dinge, die wir nicht kennen und die uns vielleicht selbst auch erschrecken."

Er wolle die Tat nicht mit den mutmaßlichen psychischen Probleme des Amokfahrers entschuldigen, es handele sich dennoch um eine Krankheit und vielleicht sei das zumindest eine Erklärung.

Zwei Menschen starben, mehrere wurden verletzt, als Jeffrey K. mit seinem Wagen durch die Leipziger Innenstadt raste.
Zwei Menschen starben, mehrere wurden verletzt, als Jeffrey K. mit seinem Wagen durch die Leipziger Innenstadt raste.  © Jan Woitas/dpa

Jeffrey K. soll seine Tat angekündigt, eine entsprechende Nachricht samt Drohungen an seine Ex-Partnerin geschickt haben. Diese ging zur Polizei, die einen Einsatz bei dem Verdächtigen durchführte. Infolgedessen begab sich der 33-Jährige in eine psychiatrische Klinik, die er aber nur acht Tage später wieder verlassen konnte. Ein verhängnisvoller Fehler, wie nun klar ist.

Wenn Ihr die "Riverboat"-Folge am Freitagabend verpasst habt, könnt Ihr sie Euch jederzeit in der MDR-Mediathek anschauen.

Titelfoto: Bildmontage: Jan Woitas/dpa, MDR/Stephan Flad

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